Vielleicht legte dieser Moment am frühen Sonntagmorgen bereits den Grundstein zum erneuten Heimsieg. „Ich bin etwas früher aufgestanden und im Dunklen zur Bahn gegangen“, erzählte Cheyenne Rosenthal, „wenn dann die Sonne rauskommt und du weißt, dass du gleich ein Rennen fahren wirst – das ist schon geil.“ Allerdings: So hoch wie der Wohlfühlfaktor für das Damen-Doppel Jessica Degenhardt/Cheyenne Rosenthal beim Heim-Weltcup im Rennrodeln in Winterberg war, so ernüchternd wird eine bevorstehende Nachricht sein.

Winterberg: Das Thema Olympia

Denn an diesem Montag dürfte der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) seine Nominierungen für die Olympischen Winterspiele in Cortina d‘Ampezzo (2. bis 22. Februar) offiziell machen. Bereits seit der Weihnachtspause steht jedoch intern wie berichtet fest, dass den einzigen deutschen Startplatz im Damen-Doppelsitzer nicht das Duo vom RRC Altenberg und vom BSC Winterberg einnehmen wird. In der nationalen Qualifikation setzten sich Dajana Eitberger/Magdalena Matschina (RC Ilmenau/SV Bad Feilnbach) am Ende souverän durch.

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Olympia – hatte bei Degenhardt/Rosenthal deshalb vor dem zweiten Weltcup der Saison in Winterberg nicht mehr die oberste Priorität. Die 23-Jährige aus Sachsen und die 25-Jährige aus Nordrhein-Westfalen waren nach dem aller Voraussicht nach geplatzten Olympia-Traum und dem Auslassen des ersten Weltcup dieses Jahres in Sigulda eine Woche zuvor im Hochsauerland vielmehr auf der Suche nach dem verloren gegangenen Spaß am Rodeln.

Rennrodel Weltcup EisArena Winterberg am 10. / 11. Januar 2026, Foto: Dietmar Reker / Sportpresse Reker / honorarpflichtiges Foto
Die Faust reckt Felix Loch in die Höhe, als er in Winterberg ins Ziel kommt. Er setzt mit Platz zwei seine Erfolgsserie fort.© Dietmar Reker | WP

Und sie fanden ihn im Eiskanal der Veltins-EisArena, wo sie Anfang Dezember mit einem Sieg die Weltcup-Saison eröffnet hatten, eindrucksvoll wieder. „Wir fühlen uns hier beide wohl und konnten das Dingen von oben bis unten runterzimmern“, sagte Jessica Degenhardt nach dem Sieg vor dem Doppel Selina Egle/Lara Michaela Kipp (Österreich/+0.100). Der dritte Platz ging an Eitberger/Matschina (+0.369).

Es war zwar arschkalt, aber wir hatten wieder Spaß – und das ist das Wichtigste.

Cheyenne Rosenthal

In beiden Läufen gelang Degenhardt/Rosenthal bei besten Bedingungen die schnellste Laufzeit. „Es war zwar arschkalt“, resümierte die aus Winterberg-Silbach stammende Rosenthal, „aber wir hatten wieder Spaß – und das ist das Wichtigste.“

Deutschland vs. Österreich

Das Duell Deutschland vs. Österreich setzte sich auch beim Weltcup in Winterberg fort. Bei den Damen siegte Hannah Prock (Österreich) vor Julia Taubitz (Deutschland) und Verena Hofer (Italien). Bei den Herren entschied Jonas Müller (Österreich) das Rennen vor Felix Loch (Deutschland) und Nico Gleirschr (Österreich) für sich. Im Herren-Doppel ging Platz eins an Wendl/Arlt (Deutschland) vor Steu/Kindl und Gatt/Schöpf (beide Österreich).

Dass die jungen Damen, die bereits viermal eine Goldmedaille bei Weltmeisterschaften holten, die Premiere ihrer Disziplin bei Olympischen Winterspielen noch nicht komplett aus ihren Köpfen gestrichen haben, zeigte sich nach dem Rennen im Damen-Doppel.

Winterberg: Letztes Fünkchen Hoffnung

„Wir haben diese Woche alles gegeben“, sagte Jessica Degenhardt. Mit dem zweiten Saisonsieg festigten Rosenthal und sie zum Abschluss der Olympia-Qualifikationsphase des internationalen Rennrodel-Verbandes FIL ihren dritten Platz in der Weltcup-Gesamtwertung hinter Egle/Kipp und Eitberger/Matschina. In dieser Platzierung begründet sich das letzte minimale Fünkchen Hoffnung. „Wir warten ab, ob jemand nachrücken kann“, erklärte Cheyenne Rosenthal, „wenn es einen Ersatz gibt, sind wir hoffentlich auf Platz eins.“

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Damit sich diese Möglichkeit ergibt, müsste eine der für die Olympischen Winterspiele in Frage kommenden Nationen ihren Quotenplatz nicht in Anspruch nehmen. Experten schätzen das als einen sehr unrealistischen Fall ein.

Winterberg: Sieg auch in Teamstaffel

Degenhardt und Rosenthal blickten deshalb auch weniger auf die Olympischen Winterspiele, sondern auf die bevorstehenden Weltcups in Oberhof. „Dort sind wir das erste Mal Weltmeister geworden. Es ist eine wunderbare Bahn. Dort muss man ein wenig mehr ackern, hier in Winterberg kann man mehr genießen. Aber wir gehen gestärkt in die Rennen in Oberhof“, sagte Degenhardt.

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Als i-Tüpfelchen gelang Degenhardt/Rosenthal zum Abschluss des Heim-Weltcups der Sieg mit Felix Loch, Julia Taubitz und Tobias Wendl/Tobias Arlt in der Teamstaffel vor den Dauerrivalen aus Österreich.