Wahrnehmungspsychologe Axel Buether von der Universität Wuppertal hat Wahlplakate der Wuppertaler Parteien analysiert und Schulnoten vergeben. Das Ergebnis: Extreme überzeugen, Etablierte enttäuschen.

Warum das wichtig ist: Professionelle Kommunikation entscheidet über Wahlerfolg – auch wenn viele Parteien das unterschätzen.

Liveticker zur Kommunalwahl in Wuppertal

In unserem Liveticker zur Kommunalwahl in Wuppertal findest du am Sonntag (14. September) alle Entwicklungen des Wahltages – und ab 18 Uhr alle aktuellen Ergebnisse.

🔴 DIE VERLIERER

Wahlplakat von Miriam Scherff, Oberbürgermeister-Kandidatin der SPD in Wuppertal.
Wahlplakat von Miriam Scherff, Oberbürgermeister-Kandidatin der SPD in Wuppertal.© Benedikt Dahlmann

SPD: „UNGENÜGEND“

Das Problem aus Buethers Sicht: Kompletter Bruch mit der Markenidentität. „Orange ist seit den 70er-Jahren die zweite Farbe der CDU. Das sollte man bei der Markenkommunikation tunlichst lassen – die Farbe des Konkurrenten zu nehmen.“

❌ In Wuppertal verwendet die Partei Orange anstelle des traditionellen SPD-Rot.
❌ Orange ist eine Farbe der Konkurrenz.
❌ Der Markenbotschaft von sozialer Gerechtigkeit taucht nicht auf.

Buethers Urteil: „Es sieht aus, als ob sie sich für ihre Partei schämt und maximal abgrenzen möchte. Aber damit schadet sie der Marke.“

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Wahlplakat von Marcel Hafke, Oberbürgermeister-Kandidat der FDP.
Wahlplakat von Marcel Hafke, Oberbürgermeister-Kandidat der FDP.© Benedikt Dahlmann

FDP: „EHER UNGENÜGEND“

Das Problem aus Buethers Sicht: Professionell gestaltet, aber inhaltsleer. Hier hätten sich die klassische Bildsprache der liberalen Partei mit populistischen Botschaften, wie „Endlich einer der Grenzen setzt, statt öffnet“ vermischt. Somit wüssten die Wähler nicht mehr wofür die Partei eigentlich steht.

⚠️ Auf den Plakaten finden sich keine liberalen Themen wieder.
⚠️ Stattdessen „wildert“ die Partei bei AfD-Themen.
⚠️ Das sorgt für Verwirrung beim Betrachter.

Buethers Urteil: „Die Erkennbarkeit ist nicht mehr gegeben – warum soll diese Partei gewählt werden?“

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🟡 DAS MITTELFELD

Wahlplakat von Matthias Nocke, Oberbürgermeister-Kandidat der CDU in Wuppertal.
Wahlplakat von Matthias Nocke, Oberbürgermeister-Kandidat der CDU in Wuppertal.© Benedikt Dahlmann

CDU: „BEFRIEDIGEND BIS GUT“

Das Positive aus Buethers Sicht: Solide Markenkommunikation.
✅ Klare Wiedererkennung durch bekanntes Design.
✅ Durch Du-Botschaften spricht die Partei ein jüngeres Publikum an und inszeniert sich selbst jünger.

Das Problem aus Buethers Sicht: Keine Problemlösung, keine Vision.
❌ Die Kampagne platziert gar keine Themen, sondern setzt ausschließlich auf Gesichter.

Buethers Urteil: „Es gibt kaum etwas auszusetzen, aber abgesehen von der reinen Plakatmenge auch nicht auffällig.“

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Wahlplakat der Grünen in Wuppertal.
Wahlplakat der Grünen in Wuppertal.© Benedikt Dahlmann

GRÜNE: „BEFRIEDIGEND BIS GUT“

Das Positive aus Buethers Sicht: Hochprofessionelle Agentur-Arbeit. Die Oberbürgermeisterkandidatin präsentiere sich sogar so konservativ, „dass man sie für eine CDU-Kandidatin halten würde, wenn man das Grün wegnimmt.“ Das zeige den Wandel einer Partei, die „nicht mehr Revolution will, sondern regieren möchte“.

✅ Rückkehr zu Kernthemen (Umwelt, Klima).
✅ Einheitliches Corporate Design.
✅ Zielgruppengerechte Ansprache.

Das Problem aus Buethers Sicht: Zu elitär.

❌ Komplizierte Slogans brauchen „fast einen Uniabschluss“.
❌ Nur gebildetes Publikum angesprochen.

Buethers Urteil: „Die Partei fokussiert sich kommunikativ auf ihre Kernthemen. Das ist gut. Die Frage ist, inwiefern die Partei damit glaubhaft bei der bürgerlichen Mitte ankommt.“

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🟢 DIE GEWINNER

Wahlplakat der Linken in Wuppertal.
Wahlplakat der Linken in Wuppertal.© Benedikt Dahlmann

DIE LINKE: „GUT BIS SEHR GUT“

Warum sie aus Buethers Sicht überzeugt:

✅ Perfekte Zielgruppenansprache.
✅ Humor als rhetorisches Mittel.
✅ Professionelle Umsetzung bei klarem Markenkern.

Buethers Urteil: „Die Linke macht das supergut – sehr professionell, aber auch mit Humor. Der Slogan ‚Geht wählen, ihr Mäuse‘ trifft genau das urbane, intellektuelle Zielpublikum.“ Die Linke habe es geschafft mit der konsequenten Verwendung der Farben rot und weiß, der SPD ihren sozialen Charakter streitig zu machen.

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Wahlplakat der AfD in Wuppertal.
Wahlplakat der AfD in Wuppertal.© Benedikt Dahlmann

AFD: „GUT BIS SEHR GUT“

Warum sie für Buether funktioniert:

✅ Greift Probleme auf.
✅ Klare Markenkommunikation.
✅ Zielgruppe wird abgeholt.

Buethers Urteil: „Hut ab! Gefällt mir nicht, aber sie holen ihre Wählerschichten ab. Der Slogan: ‚Fachkräftemangel? im Stadtrat!‘ nutzt populistische Rhetorik ohne Lösungsangebote.“

Auffällig außerdem: Die AfD hat im gesamten Stadtbild nur wenige Plakate. Buether: „Das zeigt uns, dass die AfD in Wuppertal nicht über so viele engagierte Mitglieder verfügt, die bereit sind, ehrenamtlich Plakate zu kleben.“

Wahlplakat der Basis in Wuppertal.
Wahlplakat der Basis in Wuppertal.© Benedikt Dahlmann

DIE KLEINEN: „KEINE CHANCE“

Das Problem aus Buethers Sicht: Informations-Overload.

🚫 Zu viele Botschaften auf einem Plakat.
🚫 Keine Markenbildung möglich.
🚫 „Visuelle Kommunikation, wo viele durcheinander reden“.

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DAS FAZIT

Buethers Regel: Erfolgreiche Wahlkommunikation = Markenidentität + Professionalität + Mut zum eigenen Kern

„Je länger eine Partei existiert, desto stärker wird die Markenidentität – und desto unmöglicher wird es, sie zu ändern, ohne unglaubwürdig zu wirken.“

Rund um die Kommunalwahl in Wuppertal: