Linken-Chef Jan van Aken hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor „Macho-Gehabe“ in möglichen Gesprächen mit der Linken-Fraktionsvorsitzenden Heidi Reichinnek gewarnt. Merz habe „eine Tendenz zum Macho“, und darauf reagiere Reichinnek „genauso allergisch“ wie er selbst, sagte van Aken im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ dieser Redaktion. Als Merz direkt nach Amtsantritt nach Kiew reiste und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin mit neuen Sanktionen drohte, habe er gedacht: „Du machst ja so eine dicke Hose, du hast überhaupt nichts in der Hinterhand“, so van Aken. „So einen Fehler machst du nur, wenn du im Grunde deines Herzens auch ein Macho bist. Weil du rummackern musst.“
Für eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag – etwa für die Wahl von Verfassungsrichtern oder eine Reform der Schuldenbremse – braucht die schwarz-rote Koalition auch die Stimmen von Linkspartei oder AfD. Merz lehnt Gespräche mit beiden Parteien bisher ab.

Als seine schwerste Entscheidung bezeichnete van Aken in dem Podcast das Nein zu deutschen Waffenlieferungen an die kurdischen Peschmerga-Kämpfer im Nordirak 2014. Die Entscheidung, zehn Jahre später für den Parteivorsitz der Linken zu kandidieren, fiel ihm nach eigenem Bekunden aber ebenfalls „ganz schwer“. Für die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tel Aviv zu arbeiten, sei damals der Traumjob seines Lebens gewesen – weil er zu Fragen der Abrüstung und der Beendigung von Kriegen habe in Ruhe forschen können. „Also ich hatte wirklich einen super Job, der war auch so saugut bezahlt.“
„Das würde dieses Land dauerhaft zum Schlechten verändern“
Van Aken begründete seine Kandidatur mit der Furcht vor einer Regierung mit AfD-Beteiligung: „Wir alle sehen ja diesen Rechtsruck, irgendwie immer mehr Stimmen für die Faschisten. Also hier droht in nicht allzu ferner Zukunft eine Regierung aus Konservativen und AfD. Und da hab ich richtig Sorgen, weil das würde dieses Land dauerhaft zum Schlechten verändern.“ Eine Koalition aus CDU und AfD „wird in den nächsten drei Jahren passieren, befürchte ich“, sagte van Aken voraus. „Vielleicht in einem Land, gucken wir auf Sachsen-Anhalt nächstes Jahr.“
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Besondere Zweifel hegt der Linken-Chef am Fraktionsvorsitzenden der Union, Jens Spahn (CDU). „In der CDU haben die Anständigen immer noch eine Mehrheit, aber wir wissen, dass es in vielen CDU-Landesverbänden sehr starke Gruppen gibt, die eher dafür sind. Und ich meine, gucken Sie Jens Spahn an. Das ist kein Zufall, was Jens Spahn macht“, sagte van Aken mit Blick auf dessen umstrittene Äußerungen. „Das ist auch nicht nur Dummheit, sondern der hat, glaube ich, auch den Plan, das als Option offenzuhalten, auch im Bund. Und das macht mir Sorgen.“
In dem Podcast sprach van Aken auch über seine Zusammenarbeit mit Reichinnek und zeigte sich beeindruckt von ihrem Sprechtempo. „Die trägt das Herz auf der Zunge. Die redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, und ist da total authentisch“, sagte er. „Und dann kann sie einfach unfassbar schnell reden, ohne sich zu verhaspeln. Und das ist natürlich in der Tiktok-Welt von wahnsinnigem Vorteil.“
Den Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ können Sie hier hören und auf allen gängigen Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Podcast und Amazon Music. Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Donnerstag


