In jenem Eiskanal, in dem aktuell die Medaillen bei den Olympischen Winterspielen vergeben werden, erlebte Felix Seibel ein Déjà-vu. Wie vor der Heim-Weltmeisterschaft 2024 verlor der Skeleton-Pilot des BRC Hallenberg im vergangenen November auf der Olympiabahn in Cortina d‘Ampezzo ein Stechen. Nach den Titelkämpfen in Winterberg verpasste er dieses Mal die Weltcup-Qualifikation – und somit auch die Winterspiele in Italien. Aber: Er kennt den Eiskanal – und er weiß, wie Jacqueline Pfeifer oder Hannah Neise zu Gold rasen können.

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Während sich der 28-jährige Seibel bereits die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2030 in Frankreich als nächstes Karriereziel setzte, starten die Pilotinnen der RSG Hochsauerland und des BSC Winterberg an diesem Freitag die Mission Gold in Cortina d‘Ampezzo. Den Weltcupauftakt vor wenigen Monaten beendeten Pfeifer auf Rang eins und Neise auf Platz zwei. Der neu aufgebaute Eiskanal, in dem eine Spitzengeschwindigkeit von etwa 125 km/h erreicht werden kann, scheint ihnen also zu liegen.

Olympia 2026: Jede Kurve erzählt ihre Geschichte

Jede Kurve erzählt im Cortina Sliding Center „Eugenio Monti“ ihre eigene Geschichte: inspiriert von der reichen Kultur der Dolomiten, vom lokalen Dialekt und von der unverwechselbaren Landschaft rund um Cortina d‘Ampezzo. Pfeifer, Olympia-Zweite von 2018, und Neise, Olympiasiegerin von 2022, wird das zwei Tage lang nicht interessieren – und Seibel erklärt, wo es auf welche Fahrweise ankommt.

Malerisch in die Landschaft der Dolomiten eingebettet: Das „Eugenio Monti Sliding Center“, der Eiskanal von Cortina d‘Ampezzo.
Malerisch in die Landschaft der Dolomiten eingebettet: Das „Eugenio Monti Sliding Center“, der Eiskanal von Cortina d‘Ampezzo.© AFP | ODD ANDERSEN

Der Start

Der Start in Cortina hat ein ausgewogenes Profil. Er ist nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz. Er ist nicht zu steil, aber auch nicht zu flach. Sportler, die direkt aus dem Block explosiv beschleunigen können, haben hier einen Vorteil.

Ab Kurve fünf ändert sich das Profil der Bahn hin zu einer Gleiterbahn. Das bedeutet, dass von nun an leichte Lenkbewegungen und gefühlvolles Fahren an Bedeutung gewinnen.

Europa Cup Skeleton, VELTINS EisArena Winterberg am 16. Januar 2026
Felix Seibel, Skeleton-Ass vom BRC Hallenberg

Die erste Schlüsselstelle

Die Überfahrt aus Kurve eins (“Stries“) auf Kurve zwei (“Verzi“) ist bereits eine Schlüsselstelle. Man darf nicht zu viel Höhe in die Ausfahrt aus der Stries bringen, sonst riskiert man eine so genannte Vorbande links vor der Verzi.

Skeleton Training - Milano Cortina 2026 Winter Olympics: Day 4
Fertigmachen zum Start: Jacqueline Pfeifer von der RSG Hochsauerland beim Training.© Getty Images | AL BELLO

Den Schlitten mittig halten

Auf der Überfahrt aus Kurve zwei zur Kurve drei (“Sento“) schaffen es nur wenige Piloten, den Schlitten mittig zu halten. Das ist aber sehr wichtig, um die entscheidendste Stelle der Bahn, K3-K4, optimal zu treffen.

Die entscheidende Stelle

Wenn man die mittige Einfahrt zur Kurve drei erwischt, schafft man es, mit geringerem Aufwand Höhe zu generieren und mit Schwung früher auszufahren. Mit der früheren Ausfahrt erzeugt man wiederum Rechtsdruck, der es ermöglicht, die Kurve vier mittig anzufahren. In dieser, die den Namen „1° C Dei Labirinti trägt“, trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer hier früh, das heißt links, einfährt, muss kämpfen, um nicht auf der Überfahrt zur Kurve fünf querzustehen. Wer mittig einfahrt, kann den Schlitten mit geringerem Aufwand rausknipsen und nimmt ordentlich Fahrt auf.

OLYMPICS - Winter Olympic Games Milano Cortina 2026
Ihr liegt die Bahn: Hannah Neise vom BSC Winterberg bei einer Trainingsfahrt.© imago/GEPA pictures | IMAGO/GEPA pictures/ Matic Klansek

Das Bahnprofil ändert sich

Ab Kurve fünf, „2° C Dei Labirinti“, ändert sich das Profil der Bahn hin zu einer Gleiterbahn. Das bedeutet, dass von nun an leichte Lenkbewegungen und gefühlvolles Fahren an Bedeutung gewinnen.

Rhythmus und Geduld

Kurve sechs und Kurve sieben, genannt Belvedere, haben einen schönen Rhythmus. Man muss vorne Höhe zulassen und leicht auslenken. In Kurve acht (Lago Bandion) und Kurve neun (Lino K2) kann man geduldiger sein mit den Lenkimpulsen, um dann anschließend etwas durchzuatmen auf der Geraden zur „Antelao“ (Kurve zehn).

Die wichtigsten Infos

An diesem Freitag um 16 Uhr startet der erste von vier Läufen im Skeleton der Frauen. Lauf zwei beginnt um 17.48 Uhr. Die Entscheidung fällt in den Läufen drei und vier am Samstag (18 Uhr und 19.35 Uhr). Jacqueline Pfeifer geht mit Startnummer sechs in den ersten Lauf, Hannah Neise mit der Nummer zehn. Während die Führende im dritten Lauf zuerst startet, geht sie im vierten und entscheidenden Lauf als letzte Starterin in die Bahn. Am Freitag überträgt die ARD die olympischen Wettbewerbe, am Samstag das ZDF.

Nachdenken oder Genießen

In der Antelao wird man das erste Mal stärker in den Schlitten gepresst, um anschließend in der sehr langen „Cristallo“ (Kurve elf) viel Zeit zum Nachdenken oder Genießen zu haben – je nachdem. K12/13 sind keine echten Kurven, sondern bezeichnen den leichten Knick in der Schikane.

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Der Endspurt

Tofana, Anpezo und Arrivo bedeuten den Endspurt. Hier wird man ein letztes Mal in den Schlitten gepresst und muss sich nur etwas davor in Acht nehmen, nicht zu weit links zu stehen in der Überfahrt von der Tofana in die Anpezo. Wenn man das schafft, kann man sich zurücklehnen und den Zielschuss genießen.