Am letzten Tag im Prozess gegen gegen Marius Borg Høiby (29) haben die Verteidiger einen Freispruch von den Vergewaltigungs-Anklagen gefordert. „Es gibt keine Beweise, die dafür sprechen, dass Marius für die Vergewaltigungen verurteilt werden kann“, sagt Verteidiger Petar Sekulic. „In keinem der vier Fälle.“

Einen Tag zuvor hatte die Staatsanwaltschaft in Oslo sieben Jahre und sieben Monate Haft gefordert. Die Zeit, die Høiby bereits in der Untersuchungshaft verbracht hat, soll von der Haftstrafe abgezogen werden. Dabei handelt es sich nach Aussage der Staatsanwaltschaft um bislang 63 Tage. Außerdem verlangte die Anklage zum Schluss ihres Plädoyers am Mittwoch ein zweijähriges Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin.

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Vergewaltigungsvorwürfe: Mette-Marits Sohn soll Frauen gefilmt haben

Staatsanwalt Sturla Henriksbø forderte, den Sohn von Mette-Marit (52) in 39 von 40 Anklagepunkten zu verurteilen. Lediglich für einen Verstoß gegen ein Kontaktverbot solle Høiby freigesprochen werden. In diesem Fall soll er seine Ex-Freundin trotz des Verbots versehentlich angerufen haben. 

Mette-Marits Sohn ist unter anderem in vier Fällen von Vergewaltigung nach norwegischem Recht angeklagt. In drei Fällen soll er Frauen im Genitalbereich berührt haben. In einem Fall soll es zur Penetration mit dem Penis gekommen sein. „Vergewaltigung kann tiefe Spuren hinterlassen und Leben zerstören“, sagte der Staatsanwalt laut der Zeitung „Verdens Gang“. Während der mutmaßlichen Taten sollen die Frauen geschlafen beziehungsweise einen Blackout gehabt haben. 

Høiby soll sie dabei gefilmt haben. Foto- und Videoaufnahmen auf den Handys des Norwegers spielten im Prozess deshalb eine wichtige Rolle. Mit drei der Frauen soll der Angeklagte vor den mutmaßlichen Taten länger freiwilligen Sex gehabt haben – das sollte sich strafmildernd auswirken, sagte Staatsanwalt Henriksbø.

Die Verteidiger sehen die Vergewaltigung nicht als erwiesen an. Die Videos, die der Angeklagte selbst während der mutmaßlichen Taten gemacht haben soll, seien keine eindeutigen Beweise – und ohne diese stehe Høibys Wort gegen das der Frauen, so Verteidiger Sekulic.

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Theaterstück „Sønnen“: Stiefsohn von Prinz Haakon wird zur Bühnenfigur

Auf Marius sind seit geraumer Zeit die Augen der Welt gerichtet: Der Stiefsohn von Prinz Haakon muss sich seit Wochen vor Gericht verantworten. Was im Gerichtssaal zum Teil wie die Aufführung einer Tragödie wirkte, wird bald eine andere große Bühne finden: Die Geschichte vom Sohn der norwegischen Kronprinzessin soll laut Medienberichten unter dem Titel „Sønnen“ („Sohn“) im Juni 2026 am Theater Den Nationale Scene in Bergen zu sehen sein.

Damit es wohl möglich authentisch wird, sitzt auch der Schauspieler Mads Sjøgård Pettersen seit sechs Wochen, also von Anfang an, im Gerichtssaal und verfolgt den Prozess, in dem schon viele Tränen geflossen sind. Eigentlich sollte am Dienstag der Staatsanwalt sein Plädoyer beenden. Doch wegen der Erkrankung des Richters kam es zu einer Verzögerung.

Staatsanwalt: Marius ist kein „Monster“, aber ein „eifersüchtiger Mann“

Beobachter sprechen von einer überaus durchdachten Inszenierung, in der sich Marius systematisch als Opfer darstellte. Er habe sich seit seiner Kindheit von den Medien verfolgt gefühlt. Habe darunter zu leiden gehabt, dass er in der Öffentlichkeit stehe, ohne es sich selbst ausgesucht zu haben. Mehrfach, so berichten norwegische Medien, habe der Sohn der Kronprinzessin unter Tränen über seine Kindheit und die ungewollte Prominenz gesprochen.

Mitleid konnte Marius damit aber kaum erzeugen. Im Gegenteil: Er wurde öffentlich mit schlimmen Schimpfwörtern belegt. Staatsanwalt Sturla Henriksbø hatte zu Beginn seines Plädoyers gesagt, Marius sei kein „Monster“, aber ein „eifersüchtiger Mann“, der Frauen wenig respektiere und besonders im Rausch außer Kontrolle geraten sei. „Wir haben einen Mann erlebt, der sich nimmt, was er will, und nicht unbedingt darauf bedacht ist, bei einer After-Party bei dem Mädchen, das auf seinem Schoß sitzt, nachzufragen, ob es ihr recht ist, dass er sie berührt“, resümierte Henriksbø nach sechs Verhandlungswochen laut der Zeitung „Verdens Gang“.

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Prozess gegen Marius Borg Høiby: Ex-Freundinnen berichten schlimme Details

Es handelt sich um schwere Vorwürfe gegen Marius, der unter anderem in vier Fällen von Vergewaltigung nach norwegischem Recht angeklagt ist. Seit Anfang Februar haben 70 Zeugen ausgesagt. Mehr als 800 Seiten SMS wurden vorgelesen. Das Ganze ins Rollen gebracht hatte eine Ex-Freundin von Marius. Im August 2024 soll er sie in ihrer Wohnung gewürgt, einen Kronleuchter von der Decke gerissen und ein Messer in die Wand gefeuert haben.

Bei ihrer Darstellung ging es um Eifersucht, Beschimpfungen und Høibys Wutausbrüche. Aber laut der Aussage beider Seiten auch um Liebe. Sie seien nie wirklich voneinander losgekommen, hieß es, und hätten sich vor dem Prozess trotz eines Kontaktverbots ständig gesehen. Zum Valentinstag ließ ihr Høiby aus der U-Haft Blumen schicken, gab er zu. 

Immer wieder war vor Gericht die Rede von brutalen Attacken: Auch eine Influencerin, die mit Marius zwischen 2022 und 2023 zusammen war, sagte aus, Høiby habe sie mehrfach gewürgt, ihr gedroht, sie getreten, mit Gegenständen geworfen. „Es fühlt sich an, als stünde ein Pitbull direkt vor dir“, so die Frau laut der Zeitung „Verdens Gang“.

Habe sich seit seiner Kindheit von den Medien verfolgt gefühlt: Marius Borg Høiby, hier mit seiner Mutter Mette-Marit, steht zurzeit in Oslo wegen schwerer Anschuldigungen vor Gericht.
Habe sich seit seiner Kindheit von den Medien verfolgt gefühlt: Marius Borg Høiby, hier mit seiner Mutter Mette-Marit, steht zurzeit in Oslo wegen schwerer Anschuldigungen vor Gericht.© AFP | LISE ASERUD

Vergewaltigt im Schlaf? Das wird Marius vorgeworfen

Eine frühere Bekannte erklärte im Zeugenstand, von Marius 2018 in der royalen Residenz des Kronprinzenpaares im Genitalbereich berührt und gefilmt worden zu sein, während sie einen Blackout hatte. Ein anderes mutmaßliches Opfer soll der norwegische „Bonus-Prinz“ im Surfurlaub mit seinem Stiefvater Kronprinz Haakon auf den Lofoten kennengelernt haben. Dort sei es im Oktober 2023 mehrfach zu einvernehmlichem Sex gekommen, bevor er auch sie im Schlaf vergewaltigt haben soll.

Erkennbar ist immer dieses ähnliche Muster: Einvernehmlicher Sex, das Berühren im Genitalbereich und Filmen, wie auch dieses weitere mutmaßliche Vergewaltigungsopfer aussagte. Die Frau hatte Høiby im März 2024 bei einer Party in Oslo kennengelernt. Im November 2024 dann – Monate nach seiner ersten Festnahme – soll er eine weitere Frau in einem Hotelzimmer, ebenfalls nach einvernehmlichem Sex, im Intimbereich berührt und gefilmt haben. Die Ermittler fanden 27 Videos aus der Nacht.

Høibys Verteidiger: Hat ein mutmaßliches Opfer gelogen?

Sekulic säte Zweifel an der Glaubwürdigkeit vor allem eines der mutmaßlichen Opfer. „Ich glaube, dass sie einen lockeren Umgang mit der Wahrheit und Fakten hat - und dass sie während der sexuellen Handlungen höchstwahrscheinlich wach war“, sagte der Verteidiger laut „Verdens Gang“. Die Frau hatte Medien zufolge ausgesagt, einen Blackout gehabt zu haben, und nahegelegt, dass ihr jemand Drogen verabreicht hatte.

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In anderen Fällen argumentierte Sekulic laut der Zeitung damit, dass die betroffenen Frauen kurz vor den vorgeworfenen Taten bereits mehrfach einvernehmlichen Sex mit Høiby hatten. Sie hätten mit ihm geflirtet, sich von seinem Promi-Status angezogen gefühlt und sich freiwillig auf One-Night-Stands mit ihm eingelassen. Mehrere der Frauen hätten die anschließenden Vorfälle zunächst nicht als Übergriffe betrachtet. Auch hier lasse sich nicht eindeutig klären, ob sie wirklich geschlafen hätten, sagte Sekulic demnach.

Mette-Marits Sohn zeigt Reue, aber bestreitet Hauptanklagepunkte

Während des spektakulären Prozesses habe Marius gelegentlich Reue gezeigt, berichten norwegische Medien. Während er einige Anklagepunkte zugegeben hat, etwa Fälle von häuslicher Gewalt, bestreitet er aber die schwersten Vorwürfe – die der Vergewaltigung nach norwegischem Recht – vehement. Auffällig war, so hieß es, dass er sich häufig in Widersprüche verstrickte oder angab, sich wegen Alkohol- oder Drogenrausches nicht erinnern zu können.

Für Überraschung sorgte Norwegens Kronprinzenpaar: Die beiden tauchten zu keiner Zeit vor Gericht auf. Dabei hätten vor allem Høibys Mutter Mette-Marit und sein Stiefvater Haakon durchaus Licht in so manches Prozess-Dunkel bringen können, hieß es. Mette-Marit sei wohl zu krank dazu, sie benötige wegen ihrer Lungenfibrose Ruhe. Schon seit Ende Januar nahm sie keine offiziellen Termine mehr wahr. Wie die Palastsprecherin Sara Svanemyr nun dem norwegischen Magazin „Se og Hør“ (auf Deutsch so viel wie „Hörensagen“) mitteilte, würden derzeit „Vorbereitungen für eine mögliche Lungentransplantation eingeleitet“. Die Prinzessin brauche ein angepasstes Training sowie viel Ruhe und Erholung, hieß es weiter.

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Zudem habe sie, so sehen es norwegische Medien, mit dem Skandal um den Kontakt zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein noch andere Probleme. Nicht nur sie selbst soll Kontakte zu ihm gepflegt haben. Unlängst wurde bekannt, dass auch eine Ex-Freundin von Kronprinz Haakon eng mit Epstein verbandelt gewesen sein soll. Celina Midelfart streitet dies ab.

Zum Abschluss des Prozesses müssen auch noch die geringeren Vergehen verhandelt werden – etwa zu schnelles Fahren oder das Zeigen des Stinkefingers in Richtung eines Polizisten. Zudem soll Marius für einen Dealer 3,5 Kilogramm Marihuana transportiert haben. Alle Prozessbeteiligten gehen davon aus, dass Marius um eine Haftstrafe nicht herumkommt. Bis das Urteil verkündet wird, könnte es mehrere Monate dauern. Zunächst geht es für Haakons royalen Ziehsohn also zurück in die Untersuchungshaft.

mit dpa