Das deutsche Erbrecht ist kompliziert. Deshalb lassen sich viele Menschen, die ihren Nachlass regeln wollen, rechtlich beraten. Mehr als die Hälfte derjenigen, die ein Testament verfassen, wendet sich an eine Notarin oder einen Notar. Das ergab eine Studie des Instituts für Demoskopie in Allensbach aus dem Jahr 2024 zum Thema Erben und Vererben. Es gibt gute Gründe für ein notarielles Testament, aber nach deutschem Recht muss ein Testament nicht zwingend bei einem Notar errichtet werden.
Jeder Mensch kann seinen letzten Willen selbst aufschreiben und damit rechtlich wirksam seine Erben bestimmen, einzelne Gegenstände vermachen oder jemanden enterben. Wichtig ist nur, dass der Verfasser den gesamten Text des Testaments mit der Hand schreibt und unterschreibt (§ 2247 BGB). Das notarielle Testament wird errichtet, indem üblicherweise der Erblasser gegenüber dem Notar seinen letzten Willen erklärt, den dieser dann in einer Urkunde schriftlich festhält (§ 2232 BGB).
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Testament: Wann ist der Gang zum Notar sinnvoll?
Ein notarielles Testament ist dann zu empfehlen, wenn rechtliche und individuelle Beratung gewünscht ist. Notare sind fachkundig und können das Testament rechtssicher so gestalten, dass der Nachlass nach den Wünschen des Erblassers verteilt wird. Sind die Vermögensverhältnisse und die Familiensituation kompliziert, ist es sinnvoll, wegen eines Testaments zum Notar zu gehen. Das gilt besonders für Familien mit mehreren Immobilien und mehreren gesetzlichen Erben, für Patchwork-Familien oder Familien mit Vermögen im Ausland.
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Testament ohne Notar: Wann ist handschriftlich die richtige Wahl?
Besteht der Nachlass vor allem aus Vermögen auf Bankkonten und Wertpapierdepots, ist er leicht zu teilen. Ist die Anzahl der Erben überschaubar und sind keine Sonderregeln gewünscht, ist ein eigenhändig verfasstes Testament eine gute Variante. Auch für den Fall, dass jemand schnell ein Testament aufsetzen möchte, zum Beispiel vor einer großen Reise oder in einer akuten gesundheitlichen Situation, ist das handschriftliche Testament die richtige Wahl.
Eine Finanztip-Checkliste bietet eine Hilfestellung für Menschen, die selbst ein Testament aufsetzen wollen. Die Checkliste enthält Tipps und weiterführende Hinweise.

Notarielles Testament: Was sind die Vorteile beim Vererben
Das notarielle Testament ist rechtssicher formuliert und vermindert damit das Streitpotenzial unter den Erben. Es gibt zumindest keine Auseinandersetzung darüber, ob der Erblasser noch fähig war, sein Testament aufzusetzen. Denn der Notar bestätigt immer auch die Testierfähigkeit. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass notarielle Testamente beim Nachlassgericht in die amtliche Verwahrung gegeben werden. Sie werden im Zentralen Testamentsregister gespeichert. Darum kümmert sich das Notariat. Im Erbfall ist das Testament somit schnell auffindbar, es kann weder gefälscht noch vernichtet werden.
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Für die Erben ist ein notarielles Testament von Vorteil, weil sie damit auch gegenüber Banken ihre Erbenstellung beweisen können. Gehört beispielsweise eine Immobilie zum Nachlass, akzeptiert auch das Grundbuchamt ein notarielles Testament als Nachweis, ein handschriftliches reicht nicht. Die Erben benötigen mit einem notariellen Testament keinen Erbschein. Das spart Zeit und Geld. Finanziell kann das eine deutliche Entlastung für die Erben bedeuten, denn der Erbschein ist regelmäßig teurer als das notarielle Testament.
Was kostet ein Testament beim Notar?
Die Gebühren für ein notarielles Testament richten sich nach dem Vermögen der Person, die ihren letzten Willen errichten will. Schulden werden abgezogen, aber nur bis zur Hälfte des Vermögens. Eine Beispielrechnung: Beläuft sich das Vermögen bei Errichtung des Testaments auf 100.000 Euro, fällt eine Notargebühr von 273 Euro an. Hinzu kommen verschiedene Pauschalen und Auslagen sowie die Mehrwertsteuer. Die Gesamtkosten belaufen sich in diesem Beispiel auf rund 450 Euro.
| Nachlasswert | Notarkosten |
| 100.000 € | 450 € |
| 200.000 € | 640 € |
| 300.000 € | 880 € |
| 400.000 € | 1060 € |
| 500.000 € | 1230 € |
Quelle: §102 GNotKG, KV 21100, KV 12100
Dieses Geld ist gut investiert, wenn Sie mit einem notariellen Testament besser schlafen. Denn so haben Sie eine gute und gerechte Lösung für Ihren Nachlass gefunden und haben dabei auf die rechtliche Expertise einer Notarin oder eines Notars zurückgegriffen.
Finanztip empfiehlt, das Thema Erben und Vererben frühzeitig selbst in die Hand zu nehmen. Viele Fallbeispiele mit weiteren Tipps und Informationen erklärt Finanztip im neuen E-Paper „Richtig vererben, Fehler vermeiden“.

Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit finanztip.de. Deutschlands führender Geld-Ratgeber für Verbraucher ist Teil der gemeinnützigen Finanztip-Stiftung.




