Seit Monaten sind Medikamente wie Wegovy oder Ozempic in aller Munde. Sie versprechen, was viele Diäten nicht halten können: Ein spürbares Abnehmen durch gezielte Eingriffe in das Hunger- und Sättigungsgefühl. Entwickelt wurden sie ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes. Doch mittlerweile werden sie zunehmend als „Abnehmspritze“ verschrieben – und polarisieren zwischen Wundermittel und Kostenfalle.
Eine neue Studie aus Dänemark, vorgestellt auf der Jahrestagung der Europäischen Vereinigung für die Erforschung von Diabetes (EASD), wirft nun einen kritischen Blick auf die Realität. Sie zeigt, dass die Therapie mit Wegovy von vielen Patienten überraschend schnell wieder beendet wird.
Studie zu Wegovy: Mehr als die Hälfte beendet die Therapie
Die Forscher um den Epidemiologen Reimar Thomsen von der Universität Aarhus werteten Daten von mehr als 77.000 Erwachsenen aus, die zwischen Dezember 2022 und Oktober 2023 mit der Einnahme von Wegovy begonnen hatten – allesamt Menschen ohne Diabetes.
Die Bilanz fällt ernüchternd aus: Nach einem Jahr hatte mehr als die Hälfte die Behandlung bereits wieder beendet. Fast ein Fünftel der Nutzer stieg sogar in den ersten drei Monaten aus, wie es in der Studie heißt. Thomsen spricht von einer „besorgniserregenden Abbruchquote“. Diese Präparate seien nicht als kurzfristige Lösung gedacht, betont er: „Damit sie wirksam sind, müssen sie langfristig eingenommen werden.“
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Abnehmspitze: Forscher warnen vor Gewichtszunahme nach Therapieabbruch
Das Problem beim vorzeitigen Absetzen ist gravierend: Die positiven Effekte verschwinden. Wie Forscher kürzlich im Fachjournal „BMC Medicine“ berichteten, setzt nach dem Ende der Behandlung oft eine schnelle und deutliche Gewichtszunahme ein. Der Stoffwechsel fällt in alte Muster zurück, der Appetit steigt. Viele Betroffene nehmen nicht nur das verlorene Gewicht wieder zu, sondern sogar mehr.
Auch eine große internationale Studie, die im Rahmen des STEP-1-Programms durchgeführt wurde, bestätigt diesen Effekt. Dort verloren die Teilnehmer während der Einnahme von Semaglutid zunächst im Schnitt rund 17 Prozent ihres Körpergewichts. Doch nach dem Absetzen holten sie innerhalb eines Jahres etwa zwei Drittel dieses Verlusts wieder auf. Die Autoren kommen zu dem Schluss: Adipositas verhält sich wie eine chronische Erkrankung. Wer sie allein mit Medikamenten behandelt, muss damit rechnen, die Spritze nicht für Monate, sondern womöglich für ein Leben lang zu brauchen.
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Abnehmen mit Wegovy: Warum viele Patienten die Therapie abbrechen
Warum so viele Patienten aussteigen, hat laut den dänischen Forschern vor allem mit den hohen Kosten zu tun. In Dänemark koste ein Monatsbedarf an Wegovy oder Ozempic bis zu 313 Euro, eine Summe, die in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen wird.
Auch in Deutschland ist die Behandlung teuer: Je nach Präparat und Dosierung fallen laut der „Deutschen Ärztezeitung” monatliche Kosten zwischen 170 und 500 Euro an. Vor allem, wenn die gesetzliche Krankenversicherung nicht zahlt, könnten sich viele Patienten dazu entscheiden, die Therapie nicht fortzuführen.
Die Studie belegt zudem:
- Jüngere Patienten im Alter von 18 bis 29 Jahren brachen die Behandlung fast 50 Prozent häufiger ab als 45- bis 59-Jährige.
- Menschen aus einkommensschwachen Regionen beendeten die Therapie mit 14 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit als Personen aus wohlhabenderen Gegenden.
Das deute, so Thomsen, eindeutig darauf hin, dass finanzielle Belastungen eine zentrale Rolle spielen.
Wegovy Studie: Männer brechen die Behandlung häufiger ab
Nicht nur Einkommen und Alter beeinflussen die Therapietreue, sondern offenbar auch das Geschlecht. Laut der dänischen Studie war die Wahrscheinlichkeit, dass Männer die Therapie beenden, um 12 Prozent höher als bei Frauen.
Die Forscher führen dies auf eine geringere Zufriedenheit mit den Ergebnissen zurück: GLP-1-Rezeptor-Agonisten wie Semaglutid wirkten bei Männern im Durchschnitt schlechter als bei Frauen. Darauf deutet auch eine im „Journal of the American College of Cardiology“ veröffentlichte Untersuchung hin, die Daten aus dem STEP-HFpEF-Programm ausgewertet hat. Demnach verloren Frauen im Schnitt knapp zehn Prozent ihres Körpergewichts, Männer hingegen nur gut sieben Prozent – trotz identischer Behandlung.
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Nebenwirkungen von Abnehmspritzen und offene Fragen
Neben den Kosten und der Wirksamkeit gibt es noch weitere Unsicherheiten. Die Autoren der dänischen Studie räumen selbst ein, dass ihre Registerdaten Grenzen haben: Leichtere Nebenwirkungen wie Übelkeit oder andere Magen-Darm-Beschwerden wurden nicht systematisch erfasst – obwohl gerade solche Symptome für viele Patienten ausschlaggebend sein könnten, die Behandlung abzubrechen.
Auch Angaben zum tatsächlichen Gewichtsverlust der einzelnen Teilnehmer fehlten. Damit bleibt offen, ob Abbrüche eher bei Menschen mit geringerem Erfolg oder trotz guter Ergebnisse erfolgten. Die Forscher betonen ausdrücklich, dass diese Lücken die Interpretation ihrer Ergebnisse einschränken.
Am Ende bleibt ein ambivalentes Bild: Die Abnehmspritze zeigt zwar Wirkung, doch wie nachhaltig sie ist, hängt nicht nur vom Medikament ab, sondern auch von Kosten, Nebenwirkungen – und davon, ob Patienten bereit sind, die Therapie dauerhaft fortzuführen.









