Mehr als drei Millionen Seiten, dazu über 2000 Videos und 180.000 Fotos: Mit deutlicher Verspätung hat das US-Justizministerium einen weiteren gewaltigen Aktenberg im Fall Jeffrey Epstein veröffentlicht, mit Details aus E-Mails, Entwürfen und internen Papieren, die nun erstmals öffentlich einsehbar sind.

Im Zentrum stehen dabei Schriftstücke, die Epstein selbst verfasst haben soll, Korrespondenzen mit bekannten Persönlichkeiten sowie Dokumente aus früheren Ermittlungsphasen, die bislang unter Verschluss waren.

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E-Mail-Entwürfe mit schweren Vorwürfen gegen Bill Gates

Besonders auffällig sind mehrere nie versandte E-Mail-Entwürfe aus dem Jahr 2013, in denen Epstein drastische Behauptungen über Microsoft-Mitgründer Bill Gates aufstellt. Darin schreibt Epstein, er habe Gates geholfen, Drogen zu besorgen, damit dieser die „Folgen von Sex mit russischen Mädchen“ bewältigen könne. In weiteren Passagen ist von Antibiotika, einer Geschlechtskrankheit und der Bitte die Rede, entsprechende Nachrichten zu löschen.

Ob mit „drugs“ tatsächlich Rauschmittel oder Medikamente gemeint waren, ist unklar. Gesichert ist lediglich: Die Aussagen stammen ausschließlich aus Epsteins eigenen Entwürfen und sind nicht belegt. Die Gates-Stiftung reagierte umgehend und sprach von „absolut absurden und vollkommen falschen Behauptungen“ eines „erwiesenen, verbitterten Lügners“.

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Bekannt war bereits, dass Gates und Epstein zeitweise Kontakt hatten, laut Gates im Zusammenhang mit philanthropischen Projekten. Die nun veröffentlichten Entwürfe legen zudem nahe, dass Gates den Kontakt zu Epstein um diese Zeit beenden wollte.

Korrespondenz mit Prinz Andrew: Treffen und Einladungen

Mehrere E-Mails deuten auf eine enge Kommunikation zwischen Epstein und dem damaligen britischen Prinzen Andrew im Jahr 2010 hin, kurz nachdem Epstein seine Haftstrafe wegen Prostitution Minderjähriger verbüßt hatte.

In einem Austausch bietet Epstein Andrew ein Treffen mit einer 26-jährigen Russin in London an. Die Antwort, unterzeichnet mit „A“ und der damaligen Signatur „HRH The Duke of York“, lautet: „Ich wäre entzückt, sie zu sehen.“ Weitere Nachrichten legen nahe, dass Epstein für Andrew Abendessen mit prominenten Gästen organisierte.

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Zudem findet sich der Hinweis, Andrew habe Epstein in den Buckingham-Palast eingeladen. Ob dieses Treffen tatsächlich stattfand, geht aus den Dokumenten nicht hervor. Auch E-Mails, die auf Kontakt zu Andrews Ex-Frau Sarah Ferguson schließen lassen, sind enthalten. König Charles III. hatte seinem Bruder wegen dessen früheren Verbindungen zu Epstein alle königlichen Titel und Ehren aberkannt.

Story from Jam Press (Epstein Files)

Pictured: Andrew Mountbatten-Windsor crouched on all fours over an unidentified woman lying on the floor, in images released as part of the Jeffrey Epstein files.

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Der ehemalige Prinz Andrew Mountbatton-Windsor ist tief verstrickt im im Epstein-Skandal.© IMAGO/Jam Press | IMAGO

Elon Musk und Richard Branson ebenfalls in Mails erwähnt

Ebenfalls neu einsehbar sind Mailwechsel zwischen Epstein und Elon Musk. In einer Nachricht fragt Musk: „An welchem Tag oder Nacht findet die wildeste Party auf deiner Insel statt?“ Der Kontext dieser Nachricht bleibt unklar.

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Der britische Unternehmer Richard Branson taucht ebenfalls auf. In einer Mail fordert er Epstein demnach auf, seinen „Harem“ zum nächsten Treffen mitzubringen. Ob diese Formulierungen scherzhaft, ernst gemeint oder in welchem Zusammenhang sie standen, lässt sich aus den Akten nicht eindeutig ableiten. Keiner der Genannten ist offiziell beschuldigt worden.

Widerspruch bei Angaben des US-Handelsministers

Für innenpolitische Brisanz sorgen E-Mails, die nahelegen, dass der heutige US-Handelsminister Howard Lutnick 2012 ein Treffen auf Epsteins Privatinsel Little Saint James plante – gemeinsam mit seiner Frau. Dies steht im Widerspruch zu früheren Aussagen Lutnicks, er habe den Kontakt zu Epstein bereits Jahre zuvor abgebrochen.

Ein Sprecher des Ministeriums erklärte, Lutnick habe nur begrenzte Kontakte gehabt und sei nie eines Fehlverhaltens beschuldigt worden.

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Neue Details zu Trump und FBI-Hinweisen

In den Dokumenten finden sich außerdem Listen mit anonymen Hinweisen an das FBI, in denen Vorwürfe gegen Donald Trump erhoben werden. Ermittler gingen einigen dieser Hinweise nach und stuften sie teilweise als nicht glaubhaft ein. Das Justizministerium selbst spricht von „unwahren und sensationsheischenden Behauptungen“ über den Präsidenten.

Zugleich tauchen E-Mails auf, die nahelegen, dass noch Jahre nach dem angeblichen Kontaktabbruch zwischen Trump und Epstein über Besuche in Trumps Anwesen Mar-a-Lago gesprochen wurde. Auch eine Nachricht von Melania Trump an Ghislaine Maxwell aus dem Jahr 2002 ist dokumentiert.

Zu den aufschlussreichsten Dokumenten zählt ein 56-seitiger Entwurf einer Bundesanklage aus dem Jahr 2007 mit 32 Anklagepunkten wegen Sexualdelikten an mehr als einem Dutzend Minderjähriger. Das Papier zeigt, wie detailliert Bundesermittler Epsteins Vorgehen bereits damals dokumentiert hatten.

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Der Entwurf wurde nie eingereicht. Stattdessen kam es 2008 zu dem umstritten milden Deal auf Ebene des Bundesstaats Florida, in dessen Folge Epstein lediglich rund 13 Monate Haft verbüßte.

Viel Material, viele Namen – aber wenig Gewissheit

Die Freigabe der Akten erfolgte Wochen nach Ablauf einer gesetzlichen Frist. Das Justizministerium begründet dies mit dem enormen Aufwand zum Schutz der Opferidentitäten. Zahlreiche Passagen sind geschwärzt, auch pornografisches Material wurde unkenntlich gemacht. Prominente Namen hingegen seien bewusst nicht geschwärzt worden.

Die neuen Akten geben vor allem Einblick in Epsteins eigene Darstellungen, Terminabsprachen und Kontakte. Sie zeigen, wie weit sein Netzwerk reichte. Gleichzeitig machen sie deutlich, wie schwierig es ist, aus Entwürfen, Mails und Notizen belastbare Schlüsse zu ziehen.

Die bloße Erwähnung in den Dokumenten ist kein Beleg für Fehlverhalten. Verifizieren lassen sich viele der enthaltenen Behauptungen nicht.

Mehr zum Fall Epstein

Jeffrey Epstein steht unter Verdacht, tausende Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente vermittelt zu haben. Er war erstmals 2008 wegen der Inanspruchnahme minderjähriger Prostituierter verurteilt worden und kam nach einem umstrittenen Deal vergleichsweise glimpflich davon. 2019 wurde er erneut festgenommen, diesmal unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen. Wenige Wochen später wurde er tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden. Offiziell gilt sein Tod als Suizid.

lth/dpa/AFP