Anhaltende Dürreperioden könnten bald unseren Speiseplan verändern. Ein extrem beliebter und gesunder Snack droht durch die anhaltende Dürre in den Hauptanbaugebieten zum unbezahlbaren Luxusgut zu werden.
Laut dem Ernährungsreport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) essen 24 Prozent der Bevölkerung täglich Süßigkeiten und Knabbereien. Doch neben Schokolade und Chips steht vor allem ein Snack hoch im Kurs, der rund fünf Kilogramm unseres jährlichen Bedarfs ausmacht: Nüsse. Warum die weltweite Dürre-Krise die Preise für Mandeln, Walnüsse und Co. rasant in die Höhe treibt und die Plantagen austrocknet, erklärt eine Expertin der Umweltschutzorganisation WWF.
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Walnüsse, Haselnüsse, Mandeln, Paranüsse, Cashews, Pistazien, Erdnüsse: Auch wenn wir hier umgangssprachlich von Nüssen sprechen, ist der Sammelbegriff „Schalenobst“ eigentlich genauer. Nüsse an sich sollten fester Bestandteil einer gesunden Ernährung sein, da sie voller wichtiger Nährstoffe sind. Besonders beliebt: Erdnüsse (1,4 kg pro Person und Jahr), Mandeln (1 kg) und Haselnüsse (800 g). Das ergeben Daten von „In Form“, einer Initiative der Bundesregierung für gesunde Ernährung und mehr Bewegung. Wer abnehmen will, sollte allerdings vorsichtig sein: Nüsse sind kalorienreich und können bei übermäßigem Verzehr zu ungewollter Gewichtszunahme führen.
In Maßen können Nüsse dagegen nachweislich die Blutfettwerte und das Cholesterin senken und das Risiko für Herzkreislauferkrankungen – wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle – deutlich verringern. Da Nüsse pflanzlichen Ursprungs sind, ist der CO₂-Abdruck deutlich niedriger als bei tierischen Produkten. Im Kampf gegen den Klimawandel wären sie anderen Snacks (wie etwa Milchschokolade) also vorzuziehen.
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Klimawandel bedroht die Nuss-Produktion weltweit
Die meisten Nüsse, die in Deutschland verspeist werden, könnten zwar auch hier angebaut werden – stammen in der Regel aber aus Ländern, die weit entfernt sind, seien es die USA, die Türkei oder Italien. Mit Blick auf den Klimawandel ist das ein Problem, da lange Transportwege nötig sind, die den CO₂-Fußabdruck nach oben treiben.

Weiteres Problem: Nüsse werden häufig in (zu) trockenen Gebieten angebaut. Im Zuge des Klimawandels werden diese Regionen sogar noch trockener. Die Folge: In den Anbaugebieten und den Plantagen muss künstlich bewässert werden. Ein kosten- und ressourcenintensives System, das die Lage in den betroffenen Regionen weiter verschärft. Die Preise fürs Wasser steigen, damit auch die Kosten für die Hersteller, und letztlich auch die Preise für die beliebten Nüsse. Allein in Deutschland haben sich die Preise für Nüsse seit 2020 um rund 27 Prozent erhöht. Das ergeben Daten des Statistischen Bundesamtes. In den kommenden Monaten und Jahren sind weitere Preissteigerungen nicht auszuschließen.
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Besonders dramatisch ist die Lage in Kalifornien, wo vor allem Mandeln und Walnüsse angebaut werden. Hier werden die Dürreperioden immer länger und intensiver, was nicht nur Wald- und Buschbrände begünstigt, sondern auch die Pflanzen selbst gefährdet. Ein Beispiel: Für ein Kilogramm Mandel werden unglaubliche 13.000 Liter Wasser benötigt. In dem US-Bundesstaat, der oft mit Dürreperioden zu kämpfen hat, ist das eine kaum zu stemmende Belastung der Wasserressourcen.
Nina Schneider, Expertin für nachhaltige Wassernutzung beim WWF Deutschland, sieht das Ressourcen-Problem nicht nur in den USA, sondern weltweit: „Helfen kann ein verbessertes und auf alle Wassernutzer abgestimmtes Wassermanagement. Wichtig ist hierbei, über die eigenen Anbaugrenzen hinaus zu denken und das gesamte Wasser- und Flusseinzugsgebiet zu betrachten, in dem man sich befindet. Entscheidend dabei ist der ökologische Rahmen des Flussgebietes, nicht nur die Belange eines einzelnen Betriebs. Dabei sind die Interessen, Bedürfnisse und Risiken aller Wassernutzer innerhalb dieses Flussgebiets zu berücksichtigen.“

Vor einer anderen, aber nicht minder schwerwiegenden Problematik steht der Haselnussanbau in der Türkei, wo frostige Nächte im späten Frühling Großteile der Ernte zunichtemachen können. Denn: Klimawandel bedeutet nicht nur, dass es insgesamt wärmer wird, sondern dass auch Wetterextreme häufiger werden und sich die Anbau-Zeiten verschieben.
Klimasschutz für Snacks: Diese Schritte müssen eingeleitet werden
Doch was kann man tun, um den Nussanbau klimafreundlich und preislich akzeptabel zu gestalten? Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, mehr Nüsse in Deutschland anzubauen. Dieser Markt ist bisher noch so klein, dass die Erträge statistisch nicht einmal dokumentiert werden, so das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft.
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Bis vor knapp hundert Jahren gab es in Deutschland noch sehr viele Walnussbäume, die jedoch in den Weltkriegen zu Herstellung von Gewehrkolben genutzt wurden. Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft schreibt dazu: „Zwei Extremwinter, 1941/42 und 1955/56, minimierten die Zahl der wärmeliebenden Bäume zusätzlich. In der Folgezeit wurden nur wenige Bäume nachgepflanzt, da sie erst sehr spät volle Erträge liefern und damit nicht in eine Zeit passten, in der die Landwirtschaft vor allem auf Effizienzsteigerung und maximale Produktivität ausgerichtet war.“
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Auch Haselnüsse spielten in den vergangenen Jahrhunderten schlichtweg kaum eine Rolle. Aber: In den vergangenen Jahren ist die Haselnuss-Anbaufläche etwas angewachsen. Die Nachfrage dürfte in den kommenden Jahren weiter steigen, da sich immer mehr Menschen regional und saisonal ernähren und dabei vermehrt auf pflanzliche Produkte setzen. Aspekte, die im Kampf gegen den Klimawandel entscheidend sein dürften.
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Aber: „Sowohl Hasel- als auch Walnuss mögen es grundsätzlich gerne warm. Für Erzeugerinnen und Erzeuger kann der Nussanbau daher durchaus eine lukrative Nische sein. Andererseits gibt es nicht ohne Grund bislang nur wenige Vorreiter, zahlreiche Hürden erschweren den Einstieg in den Nussanbau. (...) Walnussbäume beginnen erst nach fünf bis zehn Jahren zu tragen und hohe Erträge sind sogar erst nach 15 bis 20 Jahren zu erwarten“, so das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft. Hinzu kommen die hohen Kosten für Erntemaschinen.
Nina Schneider: „Es macht Sinn, dass wir in Deutschland mehr Haselnüsse und Walnüsse anbauen als bisher, am besten im Bio-Qualität. Aber auch bei mehr Nussanbau in Deutschland bleibt es bei der Herausforderung für die bestehende Anbaugebiete, auf die klimabedingten Veränderungen zu reagieren.“
Dieser Artikel erschien erstmals im Mai 2025.













