99 Badetote allein diesen Juni – und wieder trifft es vor allem Männer. Die Zahl macht fassungslos, weil sich darin ein gefährliches Muster zeigt: Gerade junge Männer überschätzen sich, wollen Stärke beweisen, springen völlig überhitzt ins Wasser, unterschätzen Strömungen, Tiefen und am Ende oft auch den eigenen Körper. Dazu kommen Leichtsinn, Angeberei und Gruppendruck. Keiner will der sein, der kneift. Aber genau dieses falsche Männlichkeitsbild kann tödlich enden.

Wir müssen aufhören, Ertrinken als tragischen Einzelfall abzutun. Es ist oft das Ergebnis von Ignoranz, Selbstüberschätzung und fehlendem Respekt vor dem Wasser. Seen und Flüsse sind kein Spaßbad. Badeverbote gibt es aus gutem Grund. Hitze treibt uns nicht an, sondern schwächt. Alkohol macht niemanden mutiger, sondern nur verletzlicher. Wer erschöpft oder berauscht ins Wasser geht, spielt mit seinem Leben.

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Zudem überschätzen viele ihre Grundfähigkeiten beim Schwimmen. Entweder sie haben es nie gelernt oder gehen so selten, dass ihnen das Training fehlt. Wieder andere wissen nicht, was Strömung, Temperaturschock oder trübes Wasser anrichten können. Das ist ein gesellschaftliches Versäumnis. Schwimmen ist keine nette Freizeitkompetenz, sondern überlebenswichtig.

Anne-Kathrin Neuberg-Vural
Anne-Kathrin Neuberg-Vural, Redakteurin Ratgeber & Wissen im Ressort Leben der Funke Zentralredaktion. © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Und das Problem wird größer werden. Mit dem Klimawandel nehmen Hitzeperioden zu. Badeseen, Flüsse und Kanäle dienen immer öfter der schnellen Abkühlung. Genau deshalb braucht es mehr Schwimmunterricht, mehr Aufklärung, mehr bewachte Badestellen – und mehr Ehrlichkeit mit sich selbst. Wer unsicher ist, bleibt im flachen Wasser. Wer Freunde hat, die übertreiben, sagt Stopp. Wer Kinder hat, schaut hin. Immer. Wir müssen aufhören, Wasser zu unterschätzen.