Schweißperlen wie damals – dürften Matthias Keuchel dieses Mal nicht über die Stirn rinnen. Denn so ein Public Viewing wie vor acht Jahren in der legendären Bärenschenke ist in Brachbach nicht vorgesehen, wenn sich Jacqueline Pfeifer in Cortina d‘Ampezzo bei ihren dritten Olympischen Winterspielen auf die Jagd nach einer Medaille macht. Die „Ultras“ der Skeleton-Pilotin, die sich selbst auch als „Jackianer“ bezeichnen, verfolgen andere Pläne – und wollen ihrem über ein Jahrzehnt erarbeiteten Ruf gerecht werden.
So erfolgt die Anreise
Einer, der der Fan-Bewegung rund um die Pilotin der RSG Hochsauerland ein Gesicht gibt, ist Matthias Keuchel. „Cheftrompeter“ wird er genannt und nennt er sich selbst. Weil Keuchel vor dem Start, während der Fahrt oder im Ziel mit seiner Trompete den Takt im Fanblock vorgibt. „Die „Ultras“ werden vor Ort sein und und Jacka mit allem, was wir haben, supporten“, sagte Keuchel schmunzelnd. Von etwa 70 bis 80 Gleichgesinnten weiß er. „Die Anreise erfolgt individuell, so dass wir uns erst am Eiskanal treffen“, ergänzte er.
2018 war das anders. In Südkorea erlebte die Pfeifer, damals noch unter ihrem Mädchennamen Lölling, ihre Olympia-Premiere und die Fans versammelten sich bei den entscheidenden Läufen drei und vier zum Public Viewing in der Bärenschenke, der einzigen Gaststätte in Brachbach. „Früher war das hier Jackas Wohnzimmer“, erzählte Wirt Alex Haupt mit einem Augenzwinkern beim Blick in den Saal mit der vertäfelten Decke und spielte damit auf das Leben der Siegerländerin ohne Leistungssport an. Musikverein Lyra, Gardetanz-Gruppe – Jacqueline Lölling gehörte überall dazu.
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Grundsätzlich können wir an dem Plan, den wir im November aufgestellt und uns erarbeitet haben, festhalten – mit ein paar kleinen Anpassungen.
Jacqueline Pfeifer, RSG Hochsauerland
Und deshalb strömten die Brachbacher in Scharen in die Bärenschenke, um ihren Star bei den entscheidenden zwei Läufen in der Ferne zu unterstützen. Deutschland-Schals und -Mützen gehörten fast zur Anzugsordnung. Kleine Wimpelketten und Fähnchen in Schwarz-Rot-Gold schmückten die Gaststätte, deren Rolladen am hellichten Tag herunter gelassen waren und in deren Inneren nur kleine Lampen unter der Decke Licht spendeten, damit Löllings Läufe sowie die der Konkurrenz auf den beiden Leinwänden optimal zu sehen waren. Matthias Keuchel saß in der ersten Reihe.

Die damals amtierende Weltmeisterin gewann in Südkorea die olympische Silbermedaille – und sorgte für grenzenlosen Jubel in der Heimat.
Der Zeitplan
Donnerstag, 12. Februar: 9.30 Uhr Skeleton Männer 1. Lauf, 11.08 Uhr Skeleton Männer 2. Lauf. - Freitag, 13. Februar: 16 Uhr Skeleton Frauen 1. Lauf, 17.48 Uhr Skeleton Frauen 2. Lauf; 19.30 Uhr Skeleton Männer 3. Lauf, 21.05 Uhr Skeleton Männer 4. Lauf. - Samstag, 14. Februar: 18 Uhr Skeleton Frauen 3. Lauf, 19.35 Uhr Skeleton Frauen 4. Lauf. - Sonntag, 15. Februar: 18 Uhr Skeleton Mixed Team.
Nach einer der stärksten Weltcup-Saisons seit Jahren gehört die seit wenigen Tagen 31-Jährige in Cortina d‘Ampezzo wieder zu den Goldfavoritinnen. Zudem gewann Pfeifer auch den Weltcup-Auftakt auf der Olympiabahn im vergangenen November. „Ich fühle mich wieder sehr wohl hier. In der Bahn ist an manchen Stellen mehr Eis als im November, das drückt dann mehr beziehungsweise verändert die Ein- und Ausfahrten etwas“, sagte Pfeifer nach den Trainingsläufen. „Grundsätzlich können wir aber an dem Plan, den wir im November aufgestellt und uns erarbeitet haben, festhalten – mit ein paar kleinen Anpassungen“, ergänzte sie.
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Material-Clou bei Olympia?
Ob diese kleinen Anpassungen das Material betreffen? Vermutlich. „Wir haben noch ein wenig was in petto, was wir jetzt zu Olympia rausholen. Und das war jetzt bei den letzten Testfahrten sehr, sehr, sehr positiv“, verriet Chef-Bundestrainer Christian Baude der „Welt“. Dass der eine oder andere während der Weltcups auf Grund ausbleibender Top-Ergebnisse nervös geworden sei, nahm Baude in Kauf. „Ich habe das gesagt, dass wir uns bewusst zurückhalten. Um eben dann bei Olympia einen draufsetzen zu können“, ergänzte er.
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Und vielleicht muss sich Matthias Keuchel am Samstagabend im Zielbereich des olympischen Eiskanals dann doch wieder etwas aus dem Gesicht wischen: Keine Schweißperlen, sondern Freudentränen.





