Matthias Nocke kann Zahlen. 68 Prozent der Kinder in Wuppertal haben Migrationshintergrund, 500 Kita-Plätze stehen leer wegen Personalmangels, 2 Milliarden Euro muss die Stadt konsolidieren. Als der CDU-Oberbürgermeisterkandidat an der Junior Uni sitzt und über seine Pläne für Wuppertal spricht, rattert er Daten herunter wie ein Lexikon. Doch fällt ein Satz, der so gar nicht zu dem wohl informierten Bürokraten passt: „Das Programm der CDU heißt Matthias Nocke.“

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In unserem Liveticker zur OB-Wahl in Wuppertal findest du alle Entwicklungen des Wahltages am 28. September.

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Es ist ein Moment, in dem durchschimmert, dass es bei dieser Kandidatur bei der Kommunalwahl 2025 in Wuppertal nicht nur um die Stadt geht, sondern auch um ihn selbst. Schließlich steht für den 62-Jährigen mehr auf dem Spiel als nur ein Wahlsieg: Sollte Miriam Scherff von der SPD in der Stichwahl am 28. September neue Oberbürgermeisterin werden, könnte es für Nocke politisch eng werden. Sein Amt als Stadtdirektor würde er wohl verlieren.

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Matthias Nocke will in Wuppertal Verantwortung übernehmen

Das ist jedoch bei weitem nicht das einzige, was ihn antreibt. Mit Uwe Schneidewind wurde bei der letzten Wahl ein Externer zum Wuppertaler Stadtoberhaupt gekürt. Nocke will verhindern, dass sich dieser Vorgang wiederholt. Auch Miriam Scherff kommt nicht aus der Politik, sondern aus der freien Wirtschaft.

„Ich will die Fehler, die passiert sind, selbst beheben“, sagt Nocke. „Die Zeit nach der Wahl ist so knapp. Bis sich jemand von außerhalb in die Geschäftsprozesse eingearbeitet hat, sind die wichtigsten Entscheidungen bereits getroffen.“

Oberbürgermeister-Kandidat Matthias Nocke (CDU) spricht im talzeit-Interview über seine Ziele und Pläne für Wuppertal.
Oberbürgermeister-Kandidat Matthias Nocke (CDU) spricht im talzeit-Interview über seine Ziele und Pläne für Wuppertal.© Benedikt Dahlmann

Wuppertals ehemaliger Schuldezernent hat sich einen Ort der Bildung ausgesucht

Als Ort, an dem Matthias Nocke die Motive und Vorteile seiner Kandidatur beschreiben möchte, hat er sich die Junior Uni ausgesucht: „Hier fokussiert sich so ziemlich alles. Die Herausforderungen wie auch die Lösungen.“ Die Junior Uni sei das, „was wir in Wuppertal brauchen, nämlich Bildung für alle Teile der Bevölkerung“.

Während im Hintergrund die Kinder schreiend vom Bolzplatz kommen und an ihm vorbeirennen, entwickelt Nocke seine Gedanken zur Bildungspolitik: „Wir müssen mehr Fachkräfte in die Kitas bekommen. Das ist am Schwierigsten. Aber es gibt gut ausgebildete Erzieherinnen aus den neuen Bundesländern, die ihrem Job nicht mehr nachgehen können. Auf diese Menschen muss man zugehen.“

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An Fachwissen mangelt es Matthias Nocke nicht

Als ehemaliger Bildungsdezernent kennt er sich mit Schulthemen aus. Überhaupt kennt sich Nocke mit vielen kommunalpolitischen Themen aus. Der Sohn eines Bäckermeisters und studierte Jurist ist seit 1981 CDU-Mitglied. Seit 2000 arbeitet er in Wuppertal in verschiedenen Dezernatsposten. Derzeit im Bereich Kultur und Sport.

Kaum einer würde ihm unterstellen, dass es ihm am nötigen Fachwissen mangelt. Nocke weiß dieses Wissen zu platzieren. Nachdem er zu Beginn des Wahlkampfes noch dazu neigte, den Bogen der Kompetenz-Zurschaustellung zu überspannen, reichert er sein Faktenwissen mittlerweile häufiger mit plastischen Bildern an.

Verteilzentren für Lieferdienste und Lärmschutz durch Wasserfontänen

Besonders gerne spricht er von den zwei Verteilzentren für Lieferdienste, die er im Osten und im Westen der Stadt platzieren möchte, damit deren Autos weniger Parkraum in der Innenstadt einnehmen.

Das andere Bild, das Nocke häufig benutzt, sind kleine Wasserfontänen, die er nach südeuropäischem Vorbild in Wuppertal bauen möchte. „Die werden da zur Einrahmung von Plätzen genutzt, um Lärm zu reduzieren und den Staub aus der Luft zu binden.“

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Matthias Nocke zeigt verschiedene Gesichter

Wenn er über diese Themen spricht, sitzt der gebürtige Düsseldorfer fest im Sattel. Dann stimmen Mimik, Gestik und Anekdoten mit seiner Präsentation überein. Doch je kritischer die Fragen im Interview werden, desto emotionaler reagiert er. Beim Thema Bundesgartenschau verweigert er ein klares Bekenntnis: „Versprechen werde ich nichts. Ich muss jetzt erst mal die Blackbox von Uwe Schneidewind lüften.“

Auf die Frage zur Online-Abstimmung der CDU, die im November für Verwunderung über die Haltung der Partei zur Buga 2031 gesorgt hatte, antwortet der Politiker forsch: „Oberbürgermeisterwahlen sind keine Parteiwahlen, sondern Persönlichkeitswahlen. Das Programm der CDU heißt Matthias Nocke.“

Am 28. September entscheidet sich Matthias Nockes politische Zukunft

Dennoch ist Nocke kein impulsiver Charakter. Als er gefragt wird, wie Wuppertal aussehen würde, wenn er es neu aufbauen könnte, lacht er und denkt anschließend lange nach. „Mehr Flair, mehr zusammenhängende Flächen, mehr Grün“, sagt er. Aber: „So kann kein Kommunalpolitiker arbeiten. Sie haben die Stadt, so wie sie sie vorfinden.“

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Statt über die großen Visionen spricht er lieber über die „verlotterten Geschäftsprozesse“, die er „auf Vordermann bringen“ will, über die Vergaben und Ausschreibungen, die neu aufgesetzt werden müssen.

Es ist dieser Mix aus detailliertem Verwaltungswissen und politischem Pragmatismus, der Nocke auszeichnet. Mit seiner Kandidatur will der Verwalter zum Gestalter werden. Ob die Wuppertaler ihm diese Rolle abkaufen, wird sich in der Stichwahl um das OB-Amt am 28. September zeigen.

Rund um die Kommunalwahl in Wuppertal: