Die Abnehmspritze hat die Behandlung von Übergewicht verändert. Nun soll eine Tablette den nächsten Schritt ermöglichen. Statt sich einmal pro Woche ein Medikament zu spritzen, können Patienten den Wirkstoff Semaglutid inzwischen auch schlucken.
Seit September ist die Wegovy-Pille in Deutschland erhältlich, nachdem die EU-Kommission sie im Juli zugelassen hatte. In den USA ist sie bereits seit Anfang 2026 auf dem Markt. Doch wie wirksam ist die Tablette im Vergleich zur Spritze? Für wen kommt sie infrage, und was kostet die Behandlung?
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Wegovy-Pille: Wie wirkt die Pille beim Abnehmen?
Der Wirkstoff ist kein neuer: Wie die Abnehmspritze enthält auch die Tablette Semaglutid. Der Stoff ahmt ein körpereigenes Darmhormon namens GLP-1 nach, das dem Gehirn unter anderem signalisiert, wann der Körper satt ist. Dadurch lässt das Hungergefühl nach, das Sättigungsgefühl hält länger an. Wer das Medikament einnimmt, isst deshalb meist weniger und verliert an Gewicht.
Ursprünglich wurde Semaglutid zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt, da es auch den Blutzuckerspiegel reguliert. Erst später rückte seine Wirkung auf das Körpergewicht in den Fokus. Inzwischen gehört der Wirkstoff zu den meistdiskutierten Mitteln gegen starkes Übergewicht.
Abnehmmedikamente im Vergleich
Wie viel Gewicht verliert man mit der Wegovy-Tablette?
Wie deutlich die Pfunde purzeln können, zeigt eine 2025 im Fachjournal „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Studie. Für die sogenannte OASIS-4-Studie untersuchten Forschende 307 Menschen mit Adipositas oder starkem Übergewicht. Wer die Wegovy-Tablette einnahm, verlor innerhalb von 64 Wochen durchschnittlich 13,6 Prozent seines Körpergewichts. Bei einem Ausgangsgewicht von 100 Kilogramm wären das knapp 14 Kilogramm. Die Vergleichsgruppe, die ein wirkstofffreies Präparat erhielt, nahm dagegen nur 2,2 Prozent ab.
Die Ergebnisse liegen damit in einer ähnlichen Größenordnung wie bei den Abnehmspritzen. In anderen Studien verloren Patienten mit entsprechenden Medikamenten durchschnittlich 15 bis 20 Prozent ihres Körpergewichts. Ob die Spritze tatsächlich wirksamer ist, bleibt allerdings offen. Bislang fehlen direkte Vergleichsstudien, die beide Behandlungsformen unter denselben Bedingungen untersuchen.
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Wegovy-Pille: Für wen ist die neue Abnehmpille geeignet?
Nicht jeder, der ein paar Kilo abnehmen möchte, kann sich Wegovy verschreiben lassen. Die Tablette ist ausschließlich für Erwachsene zugelassen, die stark übergewichtig sind. Voraussetzung ist in der Regel ein Body-Mass-Index (BMI) von mindestens 30. Der Wert setzt das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße. Eine 1,65 Meter große Frau müsste beispielsweise rund 82 Kilogramm oder mehr wiegen, um diese Grenze zu erreichen.
Auch bei einem BMI ab 27 kann das Medikament verschrieben werden, sofern gewichtsbedingte Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Typ-2-Diabetes vorliegen. Medizinische Leitlinien empfehlen zudem, die Behandlung mit einer Ernährungsumstellung, regelmäßiger Bewegung und gegebenenfalls einer Verhaltenstherapie zu verbinden.
Allerdings kann die Behandlung langfristig notwendig sein. Denn wer Semaglutid absetzt, nimmt häufig wieder zu. In einer 2022 veröffentlichten Studie im Fachjournal „Diabetes, Obesity and Metabolism“ hatten Teilnehmer ein Jahr nach dem Absetzen der Abnehmspritze im Durchschnitt rund zwei Drittel ihres zuvor verlorenen Gewichts wieder zugenommen. Für die Tablette wird ein ähnlicher Effekt erwartet, da sie denselben Wirkstoff enthält.
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Wegovy-Pille oder Abnehmspritze: Was ist der Unterschied?
Der wesentliche Unterschied zur Abnehmspritze liegt in der Anwendung. Während die Wegovy-Spritze nur einmal wöchentlich verabreicht wird, müssen Patienten die Tablette täglich schlucken. Und dabei einiges beachten: Vor der Einnahme müssen sie mindestens acht Stunden nüchtern bleiben. Danach dürfen sie eine halbe Stunde lang weder essen noch trinken oder andere Medikamente einnehmen.
Der Grund: Der Körper kann Semaglutid über den Magen nur schwer aufnehmen. Deshalb enthält die Tablette mit bis zu 25 Milligramm deutlich mehr Wirkstoff als die wöchentliche Spritze mit 2,4 Milligramm.
Bislang hält sich die Nachfrage nach der Tablette in Grenzen. Viele Patienten seien bereits auf die wöchentliche Spritze eingestellt, sagte Apothekerpräsident Thomas Preis Anfang Oktober der Deutschen Presse-Agentur. Dennoch sieht er einen Vorteil: „Ich glaube, die Tablette ist eine gute Alternative für diejenigen, die eben wirklich nicht spritzen wollen oder eine Spritzenphobie haben.“
Was kostet die Wegovy-Pille und zahlt die Krankenkasse?
Die Behandlung hat ihren Preis. Eine Monatspackung der niedrig dosierten Wegovy-Tabletten kostet laut „Apotheken Umschau“ rund 172 Euro. Bei höheren Dosierungen können mehrere Hundert Euro monatlich anfallen. Damit ist die Pille ähnlich teuer wie die Abnehmspritze.
Gesetzlich Versicherte müssen die Kosten selbst tragen. Denn obwohl Adipositas als chronische Erkrankung anerkannt ist, gelten Abnehmmedikamente in Deutschland rechtlich als sogenannte „Lifestyle-Arzneimittel“. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bestätigte den Ausschluss von der Kassenerstattung für Wegovy bereits 2024.
Anders sieht es bei Typ-2-Diabetes aus: Wird Semaglutid in einem dafür zugelassenen Medikament wie Ozempic verordnet, können die Krankenkassen die Kosten übernehmen. Für Wegovy zur Gewichtsreduktion gilt das nicht.
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Wegovy-Pille: Welche Nebenwirkungen drohen?
Der Verzicht auf die Spritze bedeutet nicht, dass die Tablette besser verträglich ist. Beide enthalten denselben Wirkstoff und können ähnliche Nebenwirkungen verursachen. Besonders häufig sind Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen und Erbrechen, vor allem zu Beginn der Behandlung.
Wie verbreitet solche Beschwerden sind, zeigt die OASIS-4-Studie: Rund 74 Prozent der Teilnehmer, die Semaglutid einnahmen, berichteten über Magen-Darm-Probleme. In der Vergleichsgruppe waren es 42 Prozent. Seltener können schwerwiegende Komplikationen wie eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse auftreten.
Vor der Einnahme ist deshalb eine gründliche ärztliche Untersuchung ratsam. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände warnt zudem vor gefälschten Präparaten aus dubiosen Internetshops. Diese könnten nicht nur wirkungslos sein, sondern auch gesundheitsschädliche Stoffe enthalten.
mit dpa












