Miriam Scherff: So heißt Wuppertals neue Oberbürgermeisterin. Bei der Kommunalwahl in Wuppertal setzte sich die SPD-Kandidatin gegen den CDU-Kandidaten Matthias Nocke in die Stichwahl durch. Auf Wuppertals zukünftige OB warten große Herausforderungen in den kommenden fünf Jahren.

Liveticker zur OB-Wahl in Wuppertal

In unserem Liveticker zur OB-Wahl in Wuppertal findest du alle aktuellen Ereignisse und Ergebnisse des Wahl-Sonntags am 28. September.

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1. Fehlende Schulen in Wuppertal – Ein Milliarden-Problem

Bis 2030 fehlen Wuppertal vier weiterführende Schulen, vier Grundschulen und zwei Förderschulen. Also bis zum Zeitpunkt, wenn Wuppertal Stadtrat und Oberbürgermeister neu wählt. Es ist die wohl größte Herausforderung. Denn: Wuppertals Zukunft hängt auch davon ab, dass Kindern und Jugendlichen gute Bildung ermöglicht wird.

Die Dimensionen sind riesig: Eine weiterführende Schule baut die Stadt aktuell in Heckinghausen. Geschätzte Kosten: 150 Millionen Euro. Fehlen noch drei weitere Schulen. Selbst wenn die Stadt private Investoren und Träger findet, geht die Verwaltung von „erheblichen investiven Mitteln und hohen Folgeaufwendungen“ aus.

An dieser Stelle entsteht die siebte Gesamtschule in Wuppertal – das alte Gebäude in der Bockmühle in Heckinghausen ist aktuell eingezäunt.
Foto aus dem Juni 2025: An dieser Stelle in Heckinghausen an der Bockmühle entsteht die siebte Gesamtschule in Wuppertal.© Benedikt Dahlmann

Das Problem: Die Schülerzahlen explodieren. Seit 2015 wuchs die Zahl der Grundschüler um 20 Prozent, in der Sekundarstufe I um 10 Prozent. 2024/25 besuchten 14.681 Schüler die Primarstufe – 2.496 mehr als vor neun Jahren. Der Grund: steigende Geburtenzahlen, Zuzug junger Familien und die Umstellung von G8 auf G9.

Bereits jetzt platzen die Schulen aus allen Nähten. Miriam Scherff muss Wege finden, um Platz für alle Schüler in Wuppertal zu bekommen.

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2. BUGA 2031 und Pina-Bausch-Zentrum – Der Millionen-Poker

Teuer wird auch die BUGA 2031. Die Stadt stellt ein Investitionsbudget von 74 Millionen Euro bereit – hauptsächlich aus Fördergeldern. Doch Kritiker warnen vor explodierenden Kosten.

Einige Politiker wie Salvador Oberhaus (Die Linke) fordern, die BUGA abzusagen. Das Motto: Lieber vier Millionen Euro Vertragsstrafe zahlen, als dass die Kosten ins Unermessliche steigen. So teuer wäre für die Stadt nämlich die Strafe, wenn sie von der BUGA zurücktreten würde.

Die Illustration zeigt die geplante Hängebrücke zur BUGA 2031 in Wuppertal.
Die Illustration zeigt die geplante Hängebrücke zur BUGA 2031 in Wuppertal.© Space Era Germany

Sowohl Miriam Scherff hat sich klar pro BUGA ausgesprochen. Sie sieht vor allem die Chancen, die sich für Wuppertal durch das Projekt ergeben. Als Wuppertals OB ist sie in der Pflicht, das Großprojekt zügig voranzutreiben – in nicht einmal sechs Jahren ist die BUGA.

Ein weiteres Großprojekt: das Pina-Bausch-Zentrum. Geht beides gleichzeitig? Auch hier ist Scherff Unterstützerin, auch hier erwarten die Stadt Kosten in Millionenhöhe. Die Stadt hat vor wenigen Monaten im Rat entschieden, die Bundesgelder bis Ende 2025 sichern zu wollen. Der letztendliche, finale Ratsbeschluss, ob das Projekt umgesetzt wird, ist für Ende 2026 geplant.

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3. Finanzen – Wuppertal geht voraussichtlich in die Haushaltssicherung

Die dritte große Herausforderung: Die Finanzlage in Wuppertal ist kritisch. Die Stadt hat fast zwei Milliarden Euro Schulden, das Defizit wächst und wird auch 2026 weiter ansteigen.

Die Folge: Mit dem nächsten Haushalt wird Wuppertal aller Voraussicht nach in die Haushaltssicherung landen. Das bedeutet: Die Bezirksregierung kontrolliert jeden Ausgabenposten, der Gestaltungsspielraum schrumpft stark.

Miriam Scherff muss entscheiden: Wo sparen? Kultur, Sport, Soziales – überall drohen Kürzungen. Die Verteilungskämpfe, die zwangsläufig aufkommen, zu moderieren, wird zur Hauptaufgabe.

4. Wohnen und Mieten

In fast keiner deutschen Stadt sollen die Immobilienpreise 2024 so stark gestiegen sein wie in Wuppertal. Laut Portal digitaldaily kosten Häuser und Wohnungen über zehn Prozent mehr als im Dezember 2023. Nur in Bochum sind die Preise noch stärker gestiegen. Auch die Mieten haben angezogen, sie waren neun Prozent höher.

Das Problem: Wuppertal liegt vor den Toren von Düsseldorf und Köln. Die Großstädte sind haben bereits wenig Wohnraum, jetzt weichen Menschen in die Nachbarstädte aus aus. Noch sind die Mieten mit 8,50 bis 9 Euro pro Quadratmeter laut einem Mietspiegel von ohne-Makler deutlich günstiger als in Düsseldorf (16 Euro), aber der Trend zeigt nach oben.

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Das Dilemma des neuen Oberbürgermeisters für Wuppertal

Miriam Scherff steht vor großen Herausforderungen in Wuppertal. Schulen müssen gebaut, die BUGA gestemmt, der Haushalt saniert, bezahlbarer Wohnraum geschaffen und die Gesellschaft zusammengehalten werden.

Wahrscheinlich gilt: Nicht alles wird in dieser Zeit machbar sein. Als neue Oberbürgermeisterin wird Prioritäten setzen und schmerzhafte Entscheidungen treffen müssen. Die größte Aufgabe: die Wuppertaler davon zu überzeugen, dass diese Entscheidungen richtig sind.