Normalerweise ist eine Mannschaft, die sang- und klanglos abgestiegen ist, vollauf zufrieden damit, wenn sie in der Folgesaison im Mittelfeld mitschwimmen kann und nicht direkt wieder in den Kampf um den Klassenverbleib verwickelt wird. Die Handballer der SG Ruhrtal finden sich vor dem Derby am Samstag (19.30 Uhr) gegen die DJK Bösperde jedoch auf Platz zwei der Verbandsliga wieder, haben nur einen Zähler Rückstand auf Spitzenreiter Altenbögge/Bönen – und das ohne jeglichen externen Neuzugang und einem durch vier Langzeitverletzte ausgedünnten Kader.
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Wie ist das möglich? Matthias Klute, mittlerweile nicht nur Männerwart, sondern auch Vorsitzender der SGR, bietet eine ebenso einfache wie kurze Erklärung. „Wir haben einen Trainer gefunden, der an den richtigen Stellschrauben gedreht hat und optimal zu unserer Mannschaft passt. Nach der für unseren Verein untypischen turbulenten Phase nach der Trennung vom langjährigen Coach Frank Moormann bin ich äußerst zufrieden, mit der Verpflichtung von Henning Becker eine richtige Entscheidung getroffen zu haben.“ Entsprechend froh ist Klute, verkünden zu können: „Hennings Vertrag wurde verlängert, er hat für eine weitere Saison zugesagt.“
SG Ruhrtal: Becker kann auch nachhaltig arbeiten
Es gab nicht wenige Skeptiker, die diese Entwicklung überrascht. Der in Schwerte wohnhafte, übrigens selbst noch sehr erfolgreich für die Tennis-Herren 50 der TG Westhofen aktive Becker gilt ja aufgrund seiner zahlreichen Trainerstationen, bei denen er nicht selten auch parallel (wie jetzt bei den Damen von Villigst-Ergste) Verantwortung übernahm, steht ja nicht unbedingt für Nachhaltigkeit. Dabei hat Becker durchaus bewiesen, dass er auch längerfristig ein Team führen kann. Bestes Beispiel ist seine erfolgreiche Zeit bei den Damen von Schwerte/Westhofen.
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An welchen Stellschrauben Becker in Oeventrop gedreht hat, lässt sich ganz leicht am Torverhältnis festmachen. Gerade mal 232 Treffer hat die SGR in ihren bislang elf Partien kassiert. Das entspricht einem Schnitt von 21 und hat den Coach („Unter 25 gibt es jeweils eine Kiste von mir“) schon reichlich Getränkespenden gekostet. Genau genommen zehnmal in Folge, denn seit der 20:27-Auftaktniederlage bei ASC Dortmund (Becker: „Da waren wir personell besonders gebeutelt“) hat sein sich blendend verstehendes Torhütergespann Henrik Basler/Janne Malik diese Schallgrenze nicht mehr erreicht.
Für mich war von vorneherein klar, dass eine Leistungssteigerung mit dieser Truppe am ehesten über eine Stabilisierung der Abwehr zu erreichen ist.
Henning Becker, Trainer der Verbandsliga-Handballer der SG Ruhrtal
„Für mich war von vorneherein klar, dass eine Leistungssteigerung mit dieser Truppe am ehesten über eine Stabilisierung der Abwehr zu erreichen ist. Wer hinten kein Tor bekommt, kann sich vorne auch mal einen Fehlwurf erlauben“, bringt Becker seine Philosophie auf einen simplen Nenner.
Helle Stimme als Markenzeichen
Überhaupt versucht er, seine Schützlinge mit einfachen, aber klaren Ansagen zu helfen. Seine extrem helle und durchdringende Stimme ist längst sein Markenzeichen, wobei er durchaus auch bei misslungenen Abschlüssen lobende Worte findet, wenn der Spielzug an sich gut ausgeführt worden war. „Ich habe eine sehr gute Basis vorgefunden, mein Vorgänger Moormann hat hervorragende Arbeit geleistet. Außerdem bin ich im Verein hervorragend aufgenommen worden, sah mich schon in der Vorbereitung in meiner Meinung bestätigt, eine sehr gefestigte und geerdete Mannschaft vorzufinden, die sich untereinander bestens versteht und leicht zu führen ist.“
Frauen-Trainer bleibt auch
Auch bei den Handballerinnen der SG Ruhrtal stehen die Zeichen auf Kontinuität: „Anfang des Monats haben wir nach einer bislang erfolgreichen Saison die Zusammenarbeit mit Siegfried Motzki-Biele als Trainer der ersten Damenmannschaft der SG Ruhrtal vorzeitig verlängert. Alle Seiten sind mit der Zusammenarbeit mehr als zufrieden und sowohl ‚Siggi‘ als auch die Mannschaft freuen sich auf eine weitere gemeinsame Saison“, erklärt Lena Vernholz, Damenwartin SGR.
Der größte Coup des Schwerters war, Eigengewächs Ludwig Schwefer die Rolle des Abwehrchefs anzuvertrauen. Durch ihn wurde das Deckungszentrum kompakter, erwies sich die Umstellung auf eine 6:0-Formation als effektiv. „Im Angriff habe ich nur an wenigen Stellen Ergänzungen vorgenommen, denn die Jungs spielen ja größtenteils schon ganz lange zusammen. Im Vergleich zur Vorsaison kam ja nur Julius Schulte aus der eigenen Reserve hinzu.“
Mit jedem Sieg nahm das Selbstbewusstsein der im Vorjahr so arg gebeutelten Ruhrtaler zu, wozu vor allem die Auswärtserfolge mit geharztem Ball beitrugen. „Im Nachhinein ärgere ich mich, dass wir gegen Altenbögge verloren haben, das war nicht nötig und hat eine sehr intensive Analyse nach sich gezogen. Seitdem haben wir alles gewonnen, geht es nur aufwärts“, konnte Becker feststellen, dass die Umsetzung seiner Anweisungen inzwischen fast perfekt umgesetzt wird.
SG Ruhrtal: Akribische Vorbereitung
So waren es unter anderem seine in kritischen Phasen genommenen Auszeiten, die zum Kantersieg im Verfolgerduell bei Oespel-Kley beigetragen haben. Zur hohen Akzeptanz seiner Anweisungen trug auch die akribische Vorbereitung auf jeden Gegner bei.
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Und so wird Becker sein Team auch gegen den Kreisrivalen aus Bösperde präzise einstellen, wobei Leistungsträger wie der Arnsberger Johannes Dame und der Sunderaner Chris Spielmann ja ohnehin bestens bekannt sind. „Das wird hoffentlich ein Handballfest, wir wollen schließlich die Weihnachtsfeier mit einem weiteren Sieg einläuten“, lautet der Wunsch des Trainers, der explizit die gute Arbeit seines Torwarttrainers Stefan Biggermann und von Physio Marco Hesse hervorhebt.
Der Kassierer wird sich auf jeden Fall freuen, denn da Bösperde mit einem Fanbus anreist, ist die bislang größte Heimkulisse dieser Saison garantiert.



































