Die jüngsten Enthüllungen zum Fall Jeffrey Epstein haben die Schlagzeilen in Großbritannien übers Wochenende dominiert. Unter den mehreren Millionen Dokumenten, Bildern und Videos, die das US-Justizministerium am Freitag publizierte, finden sich etliche Akten, die prominente Vertreter des britischen Establishments betreffen. Erneut zeigen sie, wie eng Verstrickungen zwischen dem Sexualstraftäter, der 2019 erhängt in seiner Gefängniszelle gefunden wurde, und Mitgliedern der britischen Elite waren.
Im Vordergrund steht einmal mehr Andrew Mountbatten-Windsor. Man hätte denken können, dass der jüngere Bruder von König Charles III. nicht tiefer fallen kann. Seine Beziehung zu Jeffrey Epstein ist ihm schon längst zum Verhängnis geworden und hat einen Schatten auf die gesamte Königsfamilie geworfen. Vorwürfe, dass er selbst ein aktives Mitglied von Epsteins Ausbeutungsring gewesen sei, weist er zwar vehement zurück.
Aber die Anschuldigungen lassen ihn nicht los, und so ist er in den vergangenen Jahren schrittweise degradiert worden. Er hat alle militärischen und königlichen Titel verloren, zuletzt entzog ihm König Charles im Oktober auch noch den Titel „Prinz“.
Auch interessant
Fotos von Andrew über am Boden liegender Frau
Die neusten Auszüge aus den Epstein-Akten haben den Ex-Prinzen erneut in Schwierigkeiten gebracht. Unter den Dokumenten findet sich beispielsweise eine E-Mail vom September 2010, in der Andrew seinen Freund Epstein in den Buckingham Palace einlädt, kurz nachdem dieser aus dem Hausarrest entlassen worden war – Epstein war wegen Kindesmissbrauch verurteilt worden. „Wir könnten im Buckingham Palace zu Abend essen und hätten viel Privatsphäre“, schrieb der damalige Prinz.
Wochen zuvor hatte ihm Epstein angeboten, ihn mit einer 26-jährigen Russin bekannt zu machen. Er bezeichnete sie als „clever“ und „schön“. „Es würde mich freuen, sie zu treffen“, antwortete Andrew. Am Wochenende machte zudem ein Foto die Runde, auf dem Andrew zu sehen ist, wie er am Boden über einer liegenden Frau kniet und seine Hand auf ihren Bauch legt.

Andrew hat sich schon lange ins Privatleben zurückgezogen. Laut Presseberichten wird er bald umziehen von der opulenten Royal Lodge beim Schloss Windsor in die bescheidenere Marsh Farm auf dem königlichen Anwesen Sandringham. Aber es häufen sich die Stimmen, die eine Rückkehr an die Öffentlichkeit fordern – nämlich nach Washington, zum Untersuchungsausschuss des US-Kongresses zum Epstein-Skandal. Mehrere Regierungsvertreter haben in den vergangenen Tagen gesagt, dass Andrew vor dem Komitee aussagen soll, um Licht in die Epstein-Affäre zu bringen. „Alle, die Informationen haben, sollten bereit sein, diese Informationen zu teilen“, sagte Premierminister Keir Starmer am Samstag. „Die Opfer Epsteins müssen erste Priorität haben.“

Jeffrey Epstein: Hatte er Einfluss auf die britische Politik
Schwieriger für Starmer ist der Skandal rund um seinen ehemaligen Botschafter in Washington, Peter Mandelson. Auch dieser ist im Zug der jüngsten Epstein-Enthüllungen wieder in den Schlagzeilen.
Es ist erst fünf Monate her, dass Mandelson – einer der einflussreichsten Labour-Politiker der vergangenen Jahrzehnte – aufgrund seiner Bekanntschaft mit Epstein von seinem Botschafterposten gefeuert wurde. Damals waren neue Informationen ans Licht gekommen, gemäß denen Mandelsons Verhältnis zu Epstein freundschaftlicher war, als dieser zugegeben hatte. Die am Freitag publizierten Dokumente sind noch brisanter: Offenbar versuchte Mandelson auf Drängen Epsteins, die britische Steuerpolitik zu beeinflussen.
Auch interessant
Epstein nahm wohl Einfluss auf Steuer für reiche Banker
Im Dezember 2009, als Mandelson Wirtschaftsminister in der damaligen Labour-Regierung war, beklagte sich Epstein über eine neue Steuer auf Banker-Boni. Schatzkanzler Alistair Darling hatte diese in der Folge der Finanzkrise angekündigt. Auf Nachfrage von Epstein, ob die Steuer beschränkt werden könne, antwortete der Minister: „Ich arbeite hart daran.“
Tage später erkundigte sich Epstein bei Mandelson, ob Jamie Dimon, Vorsitzender der Bank JP Mogan, „Darling noch einmal anrufen soll“. Mandelsons Antwort: „Ja, und er soll ihm sanft drohen.“ Dan Neidle, ein führender Steuerexperte, sagte gegenüber der „Financial Times“, es sei „ziemlich außergewöhnlich, dass ein Regierungsminister einer ausländischen Bank rät, den Finanzminister zu bedrohen, damit sie ihre Steuerrechnung verkleinern kann.“
Mehr zum Fall Epstein
Mandelson hat nach der Publikation der Epstein-Akten schnell Konsequenzen gezogen: Am Sonntag ist er aus der Labour-Partei ausgetreten. Er wolle ihr „weitere Peinlichkeiten“ ersparen und lege seine Mitgliedschaft ab, schrieb er. Für Starmer ist der Fall problematisch. Er muss sich die Frage gefallen lassen, warum er Mandelson überhaupt als Botschafter eingesetzt hatte – immerhin war dessen Beziehung zu Epstein weithin bekannt.







