Sie erinnert ein wenig an Cro, ein wenig an Banksy – und ist doch vor allem ein sehr schwedisches Pop-Phänomen. Felicia Eriksson wurde berühmt, ohne ihr Gesicht zu zeigen: erst als Fröken Snusk, auf Deutsch etwa „Fräulein Dreck“, später unter ihrem bürgerlichen Vornamen. Nun fährt sie für Schweden zum Eurovision Song Contest 2026 nach Wien.

Ganz neu ist Felicia in der ESC-Welt nicht. Schon 2024 stand sie beim Melodifestivalen, dem schwedischen Vorentscheid, auf der Bühne – damals noch als Fröken Snusk, mit rosaroter Sturmhaube und EPA-Dunk, jenem schwedischen Partysound aus elektronischen Beats und provokanten Texten. Für den Sieg reichte es jedoch nicht; sie schied im Halbfinale aus. Zwei Jahre später kehrte sie zurück – nicht mehr als Fröken Snusk, sondern als Felicia. Mit „My System“ gewann sie den Vorentscheid und lieferte einen Song, der ihre alte EPA-Dunk-Energie noch in sich trägt, sie aber in einen internationaleren Club-Pop übersetzt.

Felicia beim ESC 2026: Warum sie ihr Gesicht lange verbarg

Geboren wurde Felicia Agneta Eriksson am 5. Oktober 2001 in Tullinge, südlich von Stockholm; aufgewachsen ist sie in der Gemeinde Botkyrka. Um zu verstehen, warum Felicia in Schweden so viel Aufmerksamkeit bekommt, muss man jedoch zu jener Figur zurück, mit der ihre Karriere begann: Fröken Snusk. Der Name war nie bloß ein Künstlername, sondern ein streng kontrolliertes Pop-Konzept aus derben Texten und elektronischen Beats. Laut der schwedischen Zeitung „Aftonbladet“ durfte Felicia in dieser Zeit ihr Gesicht vertraglich nicht zeigen und ihre Identität nicht offenlegen.

Nach dem Erfolg bei der schwedischen Ausgabe von „The Masked Singer“ kam der Bruch. Produzent Rasmus Gozzi ersetzte Felicia durch eine andere, weiterhin anonyme Sängerin; Felicia startete unter eigenem Namen neu. Im Herbst 2025 erschien ihre erste Single unter eigenem Namen, „Black Widow“ – und der Neustart gelang sofort: Der Song schaffte es bis in die Top drei der schwedischen Spotify-Charts. Anfang 2026 folgte die EP „SERVE“, auf der auch „My System“ erschien.

ESC 2026 Schweden Felicia
Aus Fröken Snusk wurde Felicia: Schwedens ESC-Kandidatin bringt mit „My System“ nicht nur Club-Pop nach Wien, sondern auch einen Neuanfang.© IMAGO | TT

Ganz verschwunden ist die alte Inszenierung jedoch nicht. Felicia trägt weiterhin Masken oder Augenbedeckungen, nun aber weniger als Teil einer fremden Kunstfigur, sondern als selbst gewähltes Zeichen von Kontrolle. Gegenüber mehreren schwedischen Medien sprach sie über psychische Belastungen, Depressionen und Hasskommentare über ihren Körper. Ihr Gesicht wolle sie diesem Hass nicht ebenfalls aussetzen, sagte sie der „Göteborgs-Posten“. Gleichzeitig bereite sie sich laut „Aftonbladet“ darauf vor, die Maske irgendwann abzulegen. Der ESC in Wien könnte dafür eine Gelegenheit sein.

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Schweden beim ESC 2026: Das ist Felicias Song „My System“

Auch musikalisch zeigt sich dieser Neustart in ihrem ESC-Song. „My System“ ist ein energiegeladener Clubtrack, deutlich inspiriert von elektronischer Tanzmusik der späten Neunziger- und frühen Nullerjahre. Der Song handelt von dem Versuch, einen Menschen loszulassen, der emotional längst noch nicht verschwunden ist. Felicia selbst versteht den Text allerdings weiter: Es müsse nicht zwingend um Liebeskummer gehen, sagte sie in mehreren Interviews; es könne auch ein Familienmitglied gemeint sein. Gerade darin sehe sie die Stärke des Songs: Man könne ihn traurig hören, aber auch glücklich dazu tanzen.

Musikalisch knüpft „My System“ noch an Felicias EPA-Dunk-Vergangenheit an, übersetzt deren Energie aber in einen zugänglicheren, internationaleren Club-Pop, der deutlich auf die ESC-Bühne zugeschnitten ist. Dass der Song so international klingt, passt auch zu seiner Entstehung: Geschrieben wurde er in einem Songwriting-Camp in Island, gemeinsam von Felicia, Audun Agnar, Emily Harbaak, Julie Bergan und Theresa Rex. Noch nie waren an einem schwedischen ESC-Beitrag so viele nicht-schwedische Songwriterinnen und Songwriter beteiligt.

Felicia mit „My System“: Schwedens ESC-Beitrag im Video

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Felicia: Der Songtext von „My System“

Songtext auf Englisch

I don’t even want you
No you don’t take up space
On any given Monday
I’m forgetting how you taste

I killed the whole idea of you
Been dancing on your grave
Cause I don’t even want you
Then Friday screams your name

Cause now you’re in my head, my heart, my body parts
You’re always coming back on the weekends
You’re in every touch
And thought - and every shot
No I can’t get you out of my system
No I can’t get you out of my system

Hate the morning after
Hate the way you make me feel
I am a disaster
I just need to fix myself for real

Cause now you’re in my head, my heart, my body parts
You’re always coming back on the weekends
You’re in every touch
And thought - and every shot
No I can’t get you out of my system

No I can’t get you out of my system
No I can’t get you out of my system

If I deleted all the memories of you and me
And barricaded my walls
If I encrypted all my feelings for security
It wouldn’t matter at all

Cause now you’re in my head, my heart, my body parts
You’re always coming back on the weekends
You’re in every touch
And thought - and every shot
No I can’t get you out of my system
No I can’t get you out of my system

Songtext auf Deutsch

Ich will dich nicht mal mehr
Nein, du nimmst keinen Platz mehr ein
An irgendeinem Montag
Vergesse ich, wie du schmeckst

Ich habe die ganze Vorstellung von dir begraben
Habe auf deinem Grab getanzt
Denn ich will dich nicht mal mehr
Doch am Freitag schreit alles deinen Namen

Denn jetzt bist du in meinem Kopf, meinem Herzen, jedem Teil von mir
An den Wochenenden kommst du immer wieder zurück
Du bist in jeder Berührung
In jedem Gedanken – und in jedem Shot
Nein, ich bekomme dich nicht aus meinem System
Nein, ich bekomme dich nicht aus meinem System

Ich hasse den Morgen danach
Hasse, wie du mich fühlen lässt
Ich bin ein einziges Chaos
Ich muss mich wirklich endlich wieder hinkriegen

Denn jetzt bist du in meinem Kopf, meinem Herzen, jedem Teil von mir
An den Wochenenden kommst du immer wieder zurück
Du bist in jeder Berührung
In jedem Gedanken – und in jedem Shot
Nein, ich bekomme dich nicht aus meinem System

Nein, ich bekomme dich nicht aus meinem System
Nein, ich bekomme dich nicht aus meinem System

Selbst wenn ich alle Erinnerungen an dich und mich löschen würde
Und Mauern um mich errichtete
Selbst wenn ich all meine Gefühle verschlüsseln würde, zur Sicherheit
Es würde überhaupt nichts ändern

Denn jetzt bist du in meinem Kopf, meinem Herzen, jedem Teil von mir
An den Wochenenden kommst du immer wieder zurück
Du bist in jeder Berührung
In jedem Gedanken – und in jedem Shot
Nein, ich bekomme dich nicht aus meinem System
Nein, ich bekomme dich nicht aus meinem System

So erfolgreich war Schweden zuletzt beim ESC

Für Schweden ist der Eurovision Song Contest keine Nebensache, sondern fast eine nationale Disziplin. Mit sieben Siegen liegt das Land gemeinsam mit Irland an der Spitze der ESC‑Bestenliste. Zuletzt gewann Loreen 2023 mit „Tattoo“, nachdem sie bereits 2012 mit „Euphoria“ triumphiert hatte. Auch mit Wien verbindet Schweden gute Erinnerungen: 2015 gewann Måns Zelmerlöw dort mit „Heroes“.

Entsprechend hoch ist der Anspruch, der mit jedem schwedischen Beitrag mitreist. Schweden kommt fast immer als Land, dem man den nächsten perfekten Popsong zutraut. Auch 2025 bestätigte sich dieser Ruf: Das finnlandschwedische Comedytrio KAJ erreichte mit „Bara bada bastu“ Platz drei, hinter Österreich und Israel. Felicia selbst gibt sich dennoch gelassen. Sie sei schließlich im Melodifestivalen gewählt worden, sagte sie mehreren schwedischen Medien. Sollte es beim ESC nicht laufen, trage sie die Verantwortung also nicht allein.

Ganz sorgenfrei ist die Ausgangslage trotzdem nicht. In den aktuellen Wettquoten liegt Schweden nicht an der Spitze, sondern nur im Mittelfeld: Eurovisionworld sieht Felicia mit „My System“ derzeit bei rund zwei Prozent Gewinnwahrscheinlichkeit (Stand: 11. Mai). Favorit ist Finnland mit Linda Lampenius und Pete Parkkonen und dem Song „Liekinheitin“, vor Griechenland mit Akylas, Dänemark mit Søren Torpegaard Lund und Frankreich mit Monroe.

Eurovision Song Contest 2026: Die Startreihenfolge im Finale