Ausgerechnet in dem Jahr, das nach Einschätzung vieler Winzer einer der besten Prosecco-Jahrgänge seit Jahrzehnten werden sollte, sorgt die extreme Hitzewelle in Italien für Alarm. Trockenheit und Temperaturen von weit über 35 Grad in diesem Juni setzen den Reben zu und wecken Sorgen um die Qualität eines der beliebtesten italienischen Exportweine.
„Noch vor einigen Tagen gingen wir davon aus, dass uns einer der besten Jahrgänge der vergangenen 30 Jahre bevorsteht“, sagte Sandro Bottega, Geschäftsführer des venezianischen Schaumweinproduzenten Bottega, gegenüber italienischen Medien. Ein nahezu ideales Zusammenspiel von Winter und Frühjahr habe beste Voraussetzungen für die Weinlese geschaffen. Die anhaltende Hitzewelle der vergangenen Tage bremse nun jedoch den Reifeprozess der Trauben. „Dadurch besteht die Gefahr, dass sich die charakteristischen Aromen des Prosecco nicht vollständig entwickeln oder sogar beeinträchtigt werden“, beklagt der Winzer.
Bottega hofft nun auf eine Wetteränderung. Die bereits in den kommenden Tagen angekündigten Tiefausläufer könnten mit moderaten Niederschlägen und sinkenden Temperaturen dazu beitragen, für die Reben wieder einen normalen Vegetationsrhythmus zu schaffen.
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Klimawandel bedroht Italiens Weinbau durch Extremwetter
Nicht alle Branchenvertreter teilen jedoch die Sorgen. Riccardo Cotarella, Präsident des italienischen Önologenverbands Assoenologi, warnt vor übertriebenem Alarmismus. Die Weinbranche brauche „keine Kassandra-Rufe“, betont er. Angesichts der Absatzprobleme, drohender Zölle und gesundheitspolitischer Debatten in Brüssel dürfe die Branche sich nicht selbst zusätzlich unter Druck setzen. Nach seiner Einschätzung gebe es derzeit keinen Anlass zur Sorge. Die Trauben seien gesund, und bis zur Weinlese bleibe noch ausreichend Zeit. Sollte es im Juli regnen, könne 2026 sogar zu einem hervorragenden Weinjahr werden.
Unbestritten ist jedoch, dass der Klimawandel den italienischen Weinbau zunehmend unter Druck setzt. Nach Angaben des Bauernverbands CIA – Agricoltori Italiani zählt der Sektor mit rund 670.000 Hektar Rebfläche und einer Jahresproduktion von mehr als 44 Millionen Hektolitern zu den am stärksten vom Extremwetter betroffenen Bereichen der Landwirtschaft. Allein im vergangenen Jahr wurden in Italien fast 380 extreme Wetterereignisse registriert. Sollte die Durchschnittstemperatur dauerhaft um mehr als zwei Grad Celsius steigen, könnten nach Einschätzung des Verbands bis zu 90 Prozent der Weinbauflächen in Küsten- und Tieflagen langfristig ihre Eignung für eine nachhaltige Erzeugung hochwertiger Weine verlieren.
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„Wir müssen den Wandel gestalten, sonst werden wir von ihm überrollt“, warnt CIA-Präsident Cristiano Fini. Er fordert einen besseren Versicherungsschutz gegen Klimarisiken sowie stärkere Investitionen in Innovation und widerstandsfähigere Rebsorten. Hoffnung setzt die Branche auch auf neue genomische Züchtungsmethoden, deren Einsatz das Europäische Parlament kürzlich grundsätzlich gebilligt hat.
Auf den Weinbergen reagieren Winzer und Agronomen bereits mit einer Reihe von Anpassungsmaßnahmen. Weniger intensive Rebschnitte sollen die Pflanzen widerstandsfähiger machen, Schattiernetze die Trauben vor direkter Sonneneinstrahlung schützen und mineralische Tonerde wie Kaolin auf die Trauben gesprüht werden, um Hitzeschäden zu begrenzen.

Hitze bedroht Ernten und Milchproduktion in Italien
Ob der Prosecco-Jahrgang 2026 tatsächlich zu den besten der vergangenen Jahrzehnte gehören wird oder ob die Hitzewelle bleibende Spuren hinterlässt, dürfte sich erst in den kommenden Wochen entscheiden. Viel hängt nun vom Wetter im Juli ab. Fest steht jedoch, dass die Hitzewelle die gesamte italienische Landwirtschaft schwer belastet. Die Preise der Lebensmittelprodukte drohen in die Höhe zu schnellen. Besonders dramatisch ist die Lage im Reisanbau, der stark wasserabhängig ist. In mehreren Regionen Norditaliens sind die Reisfelder bereits ausgetrocknet, die Pflanzen würden infolge der Dürre absterben, beklagen die Bauern. Auch die Viehzucht ist belastet.
Während in den Ställen ein Rückgang der Milchproduktion verzeichnet wird, wächst auch die Sorge vor anhaltender Dürre und damit einhergehender Wasserknappheit. Zum Produktionsrückgang kommen steigende Kosten hinzu, da die Landwirte sich unter anderem der Ventilatoren in den Ställen bedienen müssen, um den Tieren Linderung zu verschaffen. In der Lombardei, wo fast die Hälfte der italienischen Milch produziert wird, führen die hohen Temperaturen zu einem Rückgang in der Milchproduktion von zehn Prozent – mit Spitzen von bis zu 15 Prozent. Das bedeutet, dass täglich etwa 1,8 Millionen Liter weniger Milch produziert werden als üblich.
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Italien: Städte eröffnen „Klimazufluchtsorte“ wegen Hitzewelle
Die Hitzewelle, die Italien in den vergangenen Tagen im Griff hatte, erreichte am Wochenende ihren Höhepunkt. Temperaturen um die 40 Grad wurden in mehreren Teilen des Landes gemeldet. In Norditalien folgten auf die Hitzewelle schwere Unwetter. Angesichts der insbesondere in Süditalien anhaltend hohen Temperaturen bauen zahlreiche Städte ihre Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen aus.
Kostenlose Schwimmbäder, klimatisierte Bibliotheken und Museen sowie öffentliche Gebäude dienen zunehmend als sogenannte Klimazufluchtsorte. In 18 der 27 vom Gesundheitsministerium überwachten Städte galt am Wochenende die höchste Hitzewarnstufe. Ab nächster Woche sollte sich die Lage entspannen.






