Die Hoffnung schwand mit jeder Stunde – jetzt gibt es die traurige Gewissheit: Der seit Sonntag in den Bergen oberhalb von Barcis in der norditalienischen Region Friaul-Julisch Venetien vermisste deutsche Wanderer ist tot aufgefunden worden. Der 63-jährige L.S. war allein auf einem abgelegenen Steig unterwegs, als sich seine Spur verlor. Er stammte aus Hannover, lebte jedoch seit Jahren in Berlin.

Eine Suchmannschaft der italienischen Polizei entdeckte den Leichnam schließlich unterhalb eines steilen Felsabbruchs. Dort endet ein schwarz markierter Pfad abrupt – zerstört durch einen Erdrutsch. Nach ersten Erkenntnissen wollte der Wanderer offenbar die abgerutschte Strecke überwinden. In dem extrem unwegsamen Gelände verlor er vermutlich den Halt und stürzte mehrere Dutzend Meter in die Tiefe.

Lesen Sie auch

Die Verletzungen waren tödlich. Der Steig verband früher die Berghütte Val di Zea mit dem Biwak Pasteur. Heute ist der Abschnitt wegen der Erdrutschgefahr gesperrt. Die Bergung entwickelte sich zu einem durchaus schwierigen Einsatz.

Toter Wanderer: Begleiterin hatte Alarm geschlagen

Neben einem Hubschrauber der Feuerwehr aus Venedig war der regionale Rettungshubschrauber im Einsatz. Erst nach mehreren Anflügen konnten drei Retter per Seilwinde abgesetzt werden, um den Toten zu bergen. Die Leiche wurde ins Tal überführt und soll jetzt nach Berlin gebracht werden.

Alarm geschlagen hatte die Begleiterin des 63-Jährigen. Beide hatten zuvor gemeinsam in einem Biwak übernachtet, trennten sich dann jedoch während der Wanderung. Die Frau entschied sich zur Umkehr ins Tal, weil der Weg für sie zu anstrengend war, während der Mann die Route allein fortsetzen wollte. Verabredet waren beide später an einer Unterkunft in Prescudin, von wo aus sie gemeinsam nach Deutschland zurückfahren wollten. Als der Wanderer dort nicht erschien, verständigte die Frau die Rettungskräfte.

Auch interessant

Bereits am Sonntagabend begannen erste Suchflüge mit dem regionalen Rettungshubschrauber. Zwei Einsatzkräfte stiegen zu Fuß zum unwegsamen Gelände auf. Auch eine großangelegte Suchaktion am frühen Dienstagmorgen blieb zunächst erfolglos – bis die Retter den Vermissten schließlich am späten Dienstagnachmittag entdeckten. „Die Suchaktion hat sofort begonnen, sowohl mit erfahrenen Bergsteigern, als auch mit Rettungshubschraubern. Leider kam für den Mann jede Hilfe zu spät. Das Gebiet, in dem er ausgerutscht ist, ist durchaus steil“, berichtete eine Sprecherin der alpinen Bergrettung Friauls gegenüber unserer Redaktion.

Italien: Toter Wanderer – Gefährliche Strecken erfordern Trittsicherheit und alpine Erfahrung

Die Berge oberhalb von Barcis gelten als anspruchsvolles und teils nur schwer zugängliches alpines Gelände. Die Region ist geprägt von steil aufragenden Kalkfelswänden, tief eingeschnittenen Tälern sowie ausgedehnten Buchen- und Nadelwäldern. Hinzu kommen ausgeprägte Karstformationen mit zerklüftetem Gestein, Spalten und Höhlen, die das Gelände besonders unübersichtlich und in Teilen gefährlich machen.

Viele der dort verlaufenden Routen sind schmale alpine Steige oder ehemalige Versorgungswege zu Biwaks und Schutzhütten. Die häufig gefährlichen Strecken erfordern Trittsicherheit, alpine Erfahrung und gute Orientierung, insbesondere bei wechselnden Wetterbedingungen.

Das Gebiet gilt unter erfahrenen Bergsteigern aus Deutschland und Österreich als beliebt, tödliche Unfälle in dieser Bergregion sind jedoch keine Seltenheit. Am 16. Mai war ein österreichischer Wanderer, der in den Bergen der friaulischen Provinz Udine vermisst worden war, tot geborgen worden. Die Leiche des 23-Jährigen und jene seines Begleiters, eines in Deutschland lebenden 24-jährigen US-Bürgers, wurden von einem Hubschrauber des friaulischen Zivilschutzes in einem Berggebiet in der Gemeinde Verzegnis (Provinz Udine) zwischen den Bergen Piombada und Bottai lokalisiert. Die beiden Männer sollen abgestürzt sein, nachdem sie auf einem besonders steilen, grasbewachsenen Abschnitt das Gleichgewicht verloren hatten. Der Unfall ereignete sich an einem Ort, der vom Boden aus nur sehr schwer zu erreichen ist. Deswegen erfolgte die Bergung der Leichen per Seilwinde.