Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind hierzulande die häufigste Todesursache. Dennoch denken die meisten Menschen erst spät an ihre Herzgesundheit – meist zu spät. Das Erschreckende: Übergewicht, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung betreffen schon die Kleinsten. Mittlerweile haben laut der Deutschen Herzstiftung bereits zwei Prozent aller Kinder in Deutschland Bluthochdruck – mit fatalen Folgen für ihr Herz.

„Die Risikofaktoren wirken oft wie Zeitbomben, die erst Jahre oder Jahrzehnte später explodieren“, mahnt Kardiologin Prof. Dr. Christiane Tiefenbacher, Chefärztin am Marien-Hospital Wesel und Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung. „Kinder, die sich zu wenig bewegen, ungesund ernähren oder unter Stress leiden, tragen diese Probleme oft mit ins Erwachsenenalter – und das Risiko für Erkrankungen steigt.“ In dieser Ausgabe der Gesundheitsserie „Herz-Doc“ der FUNKE Tageszeitungen, erklärt sie, welche unbewussten Risikofaktoren lauern und wie Eltern ihre Kinder schützen.

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Gesundheit von Kindern: Frühe Weichenstellung entscheidet über Risiken

Der Blick nicht nur auf Tiefenbachers Patientinnen und Patienten zeigt: „In vielen Fällen liegt der Grundstein für spätere Herzprobleme in der Kindheit“, berichtet die Expertin. „Dabei gibt es so viel, was getan werden könnte, um junge Menschen für ihre Gesundheit zu sensibilisieren – und das beginnt zu Hause, aber auch in der Schule.“ Sie findet: „Die Gesundheit der Kinder ist in Gefahr!“

„Die Alarmzeichen für Herzprobleme sind bei Kindern oft verborgen, aber die Grundlagen für ein ungesundes Herz werden hier bereits gelegt“, warnt Prof. Tiefenbacher. Fettleibigkeit ist dabei einer der größten Risikofaktoren für spätere Herzprobleme. Studien zeigen, dass übergewichtige Kinder nicht nur häufiger an Bluthochdruck leiden, sondern auch ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes und frühe Arterienverkalkung entwickeln. „In meiner Praxis sehe ich immer wieder, wie schwer es für Erwachsene ist, Muster aus ihrer Kindheit zu durchbrechen – deshalb sollte Prävention so früh wie möglich beginnen“, betont die Expertin.

Trotz Diabetes: Junger Mann will auf Softdrinks nicht verzichten

Besonders ein Fall – eine Kreuzung aus „kindlicher Prägung“ und „trotziger Haltung“ – bewegt Prof. Tiefenbacher bis heute: „Ein jüngerer Mann hatte durch Diabetes bereits ein Bein verloren und sein Herz war extrem belastet durch arterielle Gefäßverschlüsse. Doch trotz mehrfacher medizinischer Aufklärung und seiner gefährlichen Lage war er nicht bereit, seine Lebensweise zu ändern.“ Seine Begründung: „Ich trinke schon immer Softdrinks. Sie schmecken mir einfach zu gut. Ich werde darauf definitiv nicht verzichten.“

Trotz aller Risiken und dem Wissen, dass er seine Lebenserwartung drastisch senkt, konnte oder wollte der Mann nichts an seinen schädlichen Gewohnheiten ändern. Tiefenbacher sagt: „Solche Fälle sind traurig, aber real. Es zeigt die Dringlichkeit, frühzeitig Gewohnheiten zu etablieren, die nicht zerstörerisch wirken.“

Genau hier spielen die Eltern eine zentrale Rolle. „Ein ungesunder Lebensstil in der Familie prägt die Kinder von klein auf. Kinder übernehmen die Gewohnheiten ihrer Eltern.“ Diese seien häufig die Basis für das Verhalten im Erwachsenenalter. Wenn Kinder von Anfang an lernen, sich gesund zu ernähren und sich regelmäßig zu bewegen, haben sie wesentlich bessere Chancen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu vermeiden. „Es liegt in der Verantwortung der Eltern, ihre Kinder an gesunde Ernährung und aktiven Alltag heranzuführen.“

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Herzgesundheit: Was Eltern tun können – praktische Tipps für den Alltag

1. Essen Sie herzgesund – und seien Sie ein Vorbild

Kinder orientieren sich an der Ernährung ihrer Eltern. „Eltern können nicht von ihren Kindern verlangen, weniger Softdrinks zu konsumieren, wenn sie selbst jeden Tag Limonade trinken,“ sagt Tiefenbacher. Sie empfiehlt:

  • Mehr frisches Obst und Gemüse, weniger Fast Food
  • Weniger Zucker und salzige Snacks
  • Keine zuckerhaltigen Softdrinks am Esstisch, sondern Wasser und ungesüßte Tees als bessere Alternative

2. Bewegung als Familienaktivität stärken

Im Alltag vieler Familien fehlt häufig die Zeit für gemeinsame Bewegung. Tiefenbacher weiß: „Sport muss nicht immer im Verein stattfinden – gehen Sie gemeinsam spazieren, spielen Sie mit Ihren Kindern im Freien oder tanzen Sie zu Hause zusammen. Kinder lieben gemeinsame Aktivitäten, die Spaß machen.“

Mit Blick auf die Bewegung der eigenen Kinder, gilt es laut Tiefenbach auch, deren Medienzeit zu reduzieren. „Soziale Medien sind bei Kindern heutzutage einer der häufigsten Bewegungskiller“, warnt sie. Auch hier sollten die Eltern Vorbild sein.

Fragen an „Herz-Doc“

Sie haben eine allgemeine Frage zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Gerne gibt unser Herz-Doc Antwort! Senden Sie uns einfach Ihre Frage per Mail an herzdocs(at)funkemedien.de. Die Einsendungen werden zunächst gesichtet, sortiert und gegebenenfalls an Herz-Spezialistin Prof. Dr. med. Christiane Tiefenbacher weitergeleitet und anonymisiert veröffentlicht.

3. Achten Sie auf die mentale Gesundheit Ihrer Kinder

Auch Stress kann die Herzgesundheit beeinflussen – besonders bei jungen Menschen, die überfordert sind. Laut Tiefenbacher können regelmäßige Gespräche, kurze Entspannungsübungen oder das Vermeiden von Leistungsdruck helfen. „Ein Kind mit weniger Stress hat ein ausgeglicheneres Herz-Kreislauf-System und entwickelt gesündere Lebensgewohnheiten“, betont die Kardiologin. „Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind Pausen bekommt und lernt, mit emotionalem Druck umzugehen.“ Auch soziales Mobbing sei in diesem Zusammenhang ein belastender Faktor.

Herzkrankheiten: Vorsorge als gesellschaftliche Verantwortung

Doch die Herzgesundheit der Kinder betrifft nicht nur die Eltern. „Wenn wir als Gesellschaft anfangen, Kindern ein gesünderes Fundament zu geben, erhöhen wir ihre Chance auf ein langes und erfülltes Leben“, sagt Tiefenbacher. Die Kardiologin sieht Prävention als Zusammenspiel zwischen individueller Verantwortung und gesellschaftlicher Aufgabe. „Warum integrieren wir Herzgesundheit nicht in den Schulunterricht? Schon Grundschulkinder könnten so lernen, was gesunde Ernährung ausmacht und warum Bewegung, emotionale Gesundheit und Stressmanagement so wichtig sind.“

Länder wie Finnland haben laut Tiefenbacher gute Erfahrungen mit Gesundheitsförderung in Schulen gemacht. Ein ähnliches Modell könnte auch in Deutschland eingeführt werden. „Wenn wir Kindern von Anfang an beibringen, für ihr Herz und ihren Körper zu sorgen, zahlen sich diese Maßnahmen später in der Gesundheitsstatistik aus“, sagt die Expertin. „Das wäre eine Investition in die Zukunft, die Milliarden an Gesundheitskosten einsparen könnte.“