Wenn im Februar die Olympischen Winterspiele 2026 in Cortina d‘Ampezzo ausgetragen werden, ist es fast zehn Jahre her, dass René Spies zum Cheftrainer befördert wurde. Der 52-jährige Winterberger ist seit April 2016 verantwortlich für die deutschen Bobs und führte sie nach der historischen Pleite bei den Winterspielen in Sotschi 2014 zurück in die Erfolgsspur. Mehr noch: Unter Spies dominieren die Deutschen das Geschehen im Eiskanal. Bestes Beispiel: Zum Saisonstart gingen die vier Siege auf der Olympiabahn in Cortina an seine Bobs.
Spies nennt ein warnendes Beispiel
Herr Spies, vier Wettbewerbe, vier Siege auf der Olympiabahn – wie erklären Sie, dass Olympia-Gold dennoch keine Selbstverständlichkeit wird?
René Spies: Ich glaube, das haben die Wettkämpfe schon selbst erklärt. Wenn man zum Beispiel im Monobob der Frauen sieht, wie eine Elana Meyers Taylor zweimal eine Sekunde verliert, weiß man: Selbst wenn man nach drei Läufen mit fünf Zehnteln führt, kann man die noch wegschmeißen.
Das gilt auch für den Zweier- und Viererbob?
Dort ist es nicht mehr ganz so schlimm, aber gerade der obere Teil der Bahn bis zur Kurve fünf bleibt herausfordernd. In einem Lauf kann man da alles wegwerfen. Dementsprechend wird niemand den Fokus verlieren während der vier olympischen Rennläufe. Alle werden sehr fokussiert bleiben, weil der Saison-Auftakt gezeigt hat, dass Olympia-Gold keine Selbstverständlichkeit wird. Man muss bis zum Schluss sauber fahren und kämpfen.
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Das Duell Ihrer Top-Piloten Francesco Friedrich und Johannes Lochner setzt sich fort: Steigt die Gefahr im Olympia-Jahr und zum näher rückenden Lochner-Karriereende, dass vielleicht Grenzen im Umgang miteinander überschritten werden? Sind Sie mehr den je als Moderator gefordert?
Franz und Hansi gehen intern relativ normal miteinander um. Wir haben viele Stunden zusammen die Bahn erarbeitet. Das machen wir nicht getrennt, das war wie früher. Natürlich ist durch die vergangenen beiden Jahre ein bisschen Spannung reingekommen, aber das muss in den Grenzen bleiben. Und wenn es nicht in den Grenzen bleibt, dann werde ich dafür sorgen, dass es in den Grenzen bleibt. (schmunzelt) Aber das sind ganz vernünftige Jungs, deshalb weiß ich, dass es ein bisschen härter wird in Richtung Februar – aber sie werden es von alleine im Rahmen halten.

Lochner vor Friedrich
Laura Nolte (BSC Winterberg) gewann den Weltcup-Auftakt in Cortina d‘Ampezzo sowohl im Mono- als auch im Zweierbob. Bei den Männern siegte Johannes Lochner (BC Stuttgart Solitude) im Zweier- und im Viererbob jeweils vor Bob-Legende Francesco Friedrich (BSC Sachsen Oberbärenburg). Die nächsten Weltcuprennen stehen an diesem Samstag und Sonntag (29./30. November) in Innsbruck-Igls an.
„Die umgebaute Bahn in Innsbruck ist für uns herausfordernd im unteren Bahnteil. Aber es funktioniert, auch im Vierer. Ich denke, dass die Passage unten nochmal umgebaut werden muss, weil das nicht stimmig ist und man fast sicher immer einen Schlag bekommt. Wir werden versuchen, dort unbeschadet durchzukommen und eine möglichst gute Performance hinzulegen“, sagte Chef-Bundestrainer René Spies.
Ihrer Pilotin Kim Kalicki, die von Leonie Fiebig vom BSC Winterberg angeschoben wird, drohte offenbar in der Saisonvorbereitung nach einer Lungenentzündung fast das Karriereende. Wie sehen Sie ihren Leistungsstand jetzt?
Kim hatte gesundheitliche Probleme – und sie hat die auch immer noch ein bisschen. Aber ich glaube, dass das Schlimmste überstanden ist und es aufwärts geht. In Richtung der Olympischen Winterspiele hat sie noch genug Zeit, sich athletisch vorzubereiten. Dementsprechend sehe ich ihre Entwicklung positiv.
Wir haben das Ambiente der Dolomiten – ein einzigartiges Naturschauspiel – genossen und freuen uns sehr, im Februar wieder hinzufahren.
René Spies. Chef-Bundestrainer Bob
Der Saisonauftakt in Cortina d‘Ampezzo fand nahezu ohne Zuschauer statt. Störte das?
Es waren keine Zuschauer zugelassen und das wurde auch sehr stringent gehandhabt. Es gab daher vereinzelte Besuche, aber keine offiziellen Tickets. In Anbetracht der großen Baustelle, auf der wir dort waren, war das der richtige Weg. Es wäre für Zuschauer auf Grund der zahlreichen Baumaßnahmen wirklich zu gefährlich gewesen. Wir wussten, dass wir auf die Bobbahn kommen, daher hat uns das nicht berührt.
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Und wie ist Ihr Eindruck vom Eugenio Monti Cortina Sliding Centre?
Es war ganz schön anzusehen, wie schnell Baufortschritte erzielt wurden. Jeden Tag wurde quasi etwas Neues gebaut. Aber uns hat ganz allein diese Bahn interessiert, das Erarbeiten der Fahrlinie und der Wettkampf natürlich. Wir haben trotzdem das Ambiente der Dolomiten – ein einzigartiges Naturschauspiel – genossen und freuen uns sehr, im Februar wieder hinzufahren.




