Der Buckingham Palace soll laut neu ausgewerteten Gerichtsunterlagen bereits vor mehreren Jahren in den Besitz eines umfangreichen E-Mail-Archivs gelangt sein, das den früheren Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor und dessen umstrittene Finanzgeschäfte betrifft. Die Dokumente, über die unter anderem die „BBC“ berichtet, werfen erneut Fragen nach dem Umgang des Königshauses mit internen Hinweisen und möglichem Fehlverhalten des ehemaligen Prinzen auf.

Demnach erhielt der Palast im Jahr 2020 eine Sammlung von rund 30.000 E-Mails, die aus dem Besitz eines Geschäftskontakts stammen sollen. Teile des Archivs seien laut High-Court-Unterlagen an den damaligen obersten Hofbeamten, Lord Chamberlain, gegangen. In einem Gerichtsbeschluss aus dem Jahr 2021 heißt es laut dem britischen Sender, bereits im Mai 2020 sei eine Kopie der Unterlagen an diese Stelle übermittelt worden. Ein weiteres Urteil aus dem Jahr 2022 verweise auf eine E-Mail, wonach die Dokumente schließlich „an den Buckingham Palace zugestellt“ worden seien.

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Verbindung zu umstrittenen Finanzgeschäften

Die E-Mails würden aus einem juristischen Streit zwischen Geschäftspartnern stammen und würden Kommunikation über mehr als ein Jahrzehnt hinweg umfassen. Sie sollen sowohl private als auch geschäftliche Vorgänge betreffen und sollen insbesondere die Zeit betreffen, in der Mountbatten-Windsor als britischer Handelsgesandter tätig war (2001–2011).

Brisant sind vor allem Hinweise, wonach er während dieser Zeit vertrauliche Regierungsinformationen weitergegeben haben könnte – unter anderem an den Banker und Geschäftsmann Jonathan Rowland. Laut Berichten des „Telegraph“ soll dazu auch ein internes Regierungsbriefing zur Finanzkrise in Island gehört haben, das auf Unterlagen des britischen Finanzministeriums basierte. In einer der zitierten Nachrichten heiße es demnach warnend: „Bevor Sie Ihren Schritt unternehmen.“

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Ermittlungen dauern an

Der Ursprung des E-Mail-Archivs sei selbst Gegenstand eines laufenden Rechtsstreits. Nach Angaben des „BBC“-Berichts sollen die Daten ursprünglich unrechtmäßig aus dem Umfeld eines Geschäftskontakts erlangt und später über mehrere Stationen weitergegeben worden sein – unter anderem auch an den Palast. Der Begriff „Archiv“ beschreibt dabei eine umfangreiche Sammlung aus geschäftlicher und privater Kommunikation über viele Jahre hinweg.

Der Buckingham Palace äußerte sich auf Anfrage der „BBC“ zurückhaltend und verwies auf laufende Ermittlungen der Thames Valley Police. Diese untersucht Vorwürfe möglicher Pflichtverletzungen im Amt sowie weitere Missstände. Das Verfahren wurde inzwischen auch auf sexualbezogene Vorwürfe ausgeweitet. Mountbatten-Windsor wurde im Rahmen der Ermittlungen bereits festgenommen und weist sämtliche Anschuldigungen zurück.

Die E-Mails sollen zudem Hinweise auf Kontakte in das Umfeld der Bank Banque Havilland enthalten, die später unter regulatorischen Druck geriet. Auch eine mögliche Verbindung zu weiteren umstrittenen Finanzgeschäften wird in den Unterlagen thematisiert.

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Königshaus unter Druck

Politisch sorgen die Enthüllungen für wachsenden Druck auf das Königshaus. Die Labour-Abgeordnete Rachael Maskell forderte gegenüber „BBC“: „Das um den königlichen Haushalt herum aufgebaute System muss überprüft werden“. Weiter warnte sie: „Das Netz wird immer undurchsichtiger, und deshalb müssen wir uns mit dem Problem der unkontrollierten Macht und auch dem Machtmissbrauch in hohen Ämtern auseinandersetzen.“

Auch aus dem Umfeld der verstorbenen Königin Elizabeth II. wurden die Inhalte als schwerwiegend bezeichnet. Die ehemalige Pressesprecherin von Königin Elizabeth II., Ailsa Anderson, äußerte sich gegenüber dem britischen Sender deutlich. Sie bezeichnete die Inhalte der E-Mails als „absolut entsetzlich“ und sprach von einem „weiteren Sargnagel“.

Die E-Mails wurden noch während der Regierungszeit von Königin Elizabeth II. an den Palast übermittelt. Unter dem heutigen König Charles III verschärfte sich der Umgang mit den Vorwürfen, unter anderem durch den Entzug königlicher Titel. Nach der jüngsten Verhaftung erklärte der König öffentlich: „Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen.“