Zusammenfassung

  • Miguel Heidemann gewinnt nach spannenden Etappen und Teamarbeit das Bergtrikot bei der Deutschland Tour.
  • Der Sieg ist einer der größten Erfolge für das Team Rembe | Rad-net und ein Beispiel für starke Freundschaft unter den Fahrern.
  • Trotz starker Konkurrenz verteidigt Heidemann das Trikot bis zum Schluss und sorgt so für einen historischen Moment für sein Team.

Es ist ein Bild voller Herzlichkeit, das Radsportfans bewegte – und das bleibt. Am Freitagnachmittag lagen sich in Offenbach an der Queich Miguel Heidemann und Ole Theiler in den Armen. Ihr Plan war aufgegangen. Das auf der ersten Etappe der Deutschland Tour von Heidemann eroberte Bergtrikot blieb beim Team Rembe | Rad-net mit Sitz in Arnsberg, wechselte aber den Besitzer. „Wir kennen uns so lange“, hatte Heidemann noch vor dem Start der zweiten Etappe im Interview mit der Sportschau erzählt. „Wenn es jetzt die Chance gibt, dass Ole heute Abend das Bergtrikot von mir übernimmt, wäre das schon ein kleiner Traum, der in Erfüllung geht.“

Heidemann und Theiler tauschen Führungstrikot nach Königsetappe

Der Traum erfüllte sich – was nach einer anspruchsvollen Königsetappe alles andere als ein Klacks war. Nur ein Punkt hatte zwischen Heidemann und Theiler gelegen; und über die Kalmit, den höchsten Berg des Pfälzerwalds, war es ein kühnes Unterfangen, die Wertung nicht zu verlieren. „Es ist unfassbar, dass unser Plan aufgegangen ist und wir uns das Trikot jetzt quasi teilen“, jubelte ein sichtbar glücklicher Ole Theiler am Freitag im Ziel am TV-Mikrofon. „Es zeigt auch einfach, dass wir als Team mehr sind. Das ist einfach pure Freude.“

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Am Samstag folgte das nächste Kapitel der fast unglaublichen Geschichte. Das auffällige schwarze Leibchen mit den bunten Punkten wechselte zurück: Vom Team- und Zimmerkollegen Theiler wieder auf Heidemanns Schultern. Dass dieser es dann auch nicht mehr hergeben sollte, war da aber noch lange nicht klar. „Es war deutlich schwerer als die letzten Tage, in die Fluchtgruppe zu kommen, weil auch die großen Teams ein Interesse hatten, vorne zu sein“, schilderte Heidemann den Beginn der Etappe gegenüber radsport-news.com. Der erfahrene 28-Jährige konnte aber auch die Unterstützung anderer, befreundeter Fahrer organisieren: Max Walscheid und Tobias Müller nahmen auf der vorletzten Etappe in Führung liegend extra noch mal einen Gang raus, Heidemann konnte aufschließen und weitere Zähler für seinen großen Traum sammeln.

Jetzt bin ich wirklich, wirklich dankbar, dass ich es geschafft habe.

Miguel Heidemann, Team Rembe | Rad-net, über den Gewinn der Bergwertung bei der Deutschland Tour

Spätestens da war klar: Jetzt ist es an Heidemann, das Ding nach Hause zu bringen, wenn sich sein Team am Ende mit dem historischen Tour-Erfolg schmücken will. „Wir werden auf jeden Fall wieder einen Plan schmieden“, sagte der Trierer vor der Schlussetappe. Diese führte über 156 Kilometer rund um Heilbronn, vier Bergwertungen standen noch einmal auf dem Programm. Elf Punkte hatte Heidemann auf dem Konto, der nächste Verfolger sechs. Sicher war ihm das Wertungstrikot noch nicht.

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Früh ging Heidemann am Sonntag in die Offensive, an der ersten Bergwertung konnte er keine Punkte holen, war dann aber bei der zweiten Bergwertung nach 102 Kilometern vorne und holte bei der dritten einen weiteren Zähler, insgesamt schließlich 17. Damit war bereits vor der vierten und letzten Bergwertung klar, dass das Bergtrikot ins Sauerland geht!

Radsport: Deutschland Tour
Miguel Heidemann gewinnt das schwarze Trikot mit den „Polka Dots“ des besten Bergfahrers der Deutschland Tour.© Uli Deck/dpa | Uli Deck

Einer der größten Erfolge der Teamgeschichte

„Es war nicht einfach das Bergtrikot zu gewinnen - auch mental, weil ich es letztes Jahr auf der letzten Etappe verloren habe. Das war am Sonntag also immer noch in meinem Kopf, obwohl ich wusste, dass ich einen kleinen Vorsprung hatte. Aber jetzt bin ich wirklich, wirklich dankbar, dass ich es geschafft habe“, freute sich Heidemann, der damit für einen der größten Erfolge in der Teamgeschichte von Rembe | Rad-net sorgte. „Ich habe die Woche wirklich genossen. Auch der Trikottausch mit meinem Teamkollegen Ole Theiler war toll und es jetzt nach Hause zu bringen, ist noch besser.“

Adamietz mit bemerkenswerter Leistung

Bester Rembe | Rad-net-Fahrer der Gesamtwertung war Johannes Adamietz als 28. Er war damit bei der Deutschland Tour auch bester deutscher Fahrer eines Continental-Teams.

So kam es am Sonntag, als im Ziel in Heilbronn die Gewinner der unterschiedlichen Gesamtwertungen der Deutschland Tour ausgezeichnet wurden, zu einem einmaligen Bild. Der Mexikaner Isaac del Toro räumte fast alles ab: Sowohl die Gesamtwertung als auch das Trikot für den punktbesten Fahrer (Sprintwertung) ging an den 22-Jährigen. Der Dritte der Tour de France eroberte obendrein noch das weiße Trikot für den schnellsten Nachwuchsfahrer. Und doch stand ein Mann mit ihm auf dem Podium: Miguel Heidemann, der del Toros Phalanx durchbrach und in sensationeller Weise das Bergtrikot ins Sauerland holte.

„Was für eine unvergessliche Woche! Wir sind unglaublich stolz auf die geschlossene Mannschaftsleistung unserer Jungs, die Miguel vollendet hat“, sagte Rembe | Rad-nets Teammanager Jörg Scherf aus Neheim. „Das Bergtrikot von der ersten Etappe an zu verteidigen und am Ende souverän ins Ziel zu bringen, ist ein überragender Erfolg. Ob auf dem Rad oder hinter den Kulissen: Jeder Einzelne hat alles gegeben. Diese fantastische Teamarbeit vor einer so gewaltigen Kulisse macht uns mehr als zufrieden - wir sind einfach nur stolz und dankbar!“