Keine guten Nachrichten aus dem Süden Deutschlands: Im größten See der Bundesrepublik, dem Bodensee, ist aktuell so wenig Wasser wie zuletzt vor 15 Jahren. 315 Zentimeter misst der Pegel in Konstanz aktuell (28. Mai, 14.55 Uhr) laut eines österreichischen Portals – zwar drei Zentimeter mehr als am Vortag, zugleich aber auch 73 Zentimeter unter dem langjährigen Mittelwert. Laut Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg der dortigen Landesanstalt für Umwelt (LUBW) ist auch kein Anstieg in Sicht, wenn es innerhalb der nächsten zehn Tage nicht regnen sollte.
Niedrigwasser hat Vor- und Nachteile für Wasservögel
Wie der SWR berichtet, hat der niedrige Wasserstand diverse Auswirkungen. Wasservögel wie Blässhühner oder Haubentaucher hätten aufgrund des Niedrigwassers Schwierigkeiten, weil ihre Brutstätten nun häufig trocken lägen. Das könnte dazu führen, dass die Tiere mit der Paarung abwarten und sie so möglicherweise nur ein- statt zweimal in diesem Jahr brüten. Die LUBW gibt aber Entwarnung: Eine Gefahr für das Ökosystem bestehe aktuell nicht, Pflanzen und Tiere seien „an natürliche Schwankungen des Wasserstandes angepasst“.
- BND: Klimawandel eines der größten Sicherheitsrisiken für Deutschland
- Google Earth: Diese Funktion zeigt die Klimakrise im Zeitraffer
- Studie: Golfstrom könnte früher als gedacht kollabieren
- Interaktiv: Ist das Wetter noch normal? Der tägliche Klima-Check
- Interaktiver Klima-Globus: Wo unsere Erde unbewohnbar wird
Manche Vogelarten wie Schwäne oder Stockenten würden dagegen von dem Niedrigwasser profitieren. Wie Lisa Maier von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Bodensee gegenüber dem SWR erläuterte, bedeute das Niedrigwasser für sie, dass ihre Nester nicht überschwemmt werden, was in der Vergangenheit keine Seltenheit gewesen sei.
Auch Schifffahrt vom Wasserstand beeinträchtigt
Dass der Bodensee weniger Wasser hält als üblich, ist auch mit bloßem Auge zu sehen: Stege liegen trocken, das Ufer ist nach hinten gerückt. Einige Schifffahrts- und Bootsunternehmen hätten bereits ihren Verkehr einschränken müssen, berichtet der SWR, und zitiert zudem eine Besucherin des Sees, die erzählt, sie hätte „bis zu 50 Meter weit laufen müssen, um wenigstens bis zum Bauchnabel im Wasser zu stehen“.
Lesen Sie auch
Doch warum ist der Pegel so niedrig? Üblich ist das zu dieser Jahreszeit eigentlich nicht, vielmehr steige der Wasserstand im Frühjahr normalerweise an. Da es in diesem Jahr aber weniger Schnee und bislang auch weniger Regen gegeben habe, sei dementsprechend auch der Wasserstand niedriger, erläutert eine Sprecherin der LUBW.
Der Klimawandel spielt hier laut LUBW eine ausschlaggebende Rolle, berichtet der SWR. „Langfristige Beobachtungen zeigen, dass sich veränderte Niederschlagsmuster und steigende Temperaturen auch auf den Bodensee auswirken können“, so eine LUBW-Sprecherin. Wichtig sei jetzt, dass in den kommenden Wochen genügend Regen falle. Andernfalls könnte bald der niedrigste Wasserstand zu dieser Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1964 gemessen werden.





