Ob das Ersatzboot ein Grund war? Doch auf dieses Thema ging Sebastian Kleinsorgen gar nicht ein. „Das Ergebnis ist enttäuschend. Wir sind nach Italien gereist, um Bronze zu holen“, erzählte der Heimtrainer der Top-Ruderin Alexandra Föster (RC Meschede). Statt um die Medaillen im Einer der Frauen zu rudern, fand sich die Sauerländerin nach ihrem Aus im Halbfinale im B-Finale wieder und belegte selbst dort nur den dritten Rang. „Das Wichtigste ist, jetzt nicht die Nerven zu verlieren“, sagte Kleinsorgen. „Das klingt zwar einfach, ist es aber nicht“, ergänzte er. Ein Blick zurück – könnte vor der nahenden Weltmeisterschaft eine Hilfe sein.

Föster: Erfolgloser Endspurt im Halbfinale

„Die Regeneration hat in der vergangenen Woche einfach nicht so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt habe“, nannte der Trainer einen Grund für das ernüchternde Auftreten der Meschederin bei der Europameisterschaft in Varese/Italien. Während sich die Britin Lauren Henry souverän vor Viktorija Senkute (Litauen) und Jovana Arsic (Serbien) den Titel sicherte, blieb Alexandra Föster insgesamt nur der neunte Platz.

Mehr zum Thema

Im Halbfinale ereilte sie überraschend das Aus, weil ihr bekannter, mächtiger Endspurt zu spät kam. Um eine Zehntelsekunde verpasste Föster die Teilnahme am A-Finale der besten sechs Ruderinnen. Sie belegte den vierten Platz im Halbfinale hinter Arsic, Aurelia-Maxima Janzen (Schweiz) und Kataryna Dudchenko (Ukraine). Im B-Finale wurde die Dänin Frieda Sanggaard Nielsen klare Siegerin vor der Rumänin Bianca-Camelia Efteni.

Auch interessant

Föster musste in Varese in einem Ersatzboot antreten, weil ihr Einer eine Woche zuvor bei den so genannten Finals in Hannover nach den Rennen zu Bruch gegangen war. „Ich hatte eigentlich das Gefühl, ein gutes Rennen gefahren zu haben. Es war sehr schnell und wenn man die Zeiten im anderen Halbfinale ansieht, ist das knappe Ausscheiden doppelt bitter“, sagte die Sauerländerin nach dem Halbfinal-Aus in einer ersten Reaktion.

Wir wissen: Bei der WM werden die Gegner quantitativ und qualitativ noch einmal zulegen, aber wir werden jetzt hart trainieren und versuchen, in Amsterdam wieder anzugreifen.

Marcus Schwarzrock, , DRV-Cheftrainer

Während die Mannschaft des Deutschen Ruderverbandes (DRV) insgesamt mit einem guten Ergebnis – zwölf Medaillen, davon sechs in den olympischen Bootsklassen – aus Italien abreiste, herrschte bei Föster und Kleinsorgen pure Enttäuschung. Zwar steht nicht zur Diskussion, dass eine andere als die Sauerländerin bei der Weltmeisterschaft in Amsterdam/Niederlande (24. bis 30. August) im Frauen-Einer für Deutschland antreten wird, doch durch eine EM-Medaille wollte Föster ihr Selbstvertrauen weiter stärken.

Auch interessant

„Wir sind jetzt nochmal für zwei Wochen in Ratzeburg“, erklärte Trainer Sebastian Kleinsorgen. Am Bundesstützpunkt des DRV wird im Trainingslager konzentriert auf die Regatten bei der WM hingearbeitet. „Wir wissen, bei der WM werden die Gegner quantitativ und qualitativ noch einmal zulegen, aber wir werden jetzt hart trainieren und versuchen, in Amsterdam wieder anzugreifen“, sagte DRV-Cheftrainer Marcus Schwarzrock.

Föster patzt auch bei EM 2025

Für Föster dürfte sich ein Blick in die Vergangenheit lohnen. Denn auch in der vergangenen Saison kehrte sie enttäuscht von der Europameisterschaft zurück. „Alles in allem ist das Ergebnis so schlecht, dass es surreal erscheint“, sagte Sebastian Kleinsorgen damals nach dem fünften Platz und einer kraftlosen Vorstellung im B-Finale.

Mehr Sauerlandsport? Folgen Sie dem HSK-Lokalsport in den Sozialen Medien und im Netz:

Bei der späteren Weltmeisterschaft in Shanghai gelang der Sauerländerin, die bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris als Siegerin des B-Finales Rang sieben belegte, allerdings ein historischer Triumph. Föster belegte im ersten A-Finale ihrer Karriere bei einer Weltmeisterschaft den fünften Platz. „Ein so gutes Ergebnis im Einer für den DRV müsste jetzt über 20 Jahre her sein“, sagte Sebastian Kleinsorgen im Anschluss. „Das ist etwas, auf das wir stolz sein können. Alex ist ein mutiges Rennen gefahren“, ergänzte er. Und diesen Mut – den benötigt die 24-Jährige in gut drei Wochen in Amsterdam erneut.