Könnten viele Demenzfälle in Deutschland verzögert oder gar aufgehalten werden? Diese Möglichkeit stellt nun eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen und der Harvard Medical School in Aussicht. Demnach ist dies bei rund 36 Prozent der Demenzfälle möglich. Voraussetzung hierfür ist eine konsequente Reduktion von insgesamt 14 identifizierten Risikofaktoren, die maßgeblich zur Entstehung der Erkrankung beitragen.

Diese Risikofaktoren nehmen Einfluss auf eine Demenz-Erkrankung

Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben in Deutschland schätzungsweise 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Die aktuelle Studie deutet darauf hin, dass sich diese Zahl um etwa ein Drittel verringern ließe, wenn die inzwischen 14 identifizierten Risikofaktoren sowie deren gesundheitliche Auswirkungen konsequent reduziert würden.

  • eine geringe Bildung
  • vermindertes Hörvermögen
  • Bluthochdruck
  • Rauchen
  • Alkohol
  • mangelnde Bewegung
  • Depressionen
  • Diabetes
  • Übergewicht und Fettleibigkeit
  • Kopfprellungen
  • Luftverschmutzung
  • Soziale Isolation
  • erhöhte LDL-Cholesterinwerte
  • unbehandelter Sehverlust

Zwölf dieser Risikofaktoren sind bereits seit längerer Zeit bekannt. Im Jahr 2024 wurden laut dem Bericht der Fachzeitschrift „Lancet“ zwei weitere Faktoren ergänzt, die zusammen für rund neun Prozent der Demenzerkrankungen verantwortlich sind. Etwa sieben Prozent entfallen dabei auf erhöhte LDL-Cholesterinwerte ab einem Alter von ungefähr 40 Jahren, während etwa zwei Prozent auf unbehandelten Sehverlust im höheren Lebensalter zurückgeführt werden.

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Dabei ist zu berücksichtigen, dass die einzelnen Risikofaktoren nicht isoliert wirken, sondern sich gegenseitig beeinflussen. Einschränkungen der Seh- und Hörfähigkeit erschweren beispielsweise die zwischenmenschliche Kommunikation und stehen in Zusammenhang mit einer Abnahme kognitiver Leistungsfähigkeit.

Demenz selbst aktiv vermeiden oder hinauszögern

Bereits in der Jugend wird durch eine umfassende Bildung eine wichtige Grundlage für die Prävention von Demenz gelegt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt jedoch auf dem mittleren Lebensalter, da in dieser Phase Faktoren wie Bewegungsmangel, Übergewicht, Tabak- und Alkoholkonsum, Diabetes mellitus sowie arterielle Hypertonie zunehmend Einfluss auf die gesundheitliche Entwicklung nehmen.

Darüber hinaus kommt der Eigeninitiative eine zentrale Bedeutung zu, da Menschen aktiv zur Reduktion dieser Risikofaktoren beitragen können. Neben häufig genannten Maßnahmen wie kognitiven Übungen oder dem Erlernen neuer Fähigkeiten ist das Spektrum präventiver Handlungsmöglichkeiten deutlich breiter. So betont Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, gegenüber der Apotheken Umschau, dass insbesondere ein gesundes Körpergewicht, ein moderater Alkoholkonsum sowie regelmäßige körperliche Aktivität wesentlich zur Verringerung des Demenzrisikos beitragen. Gleichzeitig wirken sich diese Faktoren auch positiv auf die Herzgesundheit aus.

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Ein weiterer bedeutsamer Aspekt ist die Ernährung. Für Menschen im mittleren Lebensalter wird eine Ernährungsweise empfohlen, die reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Nüssen und fettarmen Milchprodukten ist, während der Konsum von Salz, Zucker, rotem Fleisch und gesättigten Fettsäuren möglichst gering gehalten werden sollte.

Differenzierte Betrachtung der Zahlen notwendig

Peter Berlit betont in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit einer differenzierten Interpretation der vorliegenden Daten, da sich die genannten Werte aus der Addition mehrerer Risikofaktoren ergeben. Gleichwohl verweist eine im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichte Studie darauf, dass eine Reduktion der relevanten Risikofaktoren um 15 Prozent bis zum Jahr 2033 mit einer Verringerung der Demenzfälle um etwa 138.000 einhergehen könnte.

Diese Ergebnisse unterstreichen die erhebliche Bedeutung präventiver Maßnahmen und legen nahe, dass der Demenzprävention in Deutschland ein deutlich höherer Stellenwert eingeräumt werden sollte.