Wer eine Depression überstanden hat und sich anschließend gegen Berufsunfähigkeit absichern will, kann eine böse Überraschung erleben: Die frühere Therapie kann Jahre später noch eine Rolle spielen. Und die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) scheint in weite Ferne zu rücken.

Sie ist wichtig, weil sie monatlich Geld zahlt, wenn Versicherte in ihrem letzten Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr arbeiten können. Das muss voraussichtlich mindestens sechs Monate lang so bleiben. Psychische Erkrankungen sind der häufigste Grund dafür, dass Versicherte langfristig ausfallen. Eine BU ist auch für sie, je nach Fall, möglich. Betroffene müssen nicht grundsätzlich darauf verzichten.

Entscheidend ist: Versicherer differenzieren bei psychischen Vorerkrankungen. War jemand nur kurz bei der Therapeutin nach einem Trauerfall? Oder drei Monate in der Tagesklinik? Das kann den Unterschied machen. Versicherer fragen meist Zeiträume von drei Jahren bis zu zehn Jahren zurück ab.

Berufsunfähigkeit: Versicherer handhaben Vorerkrankungen unterschiedlich

Wie unterschiedlich Versicherer damit umgehen, zeigt eine Finanztip-Stichprobe bei 17 Gesellschaften. Sechs lehnten den Antrag mit einer psychischen Vorerkrankung ab, sieben boten eine BU mit Leistungsausschluss an und vier eine Prüfoption. Ein Leistungsausschluss bedeutet: Die BU besteht, sie zahlt aber nicht, wenn die Berufsunfähigkeit auf eine psychische Erkrankung zurückgeht. Bei einer Prüfoption kann der Ausschluss nach einer bestimmten Zeit erneut bewertet werden. Ob psychische Erkrankungen dann wieder mitversichert sind, ist nicht garantiert.

Wichtig: Bevor Verbraucher eine BU beantragen, sollten sie ihre Gesundheitsgeschichte aufbereiten. Je nach Tarif müssen sie nicht nur Diagnosen, sondern auch Beschwerden, Medikamente, Arztkontakte und Behandlungen angeben. Dafür gehen Versicherer häufig fünf Jahre zurück. Gab es in dieser Zeit eine ambulante Therapie? Hat jemand Antidepressiva eingenommen? Bei stationären Behandlungen fragen Versicherer oft zehn Jahre zurück.

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Auch mit Depressionen oder psychischen Vorerkrankungen ist es nicht unmöglich, sich für die Zukunft abzusichern. © iStock | istock

Für Verbraucher ungünstig ist es, wenn die Fragen in einem Antrag auch bei psychotherapeutischen Behandlungen zehn Jahre zurückgehen. Wer nimmt nun jemanden an, der mal Burnout hatte, nun aber schon länger wieder im Job ist und nicht mehr in Behandlung? Das kommt auf den Versicherer an und lässt sich nicht pauschal sagen. Auf eigene Faust ist es schwer herauszufinden.

BU-Versicherung: Warum sich der Gang zum Makler lohnt

Stattdessen helfen BU‑Makler. Mit ihnen können Verbraucher anonym anfragen, welcher Versicherer sie zu welchen Bedingungen annimmt. Die Maklerin oder der Makler weiß auch weiter, wenn Versicherer jemanden ablehnen. Dann sind vielleicht Alternativen möglich. Sie ersetzen eine BU nicht komplett, sind aber besser als gar kein Schutz.

Eine BU über die betriebliche Altersvorsorge (bAV) zählt zu den Alternativen. Dort gelten in Gruppentarifen teilweise vereinfachte Gesundheitsfragen. Das kann die Versicherung für Menschen mit psychischer Vorgeschichte erleichtern. Wie gut der Schutz ausfällt, hängt aber vom Arbeitgeber und vom Vertrag ab. Schließlich entscheidet sich daran, welche bAV es wird. Dazu kann es bei der Rentenhöhe und der Besteuerung Nachteile geben.

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Weitere Möglichkeiten sind erstens eine Unfallversicherung. Die meisten Menschen werden aber wegen Krankheiten berufsunfähig – und genau dann hilft die Unfallversicherung nicht weiter. Zweitens lassen sich Grundfähigkeiten versichern, etwa Sprechen oder Gehen. Psychische Krankheiten sind dabei aber oft außen vor.

Schließlich gibt es die Erwerbsunfähigkeitsversicherung. Problem: Sie leistet in der Regel erst, wenn Versicherte in keinem Beruf mehr mindestens drei Stunden pro Tag arbeiten können. Maßgeblich ist also nicht nur der zuletzt ausgeübte Beruf wie bei der BU. Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung greift daher in viel weniger Fällen.

Idealerweise haben Verbraucher bereits eine BU, bevor es stressig oder belastend wird: bevor viele in ihren Dreißigern einen Burnout haben oder später ihre Eltern pflegen müssen. Wer nämlich beim Antrag gesund war und schon eine BU hat, wenn er später wegen Depression ausfällt, bekommt in aller Regel die BU-Rente. Finanztip rät: Falls es für die eigene BU zu spät ist, lassen sich zumindest die Kinder jung und gesund versichern. Dann ist es für die BU auch egal, sollten sie später mal in Therapie gehen.

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Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit finanztip.de. Deutschlands führender Geldratgeber für Verbraucher ist Teil der gemeinnützigen Finanztip-Stiftung.