Im Gespräch mit Marcel Hafke merkt man direkt: Dieser Mann hält Reden im Landtag. Bei Beginn eines jeden Satzes, weiß er, wie er enden wird. Seine Argumente sind gut vorbereitet, Hafke redet schnell und pointiert, jeder Satz sitzt. Er lacht häufig beim Reden und arbeitet die eine oder andere Anekdoten ein. Man merkt: Das ist einer, der weiß, was er will und wie er Menschen davon überzeugen kann.
Wir treffen Marcel Hafke um 9.55 Uhr morgens am Laurentiusplatz - er ist fünf Minuten zu früh. Jeans, blaues Jackett über einem weißen Hemd, weiße Retro-Sneaker – so sieht jemand aus, der Oberbürgermeister einer Stadt werden will, die er selbst als Problem-Fall beschreibt. Sein Handy ist das einzige, was er dabei hat. Mehr braucht der 43-Jährige nicht, der gerne auch bei Instagram mit den Menschen ins Gespräch geht und glaubt, dass er Wuppertal vor Schlimmeren bewahren kann.
Liveticker zur Kommunalwahl in Wuppertal
In unserem Liveticker zur Kommunalwahl in Wuppertal findest du am Sonntag (14. September) alle Entwicklungen des Wahltages – und ab 18 Uhr alle aktuellen Ergebnisse.
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Den Treffpunkt hat Marcel Hafke gewählt „weil, das ein Platz in der Mitte der Stadt ist, wo das Leben pulsiert“. An diesem Morgen ist noch nicht besonders viel los, aber während des Gespräch tut sich ein bisschen in der Gastronomie. Der 43-Jährige aus Ronsdorf, Vater von zwei kleinen Mädchen, wirkt entspannt und professionell zugleich. Das Handy stumm, die Aufmerksamkeit ganz beim Gespräch, als wir uns auf eine der Parkbänke setzen, „die auch mal bessere Zeiten gesehen hat“.
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Eine Stadt voller Macher – nur nicht in der Politik
„Mein Wuppertal-Gefühl ist eigentlich, dass wir hier viele Macher haben“, sagt Hafke. Viele seien bereit, etwas zu bewegen. Das Problem: Diese Macher-Mentalität fehle in der Politik bisher. Das will er durch die Kommunalwahl 2025 ändern.
Hafke macht seit 20 Jahren Politik, 15 Jahre davon im Landtag. Davor hat er Versicherungswesen studiert. Jetzt will er nach Hause, ins eigene Rathaus. Seine Analyse ist schonungslos:
- „Die anderen Parteien hatten ihre Chance. Und das Ergebnis sehen wir in Wuppertal, wo wir stehen.“
Hafke glaubt, dass er durch seine Landtagserfahrung weiß, „wie Gesetze gemacht werden“, die nötigen Netzwerke nach Berlin und Düsseldorf habe und in der Lage sei, „Mehrheiten zusammenzuführen und Probleme zu lösen“.

Hier sieht Marcel Hafke die größten Baustellen in Wuppertal
1. Sicherheit - Das nennt er selbst „eines der entscheidendsten Themen der nächsten fünf Jahre“. Mit über 200 Messerangriffen im letzten Jahr und Frauen, die sich abends nicht mehr über den Hauptbahnhof trauen, sieht er hier erheblichen Handlungsbedarf.
2. Verwaltungsreform - Hafke kritisiert die bisherige Verwaltung, die „Konzepte entwickelt und erklärt, warum irgendwas nicht geht“, statt Probleme zu lösen. Er will eine serviceorientierte Verwaltung, die „für die Menschen da ist“.
3. Wirtschaftspolitik - Wuppertal als eine der Städte mit höchster Arbeitslosigkeit brauche „ausreichend Gewerbeflächen“, bessere Infrastruktur und Unterstützung für Unternehmen.
4. Bildung - Wuppertal steht bei der U3-Versorgung sehr schlecht im NRW-Vergleich da, Schulen sind marode und er bemängelt fehlende Technik wie Tablets in Wuppertaler Schulen.
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So will sich der Oberbürgermeisterkandidat in Wuppertal abheben
Besonders ärgert Hafke die Mentalität, eher verwalten zu wollen, die in den letzten Jahren in Wuppertal herrschte: „Wir haben jetzt nach meinem Gefühl fünf verlorene Jahre, in denen sehr wenig passiert ist und viel verwaltet wurde.“ Seine Diagnose: „Wuppertal ist großartig darin, die Politik in Wuppertal Konzepte zu entwickeln und einem zu erklären, warum irgendwas nicht geht.“

Der Familienvater beschreibt sich als jemanden, der „Menschen zuzuhören“ kann, „ihnen dann aber nicht nach dem Mund zu reden“. Politik werde „immer irgendwem auf die Füße treten“. Er sei aber derjenige Kandidat, der andere Meinungen aushalten und trotzdem Menschen zusammenbringen könne.
Kein Beifall für die bisherige Politik, aber eine Zuversicht für Wuppertal
Er schätzt an Wuppertal „viele spannende Menschen unterschiedlichster Couleur“ und die „Vielfältigkeit dieser Stadt“. Dass man „einen großen Wald direkt vor der Haustür“ habe und „auf der anderen Seite eine pulsierende Innenstadt“. Als Standortvorteil, auch wirtschaftlich, sieht er die zentrale Lage „nach Düsseldorf, Essen, Köln, ins Sauerland“.
Trotzdem wird er immer wieder grundsätzlich: „Wenn wir jetzt nicht die Kehrtwende bekommen, dann werden wir abgehängt. Dann haben wir irgendwann solche Debatten wie in Gelsenkirchen und Duisburg.“ Er meint damit „große soziale Lasten“, „soziale Missstände“ und „große Migrationsprobleme in den Städten“.
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Ehrlich, klar, pointiert – und zukunftsorientiert
Wie würde Marcel Hafke seine Politik in drei Worten beschreiben? „Hoffentlich ehrlich, klar und pointiert und zukunftsorientiert.“ Dass das vier Wörter sind, übergeht er geschickt.
Hafke sagt, er verstehe die Komplexität der Probleme, die in Wuppertal herrschen. Gleichzeitig will er einfache Lösungen dafür anbieten. Er präsentiert sich als Macher mit klaren Vorstellungen, der sein Leben zwischen Fotografie, Kochen und Landtagssitzungen organisiert. Und er ist überzeugt: Wuppertal stehe vor einer Richtungsentscheidung.











