Pflastersteine entfernen, den Boden auflockern und stattdessen Bäume, Sträucher oder Blumen pflanzen. Was erst mal nach Gartenarbeit klingt, ist mittlerweile ein bundesweiter Wettbewerb. Städte und Kommunen sollen so klimafreundlicher gestaltet werden. Denn: Laut Umweltbundesamt waren Ende 2024 rund 45 Prozent der bebauten und befahrenen Flächen in Deutschland vollständig versiegelt. Die Folge: Regen versickert dort nicht oder nur schlecht – und im Sommer heizen diese Flächen die Städte zusätzlich auf.
Doch damit soll nun Schluss sein. Der Wettbewerb „abpflastern“ möchte der Versiegelung entgegenwirken. Von Mitte März bis Ende Oktober treten Städte und Kommunen aus ganz Deutschland gegeneinander an. Ziel ist es, möglichst viele Pflastersteine durch Grünflächen zu ersetzen und die anderen Städte zu „besiegen“.
Abpflastern: Was bedeutet Entsiegeln?
Der Name „abpflastern“ spielt auf das Entsiegeln von Flächen an. „Versiegelung verhindert wichtige Funktionen der Böden: Wasseraufnahme bei Regen, die Verdunstungskühlung bei Hitze und die Bereitstellung von Lebensräumen für die Artenvielfalt“, sagt Lina Al-Naggar, Referentin Flächenschutz und Stadtnatur beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). 2025 konnte bereits deutschlandweit eine Fläche von immerhin knapp eineinhalb Fußballfeldern entsiegelt werden.
Vorbild der Aktion ist der niederländische Wettbewerb „Tegelwippen“. Was 2020 als Wettstreit zwischen den Städten Amsterdam und Rotterdam begann, hat sich mittlerweile aufs ganze Land ausgebreitet. 2024 nahmen insgesamt 199 niederländische Kommunen teil. In dem Jahr konnten laut einem Report des Wuppertal Instituts mehr als 5,5 Millionen Pflastersteine in den Niederlanden entfernt werden.
Wer kann beim Abpflastern mitmachen?
In Deutschland findet der Wettbewerb seit 2025 vom 21. März bis zum 31. Oktober statt. Organisiert wird er von Masterstudenten und -studentinnen der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz. Teilnehmen können Einzelpersonen, Vereine, Schulen, Unternehmen, Kirchen, Verwaltungen oder Organisationen. Für die Kommunen werden alle abgepflasterten Steine dann zusammengerechnet. 2025 nahmen 32 Kommunen an dem Wettbewerb teil. In diesem Jahr haben sich zwei Wochen vor Ende des Wettbewerbs bereits 77 Kommunen angemeldet. Mitmachen kann man unter www.abpflastern.de.
Bewertet wird in drei Kategorien: Groß-, Mittel- und Kleinstädte. Für einen fairen Vergleich werden laut Organisatoren allerdings die Zahlen der Steine pro 1000 Einwohner verglichen und nicht die Gesamtzahl an entfernten Steinen. Das ist besser, weil es für Kommunen mit mehr Einwohnern deutlich einfacher ist, größere Flächen zu entsiegeln. Im Ranking der Großstädte gewann 2025 Frankfurt am Main mit 63 entfernten Steinen pro 1000 Einwohner. Bei den Mittelstädten hatte Flensburg mit knapp 1120 Steinen pro 1000 Einwohner die Nase vorn. Im Vergleich der Kleinstädte lag Mettingen mit etwa 4900 Steinen auf dem ersten Platz.

„Abpflastern“ verfolge mehrere Ziele, erklärt der Sprecher der Initiative. „Zum einen trägt es dazu bei, der zunehmenden Versiegelung und den damit einhergehenden Problemen aktiv entgegenzuwirken.“ Andererseits helfe es auch dabei, diese Probleme überhaupt an die Öffentlichkeit zu tragen.
Baum, Gutschein, Schuttentsorgung: Was Städte fürs Entsiegeln bieten
Laut Umweltbundesamt waren Ende 2024 rund 45 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen in Deutschland – also dort, wo gebaut wird und Verkehr rollt – versiegelt. Diese Flächen wachsen täglich weiter, so Lina Al-Naggar. Mehr als 30 Fußballfelder an Fläche würden jeden Tag versiegelt. Besonders bei Starkregen oder Hitzetagen werden die Folgen deutlich. „Städte heizen sich mehrere Grad stärker auf als das Umland, und die Straßen sowie Keller werden überflutet, da die Kanalisation überlastet ist.“ Entsiegelte Flächen bieten sowohl einen Hitze- als auch einen Hochwasserschutz.
Um das Abpflastern deutschlandweit attraktiver zu gestalten, bieten einige Städte sogar zusätzliche Anreize an. Wer etwa in Flensburg mindestens fünf Quadratmeter entsiegelt, erhält von der Stadt einen Baum oder Strauch. Neumünster hingegen übernimmt die Kosten für die Bauschuttentsorgung beim Recyclinghof. Und in Nürnberg bekamen 2026 die ersten 20 angemeldeten Projekte einen 50-Euro-Gutschein für einen Gartenmarkt.
Entsiegelung: Was kleine Projekte bewirken können – und was nicht reicht
Abpflastern solle den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch gemeinsame Arbeit stärken, so ein Sprecher der Initiative. Wie lange die entsiegelten Flächen nach dem Wettbewerb bestehen bleiben, werte die Initiative derzeit nicht aus. „Die allermeisten der zuvor versiegelten Flächen werden in Beete oder (Vor-)Gärten umgewandelt, die sicherlich eher langfristiger Natur sind“, sagt ein Sprecher der Initiative.
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Al-Naggar begrüßt die Initiative sehr. Sie mache das Thema nicht nur greifbar, sondern begeistere auch Menschen dafür, in ihrem Umfeld aktiv zu werden. Dann steige auch der politische Druck auf die Kommunen. Auch kleine Entsiegelungsmaßnahmen könnten viel bewirken. Klar sei aber, dass solche Projekte allein nicht ausreichten.








