Leihmutterschaft ist für Paare mit einem unerfüllten Kinderwunsch oft die letzte Hoffnung auf ein gesundes Kind – für einige chinesische Milliardäre hingegen ist sie ein Weg, ihre dystopischen Fantasien umzusetzen. Berichte und Beobachtungen von US-Gerichten, Leihmutterschaft-Agenturen und Rechtsanwälten zeigen inzwischen, dass wohlhabende Eltern aus China zunehmend auf US-amerikanische Leihmütter zurückgreifen. Das „Wall Street Journal“ (WSJ) berichtete jüngst über den Fall eines chinesischen Milliardärs, der sich mehr als 100 Kinder durch Leihmutterschaften zugelegt haben soll und diese von Nannys aufziehen lässt.

In den USA hat sich demnach ein Markt entwickelt, der internationalen Superreichen den Zugang zu Leihmutterschaft erleichtert. Ein prominentes Beispiel sei der chinesische Unternehmer Xu Bo, Gründer eines Videospielunternehmens, berichtet das WSJ. Unter Berufung auf Gerichtsakten schreibt die Zeitung, dass Xu Bo Dutzende in den USA geborene Kinder habe, hauptsächlich männliche Nachkommen, um die Nachfolge für sein Unternehmen zu sichern und eine Familien-Dynastie aufzubauen. Als Leihmütter soll der Unternehmer vor allem Models ausgewählt haben.

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All-inclusive Kinder für 200.000 Dollar

Möglich macht das auch die rechtliche Lage in den USA. In einigen US-Bundesstaaten ist Leihmutterschaft legal und weitgehend unreguliert. Eltern können in der Regel als rechtliche Eltern des Kindes anerkannt werden, selbst wenn sie genetisch nicht beteiligt sind. Kinder, die in den USA geboren werden, erhalten außerdem automatisch die US-Staatsbürgerschaft nach dem 14. Zusatzartikel der Verfassung.

Diese Kombination macht den US-Markt für internationale Kunden offenbar attraktiv. Zudem gibt es mehrere Agenturen, die sich um den gesamten Prozess kümmern. Sie regeln den Kontakt mit medizinischen Kliniken, Anwälten und Betreuungspersonal, sodass reiche Eltern, die im Ausland sitzen, teilweise nicht einmal in den USA anwesend sein müssen.

Gegenüber dem WSJ gaben mehrere US-Leihmutterschaft-Agenturen an, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Kunden aus China kommen. Manche Eltern wünschten sich demnach nur ein bis zwei Kinder, andere deutlich mehr. Wer abgelehnt werde, beauftrage einfach mehrere Agenturen. Die Kosten pro Kind können dabei 150.000 bis 200.000 US-Dollar betragen, inklusive medizinischer Behandlung, Agenturgebühren und Betreuung der Neugeborenen.

USA wollen Staatsangehörigkeitsrecht ändern

In China ist Leihmutterschaft derzeit verboten. Die Regierung duldet die Auslagerung ins Ausland jedoch oft stillschweigend. Vereinzelt sorgten Berichte über prominente Fälle, darunter auch solche mit Beteiligung ehemaliger Regierungsmitglieder oder bekannter Persönlichkeiten, für öffentliche Empörung.

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Wie lange das System in den USA noch bestehend bleibt, ist unklar. Derzeit versucht die US-Regierung unter Donald Trump die automatische Staatsbürgerschaft bei Geburt in den USA zu kippen. Zudem berichtet das WSJ von vereinzelten Initiativen Republikanischer Abgeordneter, das Geschäft mit Leihmüttern für Ausländer zu regulieren. Doch selbst wenn sich die Gesetzeslage in den USA ändert, bleibt Menschen mit dem nötigen Geld immer noch der Gang ins nächste Land.

lro