Einige Sekunden lag Jacqueline Pfeifer einfach nur erschöpft auf ihrem Schlitten, mit dem sie wenige Momente zuvor den Eiskanal von Cortina d‘Ampezzo hinunter gerast war – und einen neuen Bahnrekord aufgestellt hatte. Als die 30-jährige Skeleton-Pilotin der RSG Hochsauerland aufstand, ihre Trainer und Betreuer umarmte, schien es fast so, als kämpfte sie mit aufkommenden Tränen der Freude. Denn ausgerechnet dort, wo im Februar 2026 die Olympischen Winterspiele über die Bühne gehen werden, endete eine quälend lange Durststrecke für die Olympia-Zweite von 2018. „Endlich“, rief Pfeifer in die Kameras.

Winterberg feiert Doppel-Erfolg

Mit einem Vorsprung von 23 Hundertstelsekunden gewann Jacqueline Pfeifer, in Brachbach bei Siegen beheimatet, das erste Weltcuprennen der Saison 2025/26 vor Hannah Neise vom BSC Winterberg. Der dritte Platz ging an die Belgierin Kim Meylemans (+0,32 Sekunden). Pfeifer stand bei der anschließenden Siegerehrung zum ersten Mal seit dem 22. Januar 2021 wieder ganz oben auf einem Weltcuppodest. Damals hieß sie noch Lölling und die Bahn am Königssee war befahrbar.

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Die dreimalige Gesamtweltcupsiegerin Pfeifer lag bereits nach dem ersten Durchgang vorne. Im zweiten Lauf baute sie dann ihren Vorsprung gegenüber Neise, Olympiasiegerin von 2022, sogar noch aus. Zudem wurde Susanne Kreher (BSC Sachsen Oberbärenburg) Zwölfte (+1,29), Corinna Leipold (WSV Königssee) belegte direkt dahinter den 13. Platz (+1,66).

Skeleton Frauen am 03. Januar 2025, Bob und Skeleton Weltcups in der Veltins EisArena Winterberg, vom 02. - 05. Januar 2025
Das Sieger-Lachen ist zurück: Jacqueline Pfeifer (RSG Hochsauerland) feiert ausgerechnet in Cortina d‘Ampezzo ihren insgesamt 13. Weltcupsieg.© Dietmar Reker | WP

Ich kann es noch gar nicht richtig glauben, genieße den Moment aber sehr.

Jacqueline Pfeifer, RSG Hochsauerland

„Es fühlt sich gerade sehr, sehr gut an. Ich kann es noch gar nicht richtig glauben, genieße den Moment aber sehr“, sagte Pfeifer nach ihrem insgesamt 13. Weltcupsieg. „Ich habe das so nicht erwartet. Aber ich habe mir die Bahn zusammen mit den Trainern gut erarbeitet und habe gerade in der vergangenen Woche einen guten Rhythmus gefunden. Ich wusste, dass viel möglich ist, wenn ich die Fahrten genau treffe und die Startzeiten passen“, ergänzte sie. Dass sie „extrem nervös“ gewesen sei, verriet die Weltmeisterin von 2017 ebenfalls noch.

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Apropos Startzeiten: Mit jeweils 5,05 Sekunden hatte Pfeifer am Start deutlichen Rückstand auf Top-Starterin Tabitha Stoecker (Großbritannien), die 4,82 Sekunden und 4,83 Sekunden ins Eis brannte. Neise war mit 5,07 Sekunden und 5,09 Sekunden sogar noch etwas langsamer als „Jacka“.

Nydegger auf Rang vier

Der zweimalige Junioren-Weltmeister Lukas Nydegger vom RC Berchtesgaden, der sich im Stechen um den Weltcupplatz gegen Felix Seibel (BRC Hallenberg) durchgesetzt hatte, fuhr in Cortina mit Platz vier sein bestes Weltcup-Resultat ein und war bester Deutscher. Peking-Olympiasieger Christopher Grotheer vom BRC Thüringen, der nach einer Verletzung in der Vorbereitung noch Probleme am Start hatte, musste sich beim Sieg des Briten Matt Weston mit Rang 15 zufriedengeben.

Winterberg: Neise froh über Abreise

Doch letztendlich ging es ihr wie ihrem einstigen Vorbild, obwohl Neise im Vorfeld erzählt hatte, dass es „keine Liebe auf den ersten Blick“ zwischen ihr und dem Eiskanal in Cortina d‘Ampezzo gewesen sei. „Mein Fazit fällt viel besser aus als erwartet“, sagte die 25-Jährige aus Schmallenberg nach dem zweiten Platz. „Ich bin mega-zufrieden, mega-happy – aber auch froh, dass wir nach jetzt zweieinhalb Wochen am Stück die Bahn verlassen, auch wenn es Spaß gemacht hat“, ergänzte sie.

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Jacqueline Pfeifer (RSG Hochsauerland) gewinnt den Weltcup-Auftakt auf der Olympiabahn in Cortina d'Ampezzo vor Hannah Neise (BSC Winterberg).© Viesturs Lacis | Viesturs Lacis / BSD

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Es geht zum Weltcup nach Innsbruck. Zum nächsten Rennen in Cortina d‘Ampezzo kehren Pfeifer, Neise und Co. im Februar zurück, wenn es auf der Olympiabahn um die Olympia-Medaillen geht. Mit Rang eins und zwei erfüllte das Duo aus dem Sauerland die Olympia-Norm und bewies, dass es dann trotz der verhaltenen Starts um Gold mitfahren kann. „Jacka hat sich am Start enorm entwickelt. In der Art und Weise zu gewinnen, es war ja kein Sieg, es war eine Demonstration – das ist riesig stark und wird sie für den Rest des Jahres richtig pushen“, sagte Cheftrainer Christian Baude noch.