Griechenland schickt den wohl auffälligsten Beitrag des Jahres zum Eurovision Song Contest nach Wien. Wenn Akylas in der dortigen Stadthalle auftritt, dürfte das einer jener drei Minuten langen ESC-Momente werden, bei denen man erst irritiert ist und kurz darauf merkt: Genau deshalb bleibt der Auftritt hängen.
Akylas’ Song „Ferto“ klingt, als würden griechischer Rap, ein 8-Bit-Videospiel und Klänge aus der griechischen Volksmusik frontal aufeinandertreffen. Dazu kommt eine auffällige Inszenierung, die den Beitrag endgültig aus der gewohnten ESC-Ordnung kippen lässt. Und dennoch war es genau diese Mischung, mit der sich Akylas im griechischen Vorentscheid gegen die Konkurrenz durchsetzte.
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Akylas Mytilineos beim ESC 2026: Vom Kreuzfahrtschiff auf die Eurovision-Bühne
Hinter diesem bewusst überdrehten Auftritt steht ein Künstler, dessen Weg zum ESC alles andere als geradlinig verlief. Der 1999 in Serres geborene Sänger Akylas Mytilineos nahm nicht den klassischen Weg durch die Popindustrie, sondern näherte sich der Musikbranche über Umwege. Nach ersten musikalischen Grundlagen an der Music School of Serres zog es ihn zunächst nach Thessaloniki, wo er eine Kochschule absolvierte, in Restaurants arbeitete und sich zugleich in Seminaren und Theaterworkshops weiterbildete. Später stand er zwei Jahre lang als Sänger auf Kreuzfahrtschiffen auf der Bühne, bevor er nach Athen zog, um ganz auf seine Musikkarriere zu setzen.
Größere Aufmerksamkeit bekam Akylas, als er 2021 begann, Coverversionen auf TikTok zu veröffentlichen. 2022 folgte ein Auftritt bei „The Voice of Greece“. Seither hat er sich als Künstler profiliert, der Pop, Rap und griechische Einflüsse so verbindet, dass daraus kein glattgebügelter Mainstream entsteht, sondern ein Stil mit klarem Eigenleben. Der Sieg im griechischen Vorentscheid markiert dennoch den bislang größten Karriereschritt des Sängers. „Ferto“ ist sein erster Song, der es in die griechischen Charts geschafft hat.
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Griechenland beim ESC 2026: „Ferto“ ist mehr als ein Spaßbeitrag
Akylas’ Song „Ferto“ wirkt zunächst wie der obligatorische Spaßbeitrag beim ESC. Tatsächlich ist der Song aber deutlich klüger gebaut, als es der Eindruck vermuten lässt. Schon der Titel, der sich je nach Zusammenhang mit „Gib her“ oder „Bring es“ übersetzen lässt, trägt diesen doppelten Charakter in sich: Er klingt nach Übermut – und erzählt doch von Mangel.
Musikalisch lebt der Song von Tempo, starken Reizen und schnellen Wechseln. Ein elektronischer Dancebeat trifft auf Klänge aus der griechischen Volksmusik, darunter die kretische Lyra. Dazu kommen Soundeffekte, die an frühe Videospiele erinnern. Akylas singt überwiegend auf Griechisch, streut aber auch englische, spanische und französische Wörter ein – Eurovision pur.
Entscheidend ist jedoch, dass der Beitrag hinter seiner grellen Oberfläche einen ernsten Kern freilegt. Akylas sagt selbst, „Ferto“ handle von Überkonsum, Gier und dem ständigen Drang nach immer mehr. Das verbindet er mit seiner eigenen Biografie: Seine Mutter habe ihm in der Kindheit aus finanziellen Gründen viele Wünsche nicht erfüllen können. In der emotionaleren Passage des Songs richtet er sich deshalb an sie und verspricht, dass es ihnen eines Tages an nichts mehr fehlen werde.
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Akylas Mytilineos mit „Ferto“: Griechenlands ESC-Beitrag im Video
Akylas Mytilineos: Der Songtext von „Ferto“
Songtext auf Griechisch, Spanisch, Französisch, Englisch
Prépi na péxo, den tha páo páso
Mi ambicion es fuego, nunca fracaso
No hay limite, todo lo arraso
Kinigáo ta páda méhri na ta ftáso
Thélo éna stéma ki énan thróno na kátso
Ena block epitagón ke check se ólus na grápso
Fére mu éna potó pu thélo na xedipsáso
Férta mu óla óla páli den tha hortáso
Real estate, férto
Sashimi tuna, férto
Hrisó rolói yialí designer su léo férto
Leather palto, férto
Ke escargot, férto
Rally cars, yacht me stars su ípa férto
Férto, férto, férto
Férto mu, Férto mu, Férto
Férto mu, Férto mu, Férto
Férto mu, Férto mu, Férto
Su ípa férto
Férto mu, Férto mu, Férto
Férto mu, Férto mu, Férto
Férto mu, Férto mu, Férto
Je veux le sommet, pas juste un pas,
Rien ne me suffit, je réclame tout ça.
Akómi ki óla den ine arketá
Thélo tósa polá pu den ine aptá
Thélo dóxa eoniótita ke leftá
Rúha epilégmena pu ne tóso akrivá
Na fonázun to ónoma mu tóso dinatá
Ke na horévo, horévo óso páo psilá
Diamond rings, férto
Cuban links, férto
Submarines, jet machines thélo opóte férto
Gi ki uranó, férto
Ton kósmo ólo, férto
Endós ki ektós planíti, an den to ho férto
Férto, férto, férto
Férto mu, Férto mu, Férto
Férto mu, Férto mu, Férto
Férto mu, Férto mu, Férto
Su ípa férto
Férto mu, Férto mu, Férto
Férto mu, Férto mu, Férto
Férto mu, Férto mu, Férto
Thélo dóxa eoniótita ke leftá
Rúha epilégmena pu ne tóso akrivá
Na fonázun to ónoma mu tóso dinatá
Na léne férto mas Akyla, férto
Kíta mama, ósa sterithíkame paliá
Niótho pos tha kataféro
Na prosféro
Mi mas lípsi káti xaná
Des me mamá, agorázo na klíso kená
Tha su páro ke séna polá
Spítia amáxia ke exohiká
Vévea… an kerdíso…
Whatever, katálaves… opóte…
Férto, férto, férto
Férto mu, Férto mu, Férto
Férto mu, Férto mu, Férto
Férto mu, Férto mu, Férto
Su ípa férto
Férto mu, Férto mu, Férto
Férto mu, Férto mu, Férto
Férto mu, Férto mu, Férto
Su ípa férto
Songtext auf Deutsch
Ich muss spielen, ich werde nicht klein beigeben
Mein Ehrgeiz ist Feuer, ich scheitere nie
Es gibt keine Grenze, ich walze alles nieder
Ich jage allem nach, bis ich es erreiche
Ich will ein Zepter und einen Thron, auf dem ich sitzen kann
Einen Block voller Schecks, auf den ich alle schreiben kann
Gib mir einen Drink, ich will meinen Durst stillen
Gib mir alles, alles, ich werde trotzdem nicht satt
Immobilien, gib her
Thunfisch-Sashimi, gib her
Goldene Uhr, Designer-Sonnenbrille, ich sag dir: gib her
Ledermantel, gib her
Und Escargots, gib her
Rallyeautos, Yacht mit Stars, ich hab dir gesagt: gib her
Gib her, gib her, gib her
Gib’s mir, gib’s mir, gib her
Gib’s mir, gib’s mir, gib her
Gib’s mir, gib’s mir, gib her
Ich hab gesagt: gib her
Gib’s mir, gib’s mir, gib her
Gib’s mir, gib’s mir, gib her
Gib’s mir, gib’s mir, gib her
Ich will den Gipfel, nicht bloß einen Schritt
Nichts reicht mir, ich verlange das alles
Auch alles zusammen ist noch nicht genug
Ich will so vieles, dass es nicht mehr greifbar ist
Ich will Ruhm, Ewigkeit und Geld
Sorgfältig ausgewählte Kleidung, so teuer
Sie sollen meinen Namen so laut rufen
Und ich will tanzen, tanzen, je höher ich steige
Diamantringe, gib her
Cuban Links, gib her
U-Boote, Düsenmaschinen, die will ich, also gib her
Erde und Himmel, gib her
Die ganze Welt, gib her
Innerhalb und außerhalb des Planeten: Wenn ich es nicht habe, gib her
Gib her, gib her, gib her
Gib’s mir, gib’s mir, gib her
Gib’s mir, gib’s mir, gib her
Gib’s mir, gib’s mir, gib her
Ich hab gesagt: gib her
Gib’s mir, gib’s mir, gib her
Gib’s mir, gib’s mir, gib her
Gib’s mir, gib’s mir, gib her
Ich will Ruhm, Ewigkeit und Geld
Sorgfältig ausgewählte Kleidung, so teuer
Sie sollen meinen Namen so laut rufen
Sie sollen sagen: Gib’s uns, Akylas, gib her
Schau, Mama, was uns früher alles gefehlt hat
Ich habe das Gefühl, ich werde es schaffen
Etwas zu geben
Damit uns nie wieder etwas fehlt
Sieh mich an, Mama, ich kaufe, um Lücken zu schließen
Ich werde auch dir vieles kaufen
Häuser, Autos und Ferienhäuser
Natürlich … wenn ich gewinne …
Egal, du hast verstanden … also …
Gib her, gib her, gib her
Gib’s mir, gib’s mir, gib her
Gib’s mir, gib’s mir, gib her
Gib’s mir, gib’s mir, gib her
Ich hab gesagt: gib her
Gib’s mir, gib’s mir, gib her
Gib’s mir, gib’s mir, gib her
Gib’s mir, gib’s mir, gib her
Ich hab gesagt: gib her
So erfolgreich war Griechenland zuletzt beim ESC
Dass Griechenland mit einem Beitrag wie „Ferto“ ins Rennen geht, ist kein völliger Ausreißer in der eigenen ESC-Geschichte. Das Land gehört zwar nicht zu den ewigen Großmächten des Wettbewerbs, wohl aber zu jenen Nationen, die immer wieder Beiträge schicken, an die man sich erinnert. Seit dem Debüt 1974 gab es zahlreiche Top-Ten-Platzierungen; den bis heute größten Triumph lieferte 2005 Helena Paparizou: Mit „My Number One“ holte sie den Sieg. Bemerkenswert ist zudem, dass Griechenland beim Eurovision Song Contest noch nie auf dem letzten Platz gelandet ist.
Die jüngere Bilanz zeigt dabei weniger einen Niedergang als eine Phase wechselnder Erfolge mit neuer Aufwärtsbewegung. 2022 wurde Amanda Georgiadi Tenfjord mit „Die Together“ Achte, 2023 verpasste Griechenland das Finale. 2024 kam Marina Satti mit „Zari“ auf Rang 11, 2025 gelang mit Klavdia und „Asteromáta“ auf Platz sechs ein deutliches Comeback.
- 2025: Klavdia – „Asteromata“ (Platz 6)
- 2024: Marina Satti – „Zari“ (Platz 11)
- 2023: Victor Vernicos – „What They Say“ (nicht für das Finale qualifiziert)
- 2022: Amanda Georgiadi Tenfjord – „Die Together“ (Platz 8)
- 2021: Stefania – „Last Dance“ (Platz 10)
Auch deshalb reist Griechenland 2026 nicht als bloßer Außenseiter nach Wien. In den Wettquoten liegt derzeit zwar Finnland vorne, auch Frankreich und Dänemark werden regelmäßig unter den aussichtsreichsten Ländern genannt. Griechenland aber hält sich in vielen Übersichten in Schlagdistanz zur Spitze.
Eurovision Song Contest 2026: Die Startreihenfolge im Finale
- 01 Dänemark: Søren Torpegaard Lund – „Før Vi Går Hjem“
- 02 Deutschland: Sarah Engels – „Fire“
- 03 Israel: Noam Bettan – „Michelle“
- 04 Belgien: Essyla – „Dancing On The Ice“
- 05 Albanien: Alis – „Nân“
- 06 Griechenland: Akylas – „Ferto“
- 07 Ukraine: Leléka – „Ridnym“
- 08 Australien: Delta Goodrem – „Eclipse“
- 09 Serbien: Lavina – „Kraj Mene“
- 10 Malta: Aidan – „Bella“
- 11 Tschechien: Daniel Zizka – „Crossroads“
- 12 Bulgarien: Dara – „Bangaranga“
- 13 Kroatien: Lelek – „Andromeda“
- 14 Vereinigtes Königreich: Look Mum No Computer – „Eins Zwei Drei“
- 15 Frankreich: Monroe – „Regarde!“
- 16 Moldau: Satoshi – „Viva, Moldova!“
- 17 Finnland: Linda Lampenius x Pete Parkkonen – „Liekinheitin“
- 18 Polen: Alicja – „Pray“
- 19 Litauen: Lion Ceccah – „Sólo Quiero Más“
- 20 Schweden: Felicia – „My System“
- 21 Zypern: Antigoni – „Jalla“
- 22 Italien: Sal Da Vinci – „Per Sempre Sì“
- 23 Norwegen: Jonas Lovv – „Ya Ya Ya“
- 24 Rumänien: Alexandra Căpitănescu – „Choke Me“
- 25 Österreich: Cosmó – „Tanzschein“



