• Sarah Engels wird beim ESC heute Abend als Zweite auftreten
  • Unter ESC-Fans gilt Startplatz zwei allerdings als „verflucht“
  • Was ist dran am Aberglauben?

Es gibt beim Eurovision Song Contest Mythen, die sich hartnäckiger halten als manche Siegersongs in den Charts. Einer davon betrifft den zweiten Auftritt des Finalabends. Wer als Zweiter singt, so der Aberglaube vieler Fans, hat praktisch schon verloren. Bekannt ist dieses Phänomen als „Curse of Number Two“ oder „Fluch der Startnummer zwei“. 2026 trifft es ausgerechnet Sarah Engels, sie wird als Zweite auftreten.

ESC-Finale: Warum Startplatz zwei als besonders schwierig gilt

Aber ist Startplatz zwei wirklich „verflucht“? Die Antwort beginnt mit einer erstaunlich klaren Zahl: Bis heute hat noch kein Land den ESC gewonnen, wenn es im Finale als Zweites auftrat. Beiträge auf Startplatz zwei landeten im Laufe der ESC-Geschichte mehrfach weit hinten, neunmal sogar auf dem letzten Platz. Drei dieser Auftritte endeten mit den besonders gefürchteten null Punkten.

Kein Wunder also, dass der zweite Startplatz unter Fans bis heute als „death slot“ gilt – als besonders undankbarer Platz im Ablauf der Show. Dramaturgisch hat diese Position tatsächlich Nachteile. Das Finale ist lang, oft treten mehr als 25 Länder an. Wer sehr früh singt, muss beim Publikum sofort hängen bleiben. Zugleich ist der Abend gerade erst in Gang gekommen, Favoriten werden häufig später platziert, und bis zur Abstimmung ist der frühe Auftritt längst von vielen anderen Eindrücken überlagert.

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Eurovision 2025: Luxemburg liefert das jüngste Beispiel

Auch der ESC-Jahrgang 2025 hat den Mythos nicht gerade entkräftet. Im Finale 2025 in Basel trat Luxemburg mit Laura Thorn und dem Lied „La poupée monte le son“ auf Startplatz zwei auf. Am Ende erreichte Laura Thorn Platz 22 von 26 Finalteilnehmern und kam auf 47 Punkte. Wobei festgehatlen werden muss: Für viel mehr hätte es wohl auch bei einem anderen Startplatz nicht gereicht. Gewonnen hat stattdessen Österreich mit JJ und „Wasted Love“.

ESC-Mythos Startnummer zwei: Nicht jeder frühe Auftritt scheitert

Trotzdem wäre es zu einfach, daraus eine eiserne Regel zu machen. Denn es gab durchaus Acts, die von Startplatz zwei stark abschnitten. Großbritannien erreichte 1965 von dieser Position aus Platz zwei, wie die ESC-Statistikseite Eurovisionworld in der Ergebnisübersicht des Jahrgangs zeigt. 1997 und 2002 landeten Acts von Startplatz zwei auf Rang drei.

Besonders aktuell ist das Beispiel von 2024: In Malmö traten alyona alyona und Jerry Heil für die Ukraine im Finale an zweiter Stelle auf; am Ende wurde „Teresa & Maria“ mit 453 Punkten Dritter. Das zeigt: Wer als Zweiter startet, kann sehr wohl auffallen. Nur gewonnen hat von dort eben noch niemand.

ESC-Halbfinale: Gilt der Fluch auch vor dem Finale?

Streng genommen bezieht sich der klassische Mythos vor allem auf das Finale. Doch auch in den Halbfinals gilt Startnummer zwei als undankbar. Dort geht es zwar nicht um den Gesamtsieg, wohl aber um die Qualifikation für das Finale. Gerade deshalb ist der frühe Startplatz heikel: Wer als Zweiter auftritt, muss nicht gewinnen – aber unter die besten zehn kommen.

Dass das von dieser Position aus offenbar besonders schwer ist, zeigt eine Auswertung der australischen ESC-Analyseplattform Aussievision. Sie hat die Halbfinal-Startreihenfolgen seit 2013 untersucht. Demnach hatte Startplatz zwei die niedrigste Qualifikationsquote: Nur 7 von 24 Acts kamen von dort weiter, also 29,2 Prozent. 2022 etwa scheiterte Lettland im ersten Halbfinale von Startplatz zwei; Israel verpasste im zweiten Halbfinale ebenfalls den Einzug ins Finale. Auch 2014 traf es Israel von dieser Position aus.

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Es gibt allerdings auch Gegenbeispiele. 2012 gelang sowohl Island im ersten Halbfinale als auch Nordmazedonien im zweiten Halbfinale von Startplatz zwei der Einzug ins Finale. Ganz aussichtslos ist Startnummer zwei also nicht – weder im Finale noch im Halbfinale.

Trotzdem bleibt der „Fluch der Startnummer zwei“ einer der hartnäckigsten ESC-Mythen, vermutlich, weil er zwei Dinge verbindet, die den Wettbewerb ausmachen: Statistik und Gefühl. Die Statistik sagt: Von Startplatz zwei hat im Finale noch niemand gewonnen. Das Gefühl sagt: Ein früher Auftritt wird leichter überlagert, wenn danach noch zwei Dutzend andere kommen. Hoffen wir, dass Sarah Engels das beste daraus macht.