Für BioNTech geht ein Kapitel zu Ende. Nach monatelanger Suche hat der Mainzer Biotech-Konzern keine Käufer für seine Standorte in Marburg, Idar-Oberstein und Tübingen gefunden. Die drei Werke werden deshalb geschlossen, rund 1.800 Beschäftigte sind betroffen.

Ganz überraschend kommt der Schritt nicht. Bereits im Mai hatte BioNTech angekündigt, sein Produktionsnetz zu verkleinern. Als Gründe nannte der Konzern Überkapazitäten, eine geringere Auslastung und wachsenden Kostendruck. Nun wird aus den Plänen Realität.

Der Umbau fällt ausgerechnet in eine Phase des Führungswechsels: Auch die Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci bereiten ihren Abschied aus dem Unternehmen vor.

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BioNTech-Standorte vor dem Aus: Marburg, Idar-Oberstein und Tübingen im Umbruch

Besonders symbolträchtig ist der Rückzug aus Marburg. Dort produziert BioNTech auf dem Gelände der historischen Behringwerke unter anderem mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19. Außerdem wird dort Plasmid-DNA hergestellt, ein wichtiges Ausgangsmaterial für mRNA-Medikamente und Zelltherapien. BioNTech hatte das Werk einst von Novartis übernommen und anschließend erheblich ausgebaut. Nun sind dort rund 540 Arbeitsplätze betroffen.

Auch in Idar-Oberstein steht das Ende bereits fest. Dort arbeiten derzeit rund 440 Menschen. Produziert werden unter anderem Wirkstoffe für frühe klinische Studien, also Medikamente, die sich noch in einer frühen Phase der Erprobung befinden. Hinzu kommen Analytik und Qualitätskontrolle, unter anderem für den gemeinsam mit Pfizer entwickelten Covid-19-Impfstoff. Die Stadt Idar-Oberstein war bereits im Mai über die geplante Schließung informiert worden.

Der Standort Tübingen hat eine andere Vorgeschichte. Dort sitzt CureVac, jener frühere Rivale, mit dem sich BioNTech während der Pandemie ein viel beachtetes Rennen um einen Corona-Impfstoff geliefert hatte. Im Sommer 2025 kündigte BioNTech die milliardenschwere Übernahme des Unternehmens an. Wenig später wurde klar, dass auch dieser Standort nicht dauerhaft erhalten bleiben soll. CureVac-Gründer Ingmar Hoerr warf BioNTech daraufhin vor, sich von der ursprünglichen Idee eines gemeinsamen Unternehmens entfernt zu haben.

BioNTech vor Führungswechsel

BioNTech setzt auf Krebsmedizin und will Hunderte Millionen sparen

Nach Darstellung des Unternehmens scheiterte der Verkauf nicht an fehlenden Bemühungen. BioNTech habe mit internationalen Pharmakonzernen, Mittelständlern und Investoren gesprochen. Geprüft worden seien Käufer aus Bereichen wie mRNA, Antikörpern sowie Zell- und Gentherapie. Zu einem Abschluss kam es bei den drei Standorten dennoch nicht.

Die frei werdenden Mittel sollen nun vor allem in die Krebsmedizin fließen. BioNTech setzt dabei unter anderem auf Immuntherapien auf mRNA-Basis und auf sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Dahinter steckt ein vergleichsweise einfaches Prinzip: Antikörper sollen Krebszellen möglichst gezielt erkennen und einen Wirkstoff direkt dorthin transportieren.

Das alles kostet viel Geld, entsprechend fährt Biontech Verluste ein. Im ersten Halbjahr 2026 verbuchte BioNTech einen Nettoverlust von 1,35 Milliarden Euro, nach 802,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Finanziell unter Druck steht der Konzern deshalb allerdings nicht: Ende Juni verfügte BioNTech über liquide Mittel und Wertpapieranlagen von rund 16,6 Milliarden Euro.

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Trotz dieser Reserven soll der Umbau die Kosten langfristig senken. Nach vollständiger Umsetzung der Maßnahmen rechnet BioNTech ab 2029 mit wiederkehrenden Einsparungen von rund 500 Millionen Euro pro Jahr.

Parallel zum wirtschaftlichen Umbau verändert sich auch die Führung des Unternehmens. Seit vergangener Woche ist bekannt, dass das neue Unternehmen von Uğur Şahin und Özlem Türeci „Arife“ heißen und seinen Hauptsitz ebenfalls in Mainz haben soll. Şahin und Türeci wollen BioNTech dennoch verbunden bleiben und ihre Anteile an dem Unternehmen behalten.

mit dpa