• Sportwetten, Pferdewetten, Lotto: Viele Glücksspiele sind in Deutschland erlaubt – aber nur mit Lizenz
  • ESC-Wetten bleiben hierzulande tabu, obwohl Buchmacher im Ausland längst Quoten anbieten
  • Warum der Song Contest nicht als Sportwette gilt und welche Risiken drohen

Sie gelten als mehr oder weniger zuverlässige Prognose vor dem Eurovision Song Contest: die Wettquoten der Buchmacher. Denn oft haben diese schon erstaunlich genau vorhergesagt, wer den ESC gewinnt. Zuletzt lagen sie aber auch immer wieder daneben. So auch 2025: Vor dem Finale in Basel galt Schweden mit KAJ als Favorit, Österreichs JJ lag bei den Buchmachern nur auf Platz zwei – am Ende gewann dennoch JJ mit „Wasted Love“.  

Unabhängig davon, ob sich die Wettquoten am Ende als richtig erweisen oder nicht: Die Wetten in den Wettbüros lassen die Kassen klingeln. Zumindest in vielen europäischen Ländern. Doch in Deutschland sind Wetten auf den ESC weiterhin verboten. Was steckt dahinter?

ESC-Wetten in Deutschland: Das sagt der Glücksspielstaatsvertrag

Die Rechtslage in Deutschland ist eindeutig. Sie besagt, dass Wetten auf bestimmte Ereignisse zwar möglich sind – aber eben nicht auf alle. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder, kurz GGL, erklärt auf ihrer Webseite grundsätzlich: „Alle Glücksspiele, die nicht ausdrücklich als erlaubnisfähig genannt sind, gelten als nicht erlaubnisfähig und sind damit verboten.“

Was erlaubt ist und was nicht, regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021. Er sieht nach Angaben der GGL nur für bestimmte öffentliche Glücksspiele im Internet eine Erlaubnismöglichkeit vor, darunter Lotterien, Sportwetten, Pferdewetten, virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und bestimmte Online-Casinospiele. Eventwetten wie auf den Eurovision Song Contest werden dort nicht genannt.

Ziel des Glücksspielstaatsvertrags ist es laut GGL unter anderem, den Glücksspielmarkt bundesweit zu regulieren, Jugend- und Spielerschutz sicherzustellen, Spielsucht vorzubeugen und illegale Angebote zu bekämpfen. Genau das ist beim ESC laut Glücksspielbehörde aber nicht gegeben: „Für Wetten auf den Eurovision Song Contest liegen nach der Einschätzung des Gesetzgebers diese Voraussetzungen nicht vor. Insbesondere handelt es sich bei dem durch Gremien der Teilnehmerländer und Zuschauer beeinflussbaren Ausgang nicht um eine Wette, deren Ausgang nur von der Leistung der teilnehmenden Kontrahenten bestimmt wird.“

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ESC-Wettangebote aus dem Ausland: Spieler können sich strafbar machen

Doch da die Gesetze nicht in allen Ländern gleich sind – in Österreich sind Wetten auf den ESC etwa möglich –, gibt es im Internet weiterhin diverse Möglichkeiten, auch von Deutschland aus auf den Eurovision Song Contest zu wetten. Erlaubt ist das jedoch nicht.

Denn bei der Teilnahme an solchen Angeboten handele es sich um „unerlaubtes Glücksspiel“, so der Deutsche Sportwettenverband. Die Glücksspielbehörde verweist in diesem Zusammenhang zum einen auf § 284 des Strafgesetzbuches, nach dem die Veranstaltung unerlaubter Glücksspiele strafbar ist, und betont zum anderen: „Spieler können sich strafbar machen.“ Die Behörde selbst führt zwar keine Strafverfahren, kann mögliche Verstöße aber an die zuständigen Staatsanwaltschaften melden. Für Teilnehmende sieht § 285 StGB eine Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder eine Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen vor.

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Unerlaubtes Glücksspiel: Wie die GGL gegen illegale ESC-Wetten vorgeht

Auf einem Teil der Webseiten, auf denen über ESC-Wettquoten informiert wird, gibt es Hinweise, dass die Teilnahme aus Deutschland verboten ist. So versuchen Anbieter, sich rechtlich abzusichern. Technisch möglich ist die Teilnahme oft dennoch.

Gegen unerlaubte Glücksspielangebote werden nach Angaben der GGL verschiedene Maßnahmen ergriffen. Dazu gehören Untersagungsverfahren, Zwangsgelder, Meldungen an Staatsanwaltschaften, Ordnungswidrigkeitsverfahren, Netzsperren sowie Zahlungsunterbindungen gegen Zahlungsdienstleister. Dass die Behörde tatsächlich gegen solche Angebote vorgeht, zeigen auch aktuelle Zahlen der GGL: 2024 stellte sie 23 Strafanzeigen wegen illegalen Glücksspiels. 459 illegale Internetseiten waren aufgrund von Untersagungsverfahren nicht mehr von Deutschland aus erreichbar, 657 weitere aufgrund von Netzsperren. Bei 165 illegalen Glücksspielseiten wurden Zahlungen über gängige Zahlungsdienstleister blockiert.

Ein Blick auf die Wettquoten lohnt sich hierzulande also nur, wenn man wissen möchte, wem die Buchmacher die größten Chancen auf den ESC-Sieg einräumen. Und so viel sei verraten: Deutschland ist es auch 2026 nicht. Sarah Engels tritt in Wien mit „Fire“ für Deutschland an, liegt in den aktuellen Prognosen aber deutlich außerhalb des Favoritenkreises.

Dieser Artikel wurde erstmals im Mai 2023 veröffentlicht.