Der Impfstoffhersteller Biontech aus Mainz erlangte während der Corona-Pandemie große Bekanntheit. Die beiden Gründer, das Ehepaar Ugur Sahin und Özlem Türeci, entwickelten den ersten mRNA-Impfstoff gegen Covid‑19. Seitdem ist in dem Unternehmen viel passiert. Erst im Dezember 2025 übernahmen die Mainzer nach langem Rechtsstreit den ehemaligen Konkurrenten Curevac. Die Kosten? In Milliardenhöhe. Im März dieses Jahres verkündeten die Biontech-Gründer schließlich den Rückzug aus ihrem weltweit bekannten Unternehmen. Am (gestrigen) Dienstag (5. Mai) wurden dann Pläne bekannt, dass Biontech mehrere Standorte schließt. Fast 2000 Jobs sollen dadurch in Gefahr sein.

Betroffen von diesen Schließungen sind auch Standorte des übernommenen Konkurrenten Curevac. 830 Beschäftigte wären damit laut dem Unternehmen betroffen. Von dem Gründer und ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Ingmar Hoerr kommt scharfe Kritik. In einem Gespräch mit der dpa wirft er Biontech Täuschung vor.

Curevac-Übernahme: Gründer wirft Biontech Täuschung und Trickserei vor

„Ich finde es total unlauter. Das ist fast schon Trickserei meiner Meinung nach, weil wir alle im guten Glauben gehandelt haben, dass die Übernahme im Sinne von Curevac sei und dadurch ein gemeinsames, starkes Unternehmen wird“, sagt der Biologe. Laut dem Unternehmer sei vereinbart worden, ein gemeinsames Unternehmen zu schaffen, das sich gegenseitig befruchtet. Das sei nun über den Haufen geworfen worden, man sei nachweislich getäuscht worden. „Die Übernahme hätte nie erfolgen dürfen“, sagt Hoer.

Der Curevac-Gründer vermutet hinter diesem Vorgehen, dass Biontech Patentstreitigkeiten umgehen will. „Das könnte Biontechs Strategie von Anfang an gewesen sein“, mutmaßt er. Auch die Pharma- und Biotech-Gewerkschaft IGBCE kritisierte die Pläne als gesellschaftliche Verantwortungslosigkeit und Frontalangriff auf die Beschäftigten. „Im Konzern haben offenbar endgültig die Rechenschieber das Regiment übernommen“, sagte der Leiter des IGBCE-Landesbezirks Rheinland-Pfalz/Saarland, Roland Strasser. „Aus kurzfristigem finanziellen Kalkül streichen sie radikal Produktionskapazitäten zusammen und schaden damit der Resilienz des Pharma- und Biotech-Standorts Deutschland.“ Für die Beschäftigten bei Curevac in Tübingen bedeute die Schließung ihres Standorts einen tiefen Einschnitt.

Biontech schließt auch Marburger Werk – 540 Jobs betroffen
Biontech schließt mehrere Produktionsstandorte, darunter auch das ehemalige Curevac-Werk in Marburg. © Boris Roessler/dpa | Boris Roessler

Biontech reagiert mit Stellenabbau auf Umsatzrückgang und Überkapazitäten

„Curevac war bereits in den vergangenen Jahren durch mehrere Personalabbauprogramme stark gebeutelt“, sagt Catharina Clay, Landesbezirksleiterin der IGBCE in Baden‑Württemberg. Ähnlich wie der einstige Curevac-Gründer findet auch sie: „Der Kauf durch Biontech wirkt vor diesem Hintergrund wie ein Schritt zur Beendigung der Patentstreitigkeiten auf Kosten der Beschäftigten.“

Biontech selbst begründet die Schließungen mit einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten und Kostensenkungen. Schon das Jahr 2025 hatte das Unternehmen mit einem Milliardenverlust abgeschlossen. Auch dieses Jahr rechnet der Mainzer Impfstoffhersteller mit geringeren Umsätzen aus dem Geschäft mit Covid-19-Impfstoffen.

Neben ehemaligen Curevac-Standorten sollen auch Biontech-Produktionsstätten in Idar-Oberstein und Marburg bis Ende 2027 geschlossen werden. Hinzu kommt die Schließung in Singapur, voraussichtlich im ersten Quartal 2027. Geplant sei laut dem Unternehmen ein partieller oder vollständiger Verkauf. Die Einsparungen, die sich dadurch ergeben, sollen für Forschung, Entwicklung und Markteinführung von Medikamenten gegen Krebs eingesetzt werden.

ppe mit dpa