Jetzt wird es ernst. Ganz Wien soll den Eurovision Song Contest (ESC) spüren, versprechen die Veranstalter. Optisch geben sie alles. Die ESC-Logos kleben an Fahrradständern, die Trinkbrunnen und selbst Mistkübel sind verziert und an öffentlichen Verkehrsmitteln hängen ESC‑Fähnchen. Spüren wird man den ESC allerdings auch auf andere Weise: Wiens Vize-Polizeipräsident Dieter Csefan entschuldigte sich jedenfalls schon im Vorfeld für die vielen Unannehmlichkeiten und Einschränkungen, die die Wiener in den kommenden Tagen ertragen müssen.
Es kommt viel zusammen. Da ist zum einen der Sänger-Wettbewerb an sich: Tausende Gäste, internationale Delegationen kommen in die Stadt, es gibt mehrere Veranstaltungszonen. Da ist zum anderen die angespannte geopolitische Lage. Stichwort: Nahost. Aber es kommt noch dicker: Denn der ESC beginnt am Wiener Fußball-Derbytag. Austria spielt gegen Rapid, was schon traditionell ein Anlass für Radau ist. Am selben Tag steigt auch noch der Wings for Life World Run. Zusätzlich sind bereits jetzt drei Kundgebungen – mit ESC‑Bezug, aber auch ohne – angemeldet. Und weil das noch nicht reicht: In Österreich gilt Terrorwarnstufe vier von fünf. Das bedeutet: hohe Terrorgefahr, aber ohne konkrete Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Anschlag.
- Meinung: Deutschland muss aus Bulgariens ESC-Triumph lernen
- „Bangaranga“: Kurioses ESC-Video zeigt, was TV-Zuschauer nicht sahen
- Showkritik: Deutschland brennt beim ESC nur auf Sparflamme
- Überblick: Das ESC-Ergebnis – Wer hat wie viele Punkte bekommen?
- Porträt: Das ist ESC-Siegerin Dara aus Bulgarien
ESC 2026: Polizei rechnet mit zahlreichen Störaktionen
Konkret rechnen die Wiener Sicherheitskräfte rund um den ESC mit Blockaden und Störaktionen. Im Internet kursieren bereits entsprechende Aufrufe. Ein Auge haben die Verantwortlichen vor allem auf Aktivisten aus dem Pro-Palästina-Lager. Zu einer bereits angekündigten Kundgebung werden bis zu 3000 Teilnehmer erwartet. Auch proisraelische Kundgebungen sind geplant.
Dieser ESC ist für die Wiener Polizei, die sich mit der Sicherung von Großveranstaltungen auskennt, eine echte Herausforderung. Wiens Vize-Polizeipräsident Dieter Csefan sagt: „Die Vorbereitung geht weit über das Übliche hinaus.“ Hunderte Beamte werden im Einsatz sein, scharfe Zutrittsregeln werden gelten, und es wird Sperrzonen geben. Ein Einsatz dieser Größenordnung sei „niemals das Ergebnis einer einzelnen Maßnahme“, sagt Csefan. „Es ist ein Zusammenspiel aus Prävention, internationaler Zusammenarbeit, moderner Technik, klaren rechtlichen Rahmenbedingungen und dem professionellen Einsatz Hunderter Menschen.“

Mit der Prävention wurde bereits vor Wochen begonnen. Die internationale Zusammenarbeit, primär im Bereich der Cyber-Sicherheit, steht. Und bereits Tage vor Eröffnung des ESC waren Teile der Stadt de facto eine Sperrzone.
Stattfinden wird der ESC in Wien vorwiegend an drei Orten: Da ist die eigentliche Konzerthalle, die Wiener Stadthalle; da ist das ESC‑Village vor dem Wiener Rathaus, wo die allermeisten Fans feiern werden; und da ist der Euro-Club in der Großraumdisco Praterdome im Wiener Prater beim Riesenrad, wo die offiziellen Partys stattfinden werden. An allen offiziellen ESC-Orten werden strenge Sicherheitskonzepte gelten. Dazu kommen aber noch mindestens 29 größere Public Viewings in mehreren Wiener Gemeindebezirken.
- FAQ: Termin, Teilnehmer, Favoriten – Die Infos zum ESC 2026 in Wien
- Wettquoten: So stehen beim ESC die Chancen für Deutschland
- Immer Letzter? Deutschland als ESC-Loser? Diese Beiträge landeten wirklich ganz hinten
- Boykottaufrufe: Darum ist Israels ESC-Teilnahme so umstritten
ESC 2026: 16.000 Personen werden von der Polizei durchleuchtet
Wien will nichts dem Zufall überlassen: Die Stadthalle ist seit Wochen abgeriegelt. Davor wurde der gesamte Komplex von Spezialisten durchsucht. Seither gilt eine Sicherheitsstufe „wie auf einem internationalen Flughafen“, so Dieter Csefan. Alle, die beim ESC arbeiten werden – Sicherheitspersonal, Techniker, Gastro-Mitarbeiter: in Summe 16.000 Personen –, werden polizeilich durchleuchtet.
Bei den ESC-Veranstaltungen selbst werden scharfe Zutrittsregeln gelten. Taschen, Schirme, Rucksäcke werden nicht zugelassen. Erlaubt sein werden lediglich transparente Säckchen im A6‑Format. Selbst für die Mitnahme von Medikamenten wird empfohlen, eine ärztliche Bestätigung dabeizuhaben.
Fanzone am Rathausplatz: Sicherheitschecks für Besucher
Ein etwas abgeschwächtes Sicherheitskonzept gilt für die Fanzone am Rathausplatz. Jeder muss da an einem der vier Zugänge eine Sicherheitsschleuse durchlaufen. Erwartet werden dort täglich 15.000 Personen – zu den Konzerttagen allerdings bis zu 30.000.
Rund um die Stadthalle, den Rathausplatz sowie den Prater wurde ein generelles Drohnen-Flugverbot verhängt. Den digitalen Raum wird das FBI schützen. In New York wurde für den Zeitraum des ESC ein Einsatzzentrum eingerichtet, das die digitale Sicherheit der Veranstaltung im Auge haben wird.
Auch interessant
Vor Ort werden Hunderte Sicherheitsbeamte – in Uniform wie in Zivil – im Einsatz sein. Allein rund um die Stadthalle sind dauerhaft etwa 500 eingesetzt. Das ist ein Personalbedarf, den die Wiener Polizei nicht allein stemmen kann: Zusätzliche Polizei-Verstärkungen wurden aus sechs Bundesländern in die Hauptstadt beordert. Alle Spezialeinheiten des Landes werden in Alarmbereitschaft sein. Schon für den Personenschutz der Delegationen braucht es zusätzliches Personal. Besonders exponierte Teilnehmerländer wie Israel reisen allerdings mit eigenen Sicherheitskräften an.
Österreich hat einigermaßen frische Erfahrung mit der Austragung des ESC. Zuletzt war das große Singen 2015 in Wien. Österreich hat aber auch Erfahrungen damit, wie rasch ein solcher Großevent im Nichts enden kann: Im August 2024 wurden drei Taylor-Swift-Konzerte in Wien am Tag vor dem ersten Konzert abgesagt. Der Grund: die Festnahme eines jungen Mannes, der einen Anschlag auf eines der Konzerte geplant haben soll. Derzeit läuft der Prozess gegen den verdächtigen Islamisten und einen Komplizen – einen jungen Mann, der bei einer Sicherheitsfirma angeheuert hatte, die rund um die Konzerte tätig sein sollte.


