Exchange Traded Funds – kurz ETFs – sind das Anlageinstrument der vergangenen Jahre. Die kostengünstigen Fonds bilden einen Börsenindex nach und machen Anlegerinnen und Anlegern das Investieren so besonders einfach. Besonders beliebt sind dabei ETFs, die den Weltaktienindex MSCI World nachbilden. In der letzten Zeit gibt es an diesen Fonds aber immer wieder Kritik. Die Finanztip-Geldanlage-Experten Nadine Graf und Timo Halbe ordnen die wichtigsten Kritikpunkte ein.
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Haben US-Unternehmen ein zu hohes Gewicht im MSCI World?
Mit über 70 Prozent sind Unternehmen aus den USA im weltweiten Index MSCI World die größte Gruppe. Die Anteile aller anderen Länder liegen im einstelligen Bereich. Dieses US-Übergewicht ist nach Einschätzung von Finanztip jedoch kein großes Problem. Denn es ist nicht allgemein festgelegt, sondern entsteht dadurch, dass die USA eben aktuell diesen großen Anteil am Weltaktienmarkt haben.
Die Länderanteile könnten sich jederzeit verschieben – je nachdem, welche Unternehmen die weltweit größten sind. Sollte es amerikanischen Aktien schlechter gehen, würde der US-Anteil im MSCI World entsprechend schrumpfen. Ähnliches passierte mit japanischen Aktien: Dem ehemaligen Schwergewicht liefen US-Aktien Ende der 80er-Jahre den Rang ab.
Solche Verschiebungen können zwischenzeitliche Verluste bedeuten. Doch kurzfristig sind diese am Aktienmarkt normal. Wichtig ist, dass Anlegende immer einen langfristigen Anlagehorizont im Blick haben. Über Jahrzehnte hat der MSCI World immer gute Renditen erzielt. Hinzu kommt, dass die Börsenstars im MSCI World wie Nvidia, Apple, Microsoft oder Alphabet (Google) weltweit wirtschaften. Unabhängig von ihrem Standort sind die meisten exportstark und erwirtschaften ihre Gewinne nur zu Teilen in den USA selbst.

Ist der MSCI World zu stark auf einzelne Aktien konzentriert?
Zwar besteht der MSCI World aus über 1300 Unternehmen, doch tatsächlich dominieren einige wenige Firmen den Index. So machen die zehn größten Unternehmen über 27 Prozent des Index aus. So wie der Kurs des MSCI World schwankt, so schwankt auch die Konzentration im Index.
Besorgt sein müssen Anleger deshalb nicht. Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass es immer wieder Phasen gab, in denen wenige Unternehmen den Index dominierten. Eine Studie von Morgan Stanley zeigt sogar, dass eine steigende Konzentration am Aktienmarkt in der Vergangenheit oft mit höheren Renditen einherging. In Phasen fallender Konzentration waren die Renditen niedriger – aber langfristig immer noch positiv.
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Finanztip rät allgemein dazu, in den nächsten Jahrzehnten mit etwas weniger Rendite als in den vergangenen Jahren zu rechnen. Von 1975 bis Ende 2024 hat der MSCI World im Durchschnitt eine jährliche Rendite von 9,7 Prozent pro Jahr erzielt. Langfristig lässt sich bei ETFs auf den MSCI World nach unseren Analysen in Zukunft durchschnittlich mit sechs Prozent Rendite pro Jahr rechnen.
Hat der MSCI World ein zu hohes Währungsrisiko?
Da viele Aktien des MSCI World aus den USA stammen, sind diese in US-Dollar notiert. Anlegende aus der Eurozone profitieren daher nicht immer 1:1 von einer Wertsteigerung des MSCI World. Wer seine ETF-Gewinne realisieren möchte, muss in die Heimatwährung Euro umtauschen. Je nachdem wie sich der Wechselkurs zwischenzeitlich bewegt hat, kann das zu weniger Gewinn führen.
Diese Kritik ist vor allem aktuell, nachdem der Dollar seit dem Amtsantritt von Trump ein Stück an Wert verloren hat. Doch auch hier gilt: ETF-Anlegende sollten langfristig denken. Über lange Zeiträume fielen die Bewegungen der Währungskurse nie sonderlich ins Gewicht, auch wenn sie kurzfristig schwankten. Gewinnt der Dollar wieder an Stärke, dreht sich der Effekt um und sorgt für höhere Gewinne bei Euro-Anlegern.
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Bildet der MSCI World die ganze Welt ab?
Der MSCI World setzt auf über 1300 Aktien aus über 23 Industrieländern. Die Unternehmen stammen dabei aus verschiedensten Branchen. Damit deckt der MSCI World einen großen Teil, aber nicht den gesamten Weltaktienmarkt ab. Nicht mit dabei sind Aktien aus Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien. Wer Aktien aus diesen Ländern einschließen will, kann auf einen ETF setzen, der auch Aktien aus Schwellenländern umfasst.
ETFs mit Schwellenländern sind aber nicht automatisch die bessere Wahl. Ob Anleger mit einem solchen Index langfristig besser fahren als mit dem MSCI World lässt sich nicht vorhersagen. Am Ende ist die Entscheidung Geschmackssache.
Wer mit den genannten Kritikpunkten seine Bauchschmerzen hat, kann als Alternative in jedem Fall über einen ETF mit Industrie- und Schwellenländern nachdenken. Solche ETFs bilden zum Beispiel den MSCI All Countries World Index oder den FTSE All-World Index nach. Dort sind auch der US-Anteil und die Konzentration der größten Aktien etwas geringer.

Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit finanztip.de. Deutschlands führender Geld-Ratgeber für Verbraucher ist Teil der gemeinnützigen Finanztip-Stiftung.









