Der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert (77) würde nicht mit der aktuellen Amtsinhaberin Julia Klöckner (52) tauschen wollen: „Es ist eine extrem undankbare Aufgabe“, sagte Lammert mit Blick auf die starke Präsenz der AfD-Fraktion im Parlament. Es gehe darum, auch in einer solchen Lage nicht nur die geschriebenen Regeln des Parlaments aufrechtzuerhalten und durchzusetzen, sondern auch ungeschriebene Regeln und Gewohnheiten, die sich aus guten Gründen entwickelt hätten. „Also ich möchte mit ihr ganz gewiss nicht tauschen“, so der CDU-Politiker im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ dieser Redaktion. Ihm habe diese Erfahrung „ganz gewiss nicht gefehlt“. Er käme auch nicht auf die Idee, zu sagen, „ich würde damit anders und schon gar besser umgehen als die gegenwärtige Amtsinhaberin“.
 
Er sei für Klöckner allerdings einer der ersten Gesprächspartner nach ihrer Wahl zur Bundestagspräsidentin gewesen, „weil sie ein Interesse daran hatte, in einem für sie völlig neuen Amt Erfahrungen mit einzusammeln“. Klöckner erfülle heute die Aufgabe „besser als das vielleicht manche erwartet oder befürchtet haben“.

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#29 Norbert Lammert über die AfD, Julia Klöckner und Herbert Grönemeyer
Meine schwerste Entscheidung
 

Im Streit um die Regenbogenflagge hätte Lammert genauso entschieden wie Klöckner

Der CDU-Politiker stellte sich zudem mit Blick auf die umstrittene Entscheidung zur Regenbogenflagge hinter Klöckner: „Ich habe diese Entscheidung verstanden, ich halte sie auch für richtig.“ Ihm habe sich nie erschlossen, dass diese Fahne zusätzlich zum Gedenktag gegen Diskriminierung von Minderheiten auch an einem der zahlreichen Christopher Street Days auf dem Reichstag wehen solle. „Zumal es in diesem Land tatsächlich auch andere Anliegen gibt, die Aufmerksamkeit verdienen und bei denen kein Mensch auf die Idee kommt, dass das durch Hissen von Fahnen gefälligst verdeutlicht werden müsse.“

Lammert war von 2005 bis 2017 Bundestagspräsident. Später wurde er Vorsitzender der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Vor wenigen Wochen erklärte der heute 77-Jährige, nicht noch einmal zur Wahl für den Stiftungsvorsitz anzutreten. Lammert gilt als einer der besten Redner des Landes, die Zusammenschnitte sind bis heute YouTube-Hits. Viele sahen in ihm schon den nächsten Bundespräsidenten, doch er lehnte ab.

Alle Folgen auf einen Blick

Abschied von der Politik: Lammert will sich auch in Zukunft weiter zu Wort melden

Im Podcast erzählt Lammert, welches Erlebnis ihn schon als junger Abgeordneter mit Angela Merkel zusammenschweißte und warum er ein besonderes Verhältnis zu Friedrich Merz hat. Und natürlich geht es auch um Bochum, Lammerts Heimatstadt: Wie viel Ruhrpott steckt in ihm, was fühlt er, wenn er Herbert Grönemeyers Revierhymne hört und was hat der strenge Sprachliebhaber Lammert gesagt, wenn er als Teenager etwas richtig super fand?   

Lammert berichtet aber auch über Abschied aus dem aktiven politischen Berufsleben. Es spreche viel dafür, „den Zeitpunkt selbst zu entscheiden, den man für den richtigen hält, bevor andere auf diesen naheliegenden Einfall kommen“. Das bedeute aber nicht, dass er sich jetzt komplett auf die heimische Couch zurückziehe „und nur noch Fußballspiele begucke und folgenlos von der eigenen virtuellen Tribüne aus kommentiere“. Es werde aber ganz sicher kein neues weiteres Amt geben, sagt Lammert, aber dass er sich weiter hier und da zu Wort melde, „das dürfen die einen hoffen und müssen die anderen befürchten“.

Den Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ können Sie hier hören und auf allen gängigen Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Podcast und Amazon Music. Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Donnerstag.