Für viele Beschäftigte wird die gesetzliche Rente im Alter nicht ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Nach Berechnungen des Geldratgebers Finanztip benötigen Ruheständler dafür rund 80 Prozent ihres letzten Nettogehalts. Die gesetzliche Rente ist aber fast nie so hoch.
Es gibt jedoch Situationen, in denen die gesetzliche Rente doch reichen kann. Drei Beispiele zeigen, unter welchen Bedingungen das möglich ist.
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1. Szenario: Länger als geplant arbeiten
Wer deutlich über 67 Jahre hinaus in Vollzeit arbeitet, kann seine Rente steigern. Für jeden Monat des späteren Rentenbeginns gibt es 0,5 Prozent Rentenzuschlag – pro Jahr also sechs Prozent. Für jedes weitere Erwerbsjahr erwirbt man weitere Rentenpunkte. Ein Beispiel: Ein Durchschnittsverdiener mit rund 44 Beitragsjahren kommt auf eine Nettorente von 1546 Euro, das liegt deutlich unter seinem letzten Nettoeinkommen von 2708 Euro. Um 80 Prozent des Nettoeinkommens zu erreichen, fehlen 620 Euro pro Monat. Das ist seine individuelle Rentenlücke.
Vorsorgen fürs Alter
Es wird angenommen, dass unser Musterrentner alleinstehend ist, keine Kinder hat und nächsten Monat 67 Jahre alt wird. Um diese Rentenlücke zu schließen, müsste seine Bruttorente deutlich höher liegen – beim Musterrentner bei 2674 Euro, da noch rund 19 Prozent Steuern und Abzüge weggehen.
Die entscheidende Frage ist: Wie lange müsste der Musterrentner weiterarbeiten, um auf diese Bruttorente zu kommen? Verlängert er seine Erwerbstätigkeit, wächst die Rente schrittweise. Im ersten Jahr, in dem er weiterarbeitet, gibt es sechs Prozent mehr Rente und einen zusätzlichen Rentenpunkt. Im Monat sind das rund 120 Euro mehr. Unterm Strich ergibt das eine Bruttorente von 2066 Euro.
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Die Berechnung zeigt auch: Um die Rentenlücke zu schließen, müsste unser Musterrentner bis zum 73. Lebensjahr weiterarbeiten, dann läge seine Nettorente bei 2166 Euro. Finanztip geht dabei von 1,7 Prozent Rentensteigerungen und zwei Prozent Inflation aus. Das dauert lange – und funktioniert nur unter günstigen Bedingungen, etwa einer durchgehenden Erwerbsbiografie. 45 Rentenpunkte sind aber nicht die Norm. Hätte unser Musterrentner zum Beispiel nur 40 Rentenpunkte gesammelt, müsste er sogar bis 75 Jahre arbeiten. Zudem ist ungewiss, ob eine Vollzeittätigkeit in diesem Alter gesundheitlich überhaupt möglich ist.
2. Szenario: Im Alter sparsamer leben
Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Lebensstandard im Ruhestand spürbar zu senken. Liegt die Rente deutlich unter dem letzten Einkommen, müssten die Ausgaben entsprechend reduziert werden. Der Rentner im Beispiel bekommt eine Nettorente, die rund 40 Prozent unter dem letzten Nettogehalt liegt. Um damit auszukommen, müsste er seine Ausgaben fast halbieren. Das kann etwa gelingen durch
- eine kleinere Wohnung
- geringere Konsum- und Freizeitausgaben.
In vielen Fällen dürfte jedoch ein erheblicher Einschnitt nötig sein.

Hinzu kommt ein Risiko: Es darf nichts Unvorhergesehenes passieren. Mit zunehmendem Alter steigen oft die Kosten, etwa durch gesundheitliche Einschränkungen oder Pflegebedürftigkeit – wodurch die Ausgaben erfahrungsgemäß spürbar steigen. Eine knappe Rente gerät dadurch zusätzlich unter Druck. Nach Daten des Statistischen Bundesamts ist knapp jeder fünfte über 75-Jährige pflegebedürftig. Bei den über 95-Jährigen sind es sogar etwa 85 Prozent.
3. Szenario: Frühes Erbe als Ausgleich
Auch Erbschaften sehen viele als Baustein für die Altersvorsorge. Rechnerisch kann ein Vermögenszufluss helfen, die Rentenlücke zu schließen. Aber wie groß müsste das Erbe dafür sein? Bei unserem Musterrentner summiert sich der zusätzliche Finanzbedarf bis zum 88. Lebensjahr auf über 200.000 Euro – selbst bei einer moderaten Inflation von jährlich zwei Prozent. Ob und wann der Erbfall passiert, ist oftmals unsicher. Eltern könnten länger leben oder das Geld selbst benötigen. Ist das Vermögen angelegt, kann der Wert schwanken.
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Private Altersvorsorge bleibt unerlässlich
Die Beispiele zeigen: Wer nicht privat vorsorgt und sich auf andere Gegebenheiten wie langfristige Gesundheit oder ein Erbe verlässt, geht ein hohes Risiko ein. Finanztip empfiehlt, regelmäßig etwa 20 Prozent des Nettoeinkommens zurückzulegen, um später Versorgungslücken zu vermeiden. Rund fünf Prozent fließen auf ein Tagesgeldkonto – als Notgroschen. Und mindestens 15 Prozent werden in einen Alle-Welt-ETF mit Aktien aus Industrie- und Schwellenländern angelegt. Damit wird die private Altersvorsorge abgedeckt.
Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit finanztip.de. Deutschlands führender Geldratgeber ist Teil der gemeinnützigen Finanztip Stiftung.






