Noch immer setzen viele Hausbesitzer auf Erdgas, wenn die alte Heizung schlappmacht. Fast jede zweite verkaufte Heizung war im ersten Halbjahr 2025 noch eine Gasheizung. Kein Wunder: Die Technik ist vertraut, der Einbau einfach und mit rund 8000 bis 10.000 Euro scheint die Neuanschaffung auf den ersten Blick günstig. Doch dieser Vorteil ist in den folgenden Wintern schnell verheizt. Denn: Gas wird dauerhaft teurer.
Gasheizung: CO₂-Preis steigt und frisst Ersparnis auf
Für jede Kilowattstunde Gas wird eine Abgabe fällig, weil beim Verbrennen klimaschädliches Kohlendioxid entsteht. Im Jahr 2025 kostet eine Tonne CO2 in Deutschland bereits 55 Euro. Das sind etwa 1,1 Cent pro Kilowattstunde Erdgas und damit rund zehn Prozent des Gaspreises. Künftig bildet sich der CO2-Preis über den sogenannten ETS 2, ein europäisches Handelssystem für Emissionszertifikate, das auch Gebäude und Verkehr umfasst und fossiles Heizen damit schrittweise teurer macht.
- Altersvorsorge: Partner verdient mehr – Experte rät zu diesen Renten-Regeln
- Beziehungsstreit ums Geld: Das bringt Paaren ein Gemeinschaftskonto
- Immobilien: Mit einem Kniff kommen junge Paare schneller ins Eigenheim
- Geld oder Liebe: Immer mehr Paare stürzen sich bei Hochzeit in Unkosten – Experten erklären Phänomen
Gerade erst hat die EU den geplanten Start des ETS 2 um ein Jahr auf 2028 verschoben und zugleich einen Einstiegspreis von nur etwa 45 bis 50 Euro pro Tonne CO2 ins Gespräch gebracht. Ob Deutschland von seinen jetzt schon höheren Preisen abweicht, bleibt abzuwarten. Grundsätzlich ändert es nichts daran, dass der CO2-Preis künftig deutlich steigen soll und damit die Betriebskosten einer Gasheizung wachsen werden. Es handelt sich also höchstens um eine Verschnaufpause, nicht um eine Entwarnung.
Denn 2040 könnte der Preis laut dem Forschungsprojekt Ariadne bei 250 Euro liegen. Das wäre ein Aufschlag von fünf Cent je Kilowattstunde. Wer im Jahr 20.000 Kilowattstunden Gas verbraucht, zahlt also statt heute rund 220 Euro bald über 1000 Euro CO2-Kosten pro Jahr.
Familie günstig absichern? Mit diesen Finanztip-Hacks sparen Sie bei der Risikolebensversicherung
Wärmepumpe: Lohnt sich die teure Anschaffung?
Eine Wärmepumpe wirkt im Vergleich oft zu teuer: 30.000 Euro oder mehr für den Einbau schrecken viele ab, zumal Handwerker knapp sind. Doch sobald man die Förderung einrechnet, sieht das anders aus: Über das KfW-Programm 458 übernimmt der Staat bis zu 70 Prozent der Kosten. Für die meisten Eigenheimbesitzer mit alter Gas- oder Ölheizung ist ein Zuschuss von 50 Prozent realistisch. Eine Wärmepumpe für 30.000 Euro kostet so effektiv nur 15.000 Euro oder weniger. Und das Beste: Sie verursacht keine CO2-Kosten.
Finanztip-Berechnungen zeigen:
- In drei von vier typischen Häusern lagen die Gesamtkosten über 20 Jahre rund 15.000 Euro niedriger als bei Gas.
- Nur in einem Szenario (in dem kaum Förderung floss und das Gerät wegen schlechter Planung ineffizient lief) war die Wärmepumpe knapp teurer.
- Trotzdem halten viele an Gas fest.
Der Anschluss liegt schon im Keller, die Technik ist vertraut, und der Mythos, Wärmepumpen seien nur für Neubauten geeignet, hält sich hartnäckig. Dabei können moderne Anlagen auch ältere Häuser effizient heizen, wenn sie richtig eingestellt sind. Das hat auch gerade erst wieder das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme mit einer neuen vierjährigen Feldstudie belegt.
Klug oder Kostenfalle? Smarte Stromzähler – Finanztip warnt vor naivem Schritt
Gaspreise 2026: So teuer wird es
Ab 2026 werden die Gaspreise erneut steigen. Die Netzentgelte legen im Schnitt um 0,34 Cent pro Kilowattstunde zu – bei 20.000 Kilowattstunden Verbrauch sind das rund 68 Euro im Jahr, in manchen Regionen über 170 Euro. Zwar fällt gleichzeitig die Gasspeicherumlage weg, die bei gleichem Verbrauch rund 69 Euro pro Jahr ausmachte, doch das gleicht die Erhöhung nicht immer aus.
Hinzu kommt: Immer mehr Stadtwerke prüfen, ob sie ihre Gasnetze stilllegen. Je weniger Kundinnen und Kunden übrigbleiben, desto stärker steigen die Entgelte für die anderen. Ab 2029 müssen Gasheizungen, die nach 2024 eingebaut wurden, außerdem schrittweise mit Biogas betrieben werden. Dafür fällt zwar kein CO2-Preis an, aber es ist teurer als Erdgas.
Lesen Sie auch
Gasheizung noch zukunftstauglich? Jetzt handeln zahlt sich aus
Kurz gesagt: Wer heute auf Gas setzt, kauft sich eine wachsende Kostenfalle ein. Die vermeintlich günstige Technik hängt an einem Brennstoff, dessen Preis aus vielen Richtungen steigt.
Wer mit Gas heizt und über die Mindestvertragslaufzeit seines Vertrags hinaus ist, kann monatlich kündigen und wechseln, wenn es günstiger geht. Denn Gas ist gerade so günstig wie vor zuletzt einem Jahr und viele Anbieter haben die höheren Netzentgelte für 2026 noch nicht eingepreist. Wer früh vergleicht, kann sich gute Konditionen sichern und Hunderte Euro im Jahr sparen. Günstige Tarife finden Gaskunden mit dem verbraucherfreundlichen Gaspreisvergleich von Finanztip, der problematische Anbieter komplett ausschließt. Preisgarantien schützen zudem vor kurzfristigen Aufschlägen, etwa weil die Gasspeicher bei Weitem nicht so voll sind wie in den vergangenen zwei Wintern.
Langfristig sollte man prüfen, ob Gas überhaupt noch Sinn ergibt. Die Wärmepumpe ist dank hoher Zuschüsse für viele längst die wirtschaftlichere Lösung. Selbst wer erst in ein paar Jahren umrüstet, kann schon jetzt das Haus vorbereiten – mit Dämmung, neuen Fenstern oder einer Energieberatung.

Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit finanztip.de. Deutschlands führender Geld-Ratgeber für Verbraucher ist Teil der gemeinnützigen Finanztip-Stiftung.





