Der erste Bagger rollt. Nach Jahren des Wartens, nach gescheiterten Ausschreibungen und verschobenen Terminen passiert es endlich: Der Werth wird neu gemacht. „Nach vielen Jahren des Wartens bekommt der Werth eine komplett neue Oberfläche“, sagt Mathias Wewer von der ISG Barmen und kann seine Erleichterung kaum verbergen. „Der Flickenteppich, der seit vielen Jahren vorherrscht, hat ein Ende.“
Flickenteppich – das ist das, was Passanten am Werth täglich unter den Füßen haben. „50.000 Mal“ sei der Werth geflickt worden, sagt Thomas Helbig, Geschäftsführer der ISG Barmen. Natürlich übertreibt er. Die Zahl symbolisiert aber, wie dringend notwendig die „Werthsteigerung“ – wie die Umgestaltung des Werths genannt wird – ist.

Der Werth in Barmen wird zum Kulturteppich – zum was?
Jetzt soll alles anders werden. 9.100 Quadratmeter werden für 7,3 Millionen Euro neu gestaltet – gefördert zu 20 Prozent mit öffentlichen Mitteln. Der Werth wird zum Kulturteppich: Der Begriff verbindet Wuppertals Vergangenheit als Textilstandort mit dem Umbau. Die Pflasterung aus Betonstein soll wie ein Teppich daherkommen. Außerdem bekommt der Werth eine innovative Beleuchtung und ein Soundsystem in der Straße.
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Die Idee dahinter:
- Die Beleuchtung soll wechselnde Stimmungen und unterschiedliche Funktionalitäten bieten. „Eine super Ergänzung zum schon vorhandenen Lichtkonzept mit den Kugeln“, sagt Wewer.
- Das Soundsystem soll eine Atmosphäre schaffen, die Bekanntes und Überraschendes miteinander verbindet. Die Klanginstallation bleibt dynamisch und reagiert auf die Umgebung und die Besucher. Wewer: „Das heißt, auch im Winter geht man hier lang und hört Weihnachtsmusik in der Weihnachtszeit.“
Die Technik: „Das sind sogenannte Gobo-Leuchten und in den Leucht-Stelen sind Lautsprecher drin“, erklärt Wewer, der auch Händler am Werth ist. Er betreibt den Juwelier Baeumer. Ein Gobo ist übrigens eine Maske, die in einen Scheinwerfer oder Projektor eingesetzt wird. Sie projiziert dann ein bestimmtes Muster oder Bild auf den „Kulturteppich“.

Der große Oberbergriff, unter dem sich diese ganzen Maßnahmen versammeln, ist „Urbanes Theater“. Der Werth soll ein Ort sein, „wo Menschen nicht nur von A nach B hetzen“, wie Paul-Gerhard Sinn vom Café Prio in der Barmer Innenstadt erklärt. Die Fußgängerzone als Bühne, die Stadt als Schauspiel.
Martin Vöcks, Projektleiter bei BarmenUrban, dem Büro für Innenstadtentwicklung, erklärt den Begriff „Urbanes Theater“:
- „Das Konzept des „Urbanen Theaters“ bezieht sich auf die Umgestaltung öffentlicher Räume zu dynamischen, kulturellen Erlebnisorten, bei denen der urbane Raum selbst zur Bühne wird. Besonders im Rahmen des der Umgestaltung zugrundeliegenden Konzepts „KulturTeppich Barmen“ wird dieser Begriff lebendig, da hier die Fußgängerzone Werth samt den Plätzen zu einem Ort entwickelt wurde, der verschiedene Kunst- und Kulturformate wie Aufführungen, Ausstellungen und gemeinschaftliche Veranstaltungen ermöglicht.“
Kunst soll die Barmer Innenstadt nicht nur funktional, sondern auch „ästhetisch und emotional aufwerten“. So wird laut Vöcks ein „Ort der Begegnung und kulturellen Vielfalt“ geschaffen.

„Werthsteigerung“ in Barmen – mehr als nur ein Wortwitz
Das alles fassen die Macher unter noch so einer Wortneuschöpfung zusammen: „Werthsteigerung“. „Das ist eigentlich ein geniales Wort“, schwärmt Wewer. „Wir steigern das Erscheinungsbild, den Wert des Werthes sozusagen.“
Doch hinter all diesen Begriffen steckt bittere Notwendigkeit. Die Probleme in Barmen sind die gleichen wie überall:
- Der reine Einzelhandel funktioniert nicht mehr,
- das Internet frisst die Kundschaft weg,
- die Innenstädte bluten aus.
Die Lösung: „Nutzungs-Mixe“, sagt Wewer. Übersetzt: Nur Gastronomie und Geschäfte alleine funktionieren nicht mehr, es braucht weitere Anziehungspunkte, eben wie die Kultur.

„Hardware“ allein macht noch kein Leben in der Barmer Innenstadt
Wuppertals Baudezernent Gunnar Ohrndorf ist ehrlich: „Wir können nur die Hardware liefern.“ Die Software – sprich: das Leben in der Straße – müssen andere beisteuern. „Letztendlich müssen die Bevölkerung, die Gastronomen und die angrenzenden Geschäftstreibende die Fläche wieder für sich entdecken.“
Das ist der Knackpunkt: Schöne Steine und blinkende Lichter allein machen noch keine lebendige Innenstadt. Wenn die Menschen keinen Grund haben zu kommen, hilft auch der teuerste „Kulturteppich“ nichts.
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Bis Mitte September 2026 soll alles fertig sein. Danach wird sich zeigen, ob aus dem Flickenteppich wirklich ein „Urbanes Theater“ wird – oder nur ein sehr teuer sanierter Gehweg mit Bluetooth-Lautsprechern.
Die Barmer jedenfalls sind vorsichtig optimistisch. „Wir sind wirklich sehr, sehr froh, dass wir das jetzt noch hinbekommen“, sagt Wewer. Das „noch“ verrät vielleicht mehr über die Stimmung, als alle Marketing-Begriffe zusammen.
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