Elf Jahre. Im März wird dieser Moment elf Jahre zurückliegen. Ausgerechnet bei der Heim-Weltmeisterschaft 2015 in Winterberg betrat die damals 20 Jahre junge Jacqueline Lölling mit einem Paukenschlag die große Skeleton-Bühne. Ohne vorherigen Weltcup-Start gewann sie WM-Silber und sorgte damit für eine Riesensensation. „Fahrerisch habe ich so ein Talent, wie sie es hat, noch nie gesehen“, sagte Thomas Schwab, damals wie heute in führender Position beim Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD). „Jacka“ ist mittlerweile verheiratet, heißt Pfeifer mit Nachnamen und meldete sich pünktlich zu den Olympischen Winterspielen in Cortina d‘Ampezzo (6. bis 22. Februar) zurück im Kreis der Favoritinnen auf – Olympia-Gold.

Altenberg: Pfeifer pulverisiert Bahnrekord

Den endgültigen Beweis dafür lieferte die 30-Jährige beim Weltcupfinale in Altenberg. Sie gewann das Rennen im Osterzgebirge nicht nur deutlich vor Susanne Kreher (+0.33 Sekunden) und Kim Meylemans (Belgien, +0.34 Sekunden). Pfeifer beeindruckte zudem mit einem neuen Bahnrekord im zweiten Lauf. Sie steigerte die Marke von 57.32 Sekunden auf beachtliche 57.06 Sekunden.

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„Es war ein sehr, sehr guter Tag heute. Ich habe gute Läufe gehabt, in denen ein paar Kleinigkeiten nicht stimmten, aber das kann passieren in diesem Geschwindigkeitsbereich“, erklärte Pfeifer. Mit 119,9 km/h raste sie durch den Eiskanal und sorgte so für den Top-Speed des Frauenrennens. „Mein Start war zügiger als in den vergangenen zwei, drei Wochen. Ich bin sehr happy. Es passt auf jeden Fall, ich kann mit einem guten Gefühl nach Cortina fahren“, ergänzte sie.

Skeleton: Weltcup
Das Siegerpodest in Altenberg: Siegerin Jacqueline Pfeifer (Mitte) mit der zweitplatzierten Susanne Kreher (li.) und der drittplatzierten Kim Meylemans.© Robert Michael/dpa | Robert Michael

Dort, auf der Olympiabahn, startete die aus Brachbach bei Siegen stammende Pilotin der RSG Hochsauerland im ersten Weltcuprennen der Saison ihr Comeback in der vorderen Weltspitze mit ihrem 13. Weltcupsieg. Der zwölfte datierte vom 22. Januar 2021 auf der Bahn am Königssee, die wenige Monate später von einem Unwetter teilweise zerstört wurde und erst im nächsten Winter wieder vereist werden kann.

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Pfeifer holte bei der WM 2021 in Altenberg mit Silber noch eine WM-Medaille und stand im Januar 2022 als Zweitplatzierte in Winterberg auf einem Weltcuppodest. Alles in allem rutschte die Olympia-Zweite von 2018 und Weltmeisterin von 2017 aber in den Jahren darauf ins Mittelfeld des Weltcups ab. Zu Beginn der Saison 2022/23 verpasste sie sogar einen Platz in der deutschen Weltcup-Mannschaft und musste im zweitklassigen Intercontinentalcup starten.

Pfeifer nahm Herausforderung an

„Die Enttäuschung war in den ersten Tagen nach der Entscheidung natürlich sehr groß“, erzählte die Bundespolizistin damals, „aber ich nehme die Herausforderung an.“

Der Weltcup ist sozusagen der Weg zum Ziel und es war wohl meine beste Saison seit ein paar Jahren, was den Start angeht.

Jacqueline Pfeifer,, RSG Hochsauerland

Sie wechselte den Trainer und forcierte mit Dr. Tobias Alt ihr Athletiktraining, um am Start schneller zu sein. Pünktlich zu Pfeifers dritten Olympischen Winterspielen scheint der Plan aufzugehen. „Wenn man am Ende bei den Olympischen Winterspielen eine Medaille um den Hals hat, ist der Weltcup egal. Aber dort baut man die Form auf. Der Weltcup ist sozusagen der Weg zum Ziel und es war wohl meine beste Saison seit ein paar Jahren, was den Start angeht“, erklärte Pfeifer.

Neise: „Das nimmt mich mit“

Hannah Neise, Olympiasiegerin 2022 vom BSC Winterberg, belegte beim Sieg von Jacqueline Pfeifer in Altenberg den fünften Rang (+0.93 Sekunden). „Ich bin sehr zufrieden“, sagte Neise. „Am Start hätte mehr gehen können, aber das liegt daran, dass ich gerade in der Aufbauphase für die Olympischen Winterspiele bin und mich nicht so spritzig fühle, wie ich es sollte“, ergänzte sie. Die 25-Jährige zeigte sich vor allem zufrieden mit ihrer ersten Saisonhälfte. Besonders der 21. Platz in St, Moritz ärgere sie. „Ich bin dort seit vier Jahren echt schlecht und es geht immer weiter bergab. Das nimmt mich persönlich mehr mit als alles andere“, erklärte Neise.

Hinter Kim Meylemans schließt die dreifache Gesamtweltcup-Siegerin die Gesamtwertung dieses Mal auf Rang zwei ab. „Die Konstanz über den Saisonverlauf zeigt, dass ich da vorne hingehöre“, erzählte Pfeifer. „Jetzt gilt es allerdings, zwei Wochen akribisch weiterzuarbeiten und sich zu erholen – denn dann geht es ja eigentlich erst richtig los“, ergänzte sie.

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Am 13. und 14. Februar werden in Cortina d‘Ampezzo die insgesamt vier Läufe des olympischen Wettbewerbs ausgetragen. Eine Woche zuvor feiert „Jacka“ ihren 31. Geburtstag und könnte sich selbst das größte Geschenk machen. Ob sie ihre Karriere nach Cortina fortsetzen wird? „Schaun wir mal“, antwortete sie lächelnd nach dem Heim-Weltcup in Winterberg Anfang dieses Jahres.

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Denn elf Jahre nach dem Sprung auf die große Skeleton-Bühne – muss selbst eine Olympia-Medaille nicht der finale Akt sein.