Am 28. September hat Wuppertal gewählt. Miriam Scherff (SPD) folgt auf Uwe Schneidewind (Bündnis 90 / Die Grünen) als Wuppertals Oberbürgermeisterin. Wir werfen einen Blick auf alle Wuppertaler Oberbürgermeister nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes 1945. Seitdem prägten 15 Persönlichkeiten das Amt, von Sozialdemokraten über Christdemokraten bis hin zum ersten grünen Stadtoberhaupt – darunter mit Johannes Rau auch ein späterer Bundespräsident.
Wuppertals Oberbürgermeister seit dem Zweiten Weltkrieg auf einen Blick
- Eugen Thomas (1945)
- Hans Bremme (1945–1946)
- Eugen Richter (FDP) (1946)
- Robert Daum (SPD) (1946–1948 und 1949–1951)
- Otto Schmidt (CDU) (1948–1949)
- Heinrich Schmeißing (CDU) (1951–1956)
- Hermann Herberts (SPD) (1956–1961 und 1964–1969)
- Heinz Frowein (CDU) (1961–1964)
- Johannes Rau (SPD) (1969–1970)
- Gottfried Gurland (SPD) (1970–1984)
- Ursula Kraus (SPD) (1984–1996)
- Hans Kremendahl (SPD) (1996–2004)
- Peter Jung (CDU) (2004–2015)
- Andreas Mucke (SPD) (2015–2020)
- Uwe Schneidewind (B90/Grüne) (2020–2025)
- Miriam Scherff (SPD) (seit 2025)
Lesen Sie auch
Eugen Thomas (1945, parteilos)
Den Neuanfang nach dem Krieg musste Eugen Thomas bewältigen. Der von den Alliierten eingesetzte parteilose Oberbürgermeister stand vor den Trümmern einer zerstörten Stadt. Thomas, geboren 1895, war Unternehmer. Zwischen dem 4. Mai und dem 9. November 1945 war er Oberbürgermeister von Wuppertal.
Hans Bremme (1945–1946, parteilos)
Hans Bremme übernahm noch 1945 von Thomas. Der 1898 geborene Jurist und Verwaltungsbeamte war nur zwei Monate im Amt. Bereits am 16. Januar 1946 wählte ihn die Stadtvertretung zum Oberstadtdirektor. Dieses Amt hatte Bremme bis 1958 inne. Für seine Verdienste erhielt Bremme das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. Seit 2006 ist in Wuppertal eine Straße nach ihm benannt.
Eugen Richter (1946, FDP)
Der Freie Demokrat Eugen Richter hatte ebenfalls nur eine kurze Episode an der Stadtspitze. Nachdem ihn die Alliierten am 16. Januar 1946 zum Oberbürgermeister der Stadt ernannten, blieb er nur bis zum 30. Oktober desselben Jahres im Amt.
Keine Wahlen direkt nach dem Krieg
Nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur ernannten die Alliierten den Oberbürgermeister der Stadt. Eugen Thomas, Hans Bremme und Eugen Richter kamen so ins Amt. Erster freigewählter Oberbürgermeister von Wuppertal war Robert Daum.
Robert Daum (1946–1948 und 1949–1951, SPD)
Robert Daum prägte als erster gewählter Nachkriegs-Oberbürgermeister die Stadt in zwei Amtszeiten. Der 1889 geborene SPD-Politiker trieb die Enttrümmerung voran und legte wichtige Grundlagen für den späteren Wiederaufbau.
Seine Amtszeit war geprägt vom Hungerwinter zwischen 1946 und 1947. Zudem trieb Daum den Ausbau der B7 voran. Heute erinnert der Robert-Daum-Platz in Elberfeld an den Sozialdemokraten, der zwischen 1953 und 1957 Mitglied des Deutschen Bundestages war.
Lesen Sie auch
Otto Schmidt (1948–1949, CDU)
Otto Schmidt prägte als CDU-Politiker das Nachkriegs-Wuppertal, als er 1948 zum Oberbürgermeister gewählt wurde. Der 1902 in Köln geborene Jurist und Verleger führte die Stadt in einer entscheidenden Phase des Wiederaufbaus, bevor er 1950 als Wiederaufbauminister ins nordrhein-westfälische Kabinett wechselte. Später übernahm er auch das Arbeits- und Sozialministerium. Von 1957 bis 1972 vertrat Schmidt die Stadt im Deutschen Bundestag.

Heinrich Schmeißing (1951–1956, CDU)
Heinrich Schmeißing lenkte als CDU-Politiker von 1951 bis 1956 die Geschicke Wuppertals als Oberbürgermeister. Der 1905 in Schwelm geborene Diplom-Volkswirt setzte in seiner Amtszeit wichtige Akzente: Er vermittelte erfolgreich die Fusion von SSV 04 Wuppertal und TSG Vohwinkel 80 zum Wuppertaler SV und legte mit der Gründung des Zoo-Vereins den Grundstein für die bis heute bestehende Unterstützung des Wuppertaler Zoos.
Anschließend wirkte Schmeißing als Stadtkämmerer und Stadtdirektor, ehe er 1970 in den Ruhestand ging. Für sein Wirken erhielt er 1969 den Ehrenring der Stadt Wuppertal.

Hermann Herberts (1956–1961 und 1964–1969, SPD)
Hermann Herberts führte Wuppertal in zwei Amtszeiten als Oberbürgermeister zwischen 1956 und 1961 sowie von 1964 bis 1969. Der 1900 in Cronenberg geborene SPD-Politiker war zuvor Journalist und Gewerkschafter, ehe er nach dem Krieg in die Kommunalpolitik einstieg.
Neben seiner Tätigkeit im Stadtrat gehörte er ab 1964 auch dem Deutschen Bundestag an, wo er den Wahlkreis Wuppertal I vertrat. Für sein Wirken erhielt er 1969 den Ehrenring und 1980 die Ehrenbürgerwürde der Stadt, die zudem eine Grundschule nach ihm benannte.
Lesen Sie auch

Heinz Frowein (1961–1964, CDU)
Heinz Frowein stand von 1961 bis 1964 an der Spitze Wuppertals als Oberbürgermeister und war anschließend bis 1973 Bürgermeister. Der 1905 in Elberfeld geborene CDU-Politiker und Jurist engagierte sich besonders für die Gründung der Wuppertaler Universität, die 1970 Wirklichkeit wurde. Zudem initiierte er die „Aktion Museumspfennig“, die den Neubau des Von der Heydt-Museums anstieß.
Für sein Wirken erhielt Frowein zahlreiche Ehrungen, darunter 1970 den Ehrenring der Stadt und das Große Verdienstkreuz, später auch das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland.

Johannes Rau (1969–1970, SPD)
Johannes Rau war von 1969 bis 1970 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt Wuppertal, bevor er in Nordrhein-Westfalen Wissenschaftsminister und später fast 20 Jahre Ministerpräsident wurde. Der SPD-Politiker prägte die Hochschulpolitik des Landes maßgeblich und gilt als Vater der Bergischen Universität.
Bundesweit bekannt wurde er als SPD-Kanzlerkandidat 1987 und schließlich als Bundespräsident von 1999 bis 2004. Mit seinem Motto „Versöhnen statt spalten“ verstand er sich als moralische Instanz, blieb aber zugleich ein streitbarer Politiker, der wie kaum ein anderer Wuppertals Geschichte mitprägte.
Gottfried Gurland (1970–1984, SPD)
Gottfried Gurland stand von 1970 bis 1984 an der Spitze Wuppertals und war damit der dienstälteste Oberbürgermeister der Stadt. Der 1918 im heutigen Lettland geborene SPD-Politiker, Sohn eines im Nationalsozialismus verfolgten Pastors, hatte sich zunächst der Gesamtdeutschen Volkspartei angeschlossen, bevor er in die SPD eintrat. Parallel zu seinem kommunalpolitischen Wirken arbeitete er als Geschäftsführer der Kirchlichen Hochschule.
Für seine Verdienste erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik und die Ehrenbürgerwürde Wuppertals, die heute auch eine nach ihm benannte Straße in Barmen wachhält.

Ursula Kraus (1984–1996, SPD)
Ursula Kraus schrieb Stadtgeschichte, als sie 1984 zur ersten Oberbürgermeisterin Wuppertals gewählt wurde. Die 1930 im Saarland geborene SPD-Politikerin hatte zuvor als Landtagsabgeordnete gearbeitet und führte die Stadt zwölf Jahre lang, bis 1996.
Während ihrer Amtszeit übernahm sie zahlreiche überregionale Aufgaben, etwa als Vorsitzende des Städtetages Nordrhein-Westfalen. Für ihr soziales Engagement und ihre kommunalpolitischen Verdienste wurde sie vielfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und der Ehrenbürgerwürde Wuppertals. Kraus starb 2021 an ihrem 91. Geburtstag.
Lesen Sie auch
Hans Kremendahl (1996–2004, SPD)
Hans Kremendahl führte Wuppertal von 1996 bis 2004 als Oberbürgermeister. Der 1948 in Cronenberg geborene Politikwissenschaftler hatte zuvor in Berlin eine Karriere als Staatssekretär und SPD-Politiker gemacht, ehe er in seine Heimatstadt zurückkehrte. Seine Amtszeit wurde überschattet von der sogenannten „Kremendahl-Affäre“ um eine hohe Wahlkampfspende, in deren Folge er mehrfach vor Gericht stand, aber letztlich freigesprochen wurde.
Neben der Politik engagierte er sich sozial, etwa als Schirmherr der Wuppertaler Tafel und Vorsitzender der AWO. Kremendahl starb 2015 nach kurzer, schwerer Krankheit in seiner Heimatstadt.

Peter Jung (2004–2015, CDU)
Peter Jung führte die Stadt Wuppertal von 2004 bis 2015 als Oberbürgermeister. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann und einem BWL-Studium war er im Familienunternehmen P. Hermann Jung KG tätig, bevor er in die Politik ging. Jung ist seit 1972 CDU-Mitglied und hatte verschiedene Ämter in der Stadt- und Kreispartei inne, bevor er 2000 Erster Bürgermeister und 2004 Oberbürgermeister wurde.
Er legte Schwerpunkte auf Kultur, Stadtentwicklung, Bildung sowie Wirtschaft und Arbeit. 2015 unterlag er in der Stichwahl seinem SPD-Herausforderer Andreas Mucke und zog sich anschließend aus der Kommunalpolitik zurück. Für sein Engagement wurde er 2010 Ehrenbürger der Bergischen Universität Wuppertal.
Lesen Sie auch
Andreas Mucke (2015–2020, SPD)
Andreas Mucke (SPD) war von 2015 bis 2020 Oberbürgermeister von Wuppertal. Nach einem Studium der Ingenieurwissenschaften mit Schwerpunkt Umweltschutztechnik arbeitete er in Forschung und Vertrieb, unter anderem bei den Wuppertaler Stadtwerken, bevor er 2011 Geschäftsführer der Wuppertaler Quartierentwicklungs GmbH wurde.
Politisch aktiv ist Mucke seit 1982; er war Wuppertaler Juso-Vorsitzender, Mitglied des Stadtrats und Fachsprecher für Sozial-, Jugend- und Umweltpolitik. 2015 gewann er die Oberbürgermeisterwahl gegen Peter Jung (CDU), 2020 verlor er die Stichwahl gegen Uwe Schneidewind (Grüne) und schied nach einer Amtszeit aus. Seit 2021 ist er Geschäftsführer des Projekts Circular Valley.

Uwe Schneidewind (2020 - 2025, Bündnis 90/Die Grünen)
Uwe Schneidewind ist seit 2020 ist er Oberbürgermeister von Wuppertal. Zuvor war der Grünen-Politiker und Wirtschaftswissenschaftler Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie und hatte eine Professur für Innovationsmanagement und Nachhaltigkeit an der Bergischen Universität Wuppertal.
Er ist Mitglied im Club of Rome, engagierte sich in mehreren wissenschaftlichen Beiräten, darunter der Bundesregierung (WBGU), sowie im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, und war Vorsitzender der Kammer für nachhaltige Entwicklung der EKD.
Politisch wurde er 2020 mit Unterstützung von CDU und Grünen zum Oberbürgermeister gewählt. 2024 kündigte er an, bei der Kommunalwahl 2025 nicht erneut anzutreten.

Miriam Scherff (ab November 2025, SPD)
Die Kommunalwahl 2025 hat Miriam Scherff (SPD) gewonnen. Die 36-jährige Politikerin hat in der Stichwahl über 75 Prozent der Stimmen erhalten. Seit 2020 war die Leiterin Leiterin im Bereich Produkt- und Prozessmanagement bei einem IT-Softwarehersteller bereits Bezirksbürgermeisterin in Cronenberg.
„Für mich ist wichtig, dass wir das mit dem Schulbau auf einen guten Weg bringen. Das hat für mich höchste Priorität“, sagt die SPD-Kandidatin über ihre ersten Pläne als Oberbürgermeisterin im Tal.
















