Die SPD gewinnt die Kommunalwahl in Wuppertal 2025. Die AfD legt deutlich zu – die Grünen stürzen ab. Das Kräfteverhältnis zwischen den im Wuppertaler Stadtrat vertretenen Parteien hat sich stark gewandelt. Die Politik in Wuppertal wird sich verändern, unabhängig davon, wen die Wuppertaler in der Stichwahl am 28. September (Sonntag) zu ihrem Oberbürgermeister wählen.

Hier sind die ersten sechs Erkenntnisse aus der Kommunalwahl 2025 in Wuppertal:

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1. Die SPD gewinnt – Miriam Scherff macht alles richtig

Die SPD ist die Siegerin der Kommunalwahl in Wuppertal 2025. Das Ergebnis von 28,8 Prozent der Stimmen ist deutlich besser als das landesweite Ergebnis (22,1 Prozent).

Oberbürgermeister-Kandidatin Miriam Scherff geht mit 33,3 Prozent und einem deutlichen Vorsprung als Favoritin in die Stichwahl am 28. September (Sonntag) gegen ihren Kontrahenten Matttias Nocke (CDU, 23,4 Prozent) – das Ergebnis ist ein deutliches Votum für sie.

Indem sich Scherff im Wahlkampf stark von ihrer Partei abgrenzte, scheint sie alles richtig gemacht zu haben. Aber auch die SPD insgesamt konnte die Wähler mit ihrem Wahlkampf in Wuppertal überzeugen – und ein Zeichen gegen den bundesweiten Trend in Wuppertal setzen.

Die Amtszeit von Uwe Schneidewind (Grüne) ist vorbei. Nun kämpfen Matthias Nocke (CDU) und Miriam Scherff (SPD) in der Stichwahl um seine Nachfolge.
Die Amtszeit von Uwe Schneidewind (Grüne) ist vorbei. Nun kämpfen Matthias Nocke (CDU) und Miriam Scherff (SPD) in der Stichwahl um seine Nachfolge.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

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2. Die Chance für die CDU ist klein – Matthias Nocke bleibt aber kämpferisch

Nur 22,2 Prozent der Stimmen (minus 2 Prozent zu 2020), in die Stichwahl mit 23,4 Prozent: Ihr Ergebnis ist für die Wuppertaler CDU und ihren Oberbürgermeister-Kandidaten Matthias Nocke enttäuschend. Der Landestrend mit 33,3 Prozent der Stimmen ist deutlich besser. Dennoch geht Nocke kämpferisch in die Stichwahl in zwei Wochen.

„Ein Ziel für die Union haben wir erreicht: Dass ihr Kandidat in die Stichwahl kommt“, sagte er auf der Wahlparty im Rathaus in Barmen. Er sehe „ein riesiges Reservoir“ an Wählerstimmen.

Die Chance für den Stadtdirektor die Stichwahl in zwei Wochen zu gewinnen, ist aber klein. Denn: Die Stimmen für Grünen-Kandidatin Dagmar Liste-Frinker (7,5 Prozent) und Linken-Kandidat Salvador Oberhaus (6,2 Prozent) dürften eher Scherff zufallen.

Matthias Nocke (CDU) zieht in die Stichwahl um das Oberbürgermeister-Amt in Wuppertal ein, Favoritin ist jedoch Miriam Scherff.
Matthias Nocke (CDU) zieht in die Stichwahl um das Oberbürgermeister-Amt in Wuppertal ein, Favoritin ist jedoch Miriam Scherff.© Nele Küttner

3. Der Grünen-Aufschwung ist endgültig vorbei

Was war das für ein Kommunalwahlkampf 2020 in NRW: In gleich drei NRW-Städten zog ein Grüner Oberbürgermeister ins Rathaus ein. Was mit Hoffnung und Aufbruch begann, endete für OB Uwe Schneidewind jäh in der Realität.

Das Schwarz-Grüne-Bündnis zerbrach, Schneidewind selbst konnte kaum etwas von seinen Ideen umsetzen. Auch auf Bundesebene haben die Grünen stark verloren. Der Trend spricht gegen die Grünen.

Bei der Kommunalwahl in Wuppertal sind es mit 11,4 Prozent im Vergleich zu 2020 minus 8,2 Prozent. Auch Dagmar Liste-Frinker als OB-Kandidatin der Grünen wird mit einem besseren Ergebnis als 7,5 Prozent für sie gerechnet haben. Das Wuppertal-Ergebnis liegt sogar unter dem Landesschnitt der Grünen (13,3 Prozent).

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4. Die AfD braucht keinen Wahlkampf – sie gewinnt trotzdem

Neben Miriam Scherff und der SPD ist die AfD die Gewinnerin der Kommunalwahl in Wuppertal. Zwar verpasste AfD-Kandidat Hartmut Beucker die Stichwahl um das Oberbürgermeister-Amt, die 16,4 Prozent sind dennoch ein starkes Ergebnis.

Gerne spricht die AfD, die auf Bundesebene vom Bundesverfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall eingeschätzt wird, von „Altparteien“, wenn sie ihre politischen Mitbewerber diskreditieren will. Mittlerweile ist sie selbst eine, so festgesetzt hat sie sich in der deutschen Wählerschaft.

Plakate? Bis auf wenige Ausnahmen Fehlanzeige. Social-Media-Wahlkampf? Eigentlich eine AfD-Stärke, in Wuppertal trat sie dort so gut wie gar nicht in Erscheinung. Oberbügermeister-Kandidat Hartmut Beucker hat nicht einmal einen eigenen Social-Media-Account. Dennoch: Der nicht mal mittelmäßiger Wahlkampf reichte der Partei, um im Rat mit 17,1 Prozent der Stimmen drittstärkste Kraft in Wuppertal zu werden. Für die AfD ist das ein Plus von 10,9 Prozentpunkten.

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5. Marcel Hafke – ein Scheinriese

Marcel Hafke (FDP) präsentierte sich als Kandidat gegen das Weiter-So, war digital und vor Ort präsent – er war sich sicher: Er landet in der Stichwahl. Mit klaren Worten, der Priorisierung auf die Themen Sicherheit und Bildung und einer Prise Populismus war seine Taktik, der AfD und der CDU gleichzeitig Stimmen zu nehmen.

Er erreichte nur 4,9 Prozent der Stimmen, 2,5 Prozent weniger als noch 2020. Auch die 4,2 Prozent der Stimmen für die FDP für den Stadtrat sind ein deutliches Minus zu 2020. Es lässt sich festhalten: Marcel Hafke ist gescheitert.

Marcel Hafke will als Oberbürgermeister von Wuppertal die Verwaltung umkrempeln.
Marcel Hafke (FDP) hat im Vergleich zur Kommunalwahl 2020, als er bereits einmal als FDP-Oberbürgermeister-Kandidat antrat, 2,5 Prozent der Stimmen verloren.© Nele Küttner

6. Elf Kandidaten – ein (zu) breites Angebot an die Wähler

Elf Wuppertalerinnen und Wuppertaler wollten OB ihrer Stadt werden. Demokratie-theoretisch positiv, dass sich so viele Menschen für ihre Stadt engagieren. Gleichzeitig waren sich viele Kandidaten in ihren Positionen einig.

Hätten sich beispielsweise links-orientierte Kandidaten wie Salvador Oberhaus, Susanne Herhaus, Guido Gallenkamp und Selly Wane hinter einem Kandidaten versammelt, wäre vielleicht nicht AfD-Kandidat Hartmut Beucker drittstärkster Kandidat geworden. Natürlich hätte auch das für den Kandidaten nicht für eine Stichwahl gereicht – das Zeichen, das von Wuppertal ausgegangen wäre, wäre aber ein anderes gewesen.

Gleichzeitig gibt es eine andere Perspektive: die, dass viele Menschen diese Stadt gestalten, sie lebens- und liebenswerter machen, sich einbringen wollen. Entscheidend wird sein, dass sich diese Menschen weiter in den politischen Diskurs einbringen, Ideen äußern und weiter anpacken wollen. Dann könnte ihre Kandidatur trotzdem ein Erfolg gewesen sein.