Dass dieser Abend kein Schlagabtausch mit dem sprichwörtlichen Messer zwischen den Zähnen werden würde, hatte Radio Wuppertal-Moderatorin Angela Wegener von vornherein angekündigt. Man wolle die OB-Kandidaten in Wuppertal, Miriam Scherff (SPD) und Matthias Nocke (CDU), vor der Stichwahl auch ein wenig persönlich kennenlernen.
Dieses Vorhaben glückte. Vor gut 150 Zuschauerinnen und Zuschauern stellten sich die OB-Stichwahl-Kandidaten Matthias Nocke (CDU) und Miriam Scherff (SPD) im Codeks den launigen Fragen der Wuppertaler Rundschau und von Radio Wuppertal. Sie spielten eine abgewandelte Form des Party-Klassikers ‚Ich hab noch nie‘ und malten gegenseitig Bilder voneinander. Bei den Fragen aus dem Publikum ging es inhaltlich schließlich in die Tiefe.
Lesen Sie auch
Bei der Frage einer obdachlosen Frau zeigen sich Unterschiede zwischen Nocke und Scherff
Spätestens als eine ältere Dame aus der hinteren Ecke des Raumes ihre Frage stellte, wurde allen Beteiligten wieder schlagartig klar, dass heute die Frage beantwortet werden soll, wer am besten dazu in der Lage ist, kommenden Sonntag die politische Verantwortung für 365.000 Menschen in Wuppertal zu übernehmen:
Ich bin obdachlos und mich interessiert, was Sie für Menschen wie mich tun werden. Insbesondere für Frauen, die unverschuldet obdachlos geworden sind.
Zuschauerin der Podiumsdiskussion im Codeks
„Wir kennen uns ja. Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass das mit dem Einzelzimmer klappt.“ Was Nocke versprechen konnte: „Es ist einfach unzumutbar und wir haben die Verpflichtung, gemeinsam mit unseren Partnern da zu investieren und zumindest den dringendsten Bedarf durch Neubau abzudecken.“ Das Konzept „Housing First“, dagegen, sagte Nocke „ist gescheitert.“ Zuvor hatte Miriam Scherff genau für jenes Housing First-Konzept geworben. Einer von wenigen Unterschieden, die herausgearbeitet wurden.
So unterschieden sich Matthias Nocke und Miriam Scherff
- Spielte als IT-Expertin ihre Erfahrung im Bereich Digitalisierung aus.
- Betonte ihren kommunikativen Führungsstil.
- Formulierte das Vorhaben, ihre Politik nicht nur auf ihre Amtszeit, sondern auf die nächsten 15 Jahre auszurichten.
- Zeigte klare Kante gegen die AfD: „Ich lasse nicht zu, dass Menschen aus dem Stadtrat heraus bedroht werden.
- Unterstrich beim Thema Pina-Bausch-Zentrum seine Verwaltungserfahrung mit exakten Zahlen und Paragraphen-Wissen.
- Vermittelte glaubwürdig, dass er als ‚Insider‘ weiß, wo die Blockaden in der Stadtverwaltung sitzen.
Nach viralem Video herrschte Waffenstillstand zwischen Miriam Scherff und Matthias Nocke
Nachdem am Wahlabend ein Video von Matthias Nocke viral gegangen war, in dem er Scherff jovial als „reizende Kollegin“ bezeichnete, die „vielleicht tatsächlich die Chefin von 7500 Leuten im Rathaus werden könnte“, schlug der CDU-Kandidat am Montagabend merklich sanftere Töne an.
Miriam Scherff, die nach dem deutlichen Wahlerfolg und dem Vorsprung von zehn Prozentpunkten vor Nocke nur noch ihre eigene Wählerschaft ansprechen und niemanden mehr aus dem Nocke-Lager überzeugen musste, nahm diesen Gefallen dankend an.
Lesen Sie auch
„Ich schätze Matthias‘ trockene Art und seine Intelligenz“, sagt sie, als sie um warme Worte für ihren Kontrahenten gebeten wurde. Nocke hatte sein Lob zuvor ein wenig ungeschickter verpackt: „Miriam ist lustig, bodenständig und humorvoll.“
So ähnelten sich Miriam Scherff und Matthias Nocke
Wie gut sich die beiden seit den monatelangen gemeinsamen Wahlkämpfen kennen, zeigte sich, als sie für fünf Minuten ohne Moderation reden sollten. Schnell übernahm Nocke das Ruder, um die sichtlich unangenehme Situation für beide aufzulösen.
So entwickelte sich ein Gespräch über gemeinsame Termine, Büchervorlieben und Freizeitgestaltung. „Vielleicht machen wir ja eine WG auf“, schlug Scherff schließlich vor.
Die Überraschung des Abends: Matthias Nocke bleibt unter Miriam Scherff Stadtdirektor
Zum Ende des Abends nahm das Gespräch noch einmal Fahrt auf. Moderatorin Angela Wegener hatte den letzten Abschnitt mit der Feststellung eingeleitet, dass der perfekte Oberbürgermeister ein Zusammenschluss aus den unterschiedlichen Charakterzügen und Stärken der beiden wäre.
Lesen Sie auch
Auf die letzte Frage, warum sie, Miriam Scherff, die geeignete Oberbürgermeisterin für Wuppertal sei, antwortete diese: „Wenn Sie mich wählen, bekommen sie uns beide. Dann bleibt Matthias Nocke ja trotzdem Stadtdirektor.“
Ob es potentiell so weit kommt, wird der 28. September zeigen. Bei der abschließenden Befragung im Codeks sagten knapp Zweidrittel der Zuschauerinnen und Zuschauer, dass Scherff das Duell aus ihrer Sicht gewonnen hatte. Knapp ein Drittel sahen Nocke vorn, der Rest war unentschieden.










