Marius Borg Høiby weint. Er sitzt in einem Gerichtssaal in Oslo, wo sich der Stiefsohn des norwegischen Kronprinzen Haakon nun wegen mehrerer Vergewaltigungs- und Missbrauchsvorwürfe verantworten muss. In dem Prozess zeigt sich der 29-Jährige bislang wenig einsichtig. Er bestreitet so gut wie alle 38 Anklagepunkte, will sich an nichts erinnern – nur an einvernehmliche Handlungen mit den Partnerinnen. Er habe den Druck der Öffentlichkeit in Sex und Drogen ertränken wollen, erklärt er sich. Stellt sich die Frage: Fehlte ihm der Schutz – oder ein richtiges Vorbild?

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Bei Übergriffen auf Frauen wird Eltern oft gesagt: „Beschützt eure Töchter.“ Kritiker antworten dann: „Erzieht eure Söhne.“ Wer hat Marius erzogen? Wer hat ihm den Umgang mit anderen Menschen gelehrt oder vorgelebt? Wer hat ihm gezeigt, wie er mit sich selbst umgehen kann, sich selbst beschützen?

Und wer hätte eingreifen müssen, als er gesehen hat, dass der junge Erwachsene strauchelt und abrutscht? Denn trotz geltender Unschuldsvermutung liegt hier etwas im Argen: Kein Kind sollte in eine Kokainabhängigkeit abrutschen.

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Zwei Väter, ein Sohn: Totales Versagen

Zwei Männer kommen dabei infrage, denn eigentlich hat Marius zwei Väter. Er war gerade erst geboren, da waren seine Mutter Mette-Marit und sein leiblicher Vater Morten Borg schon getrennt. Mette-Marit lernte gut zwei Jahre später den Prinzen kennen und seitdem stand ihr Spross im royalen Rampenlicht.

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Jonas Stein ist Online-Redakteur in der FUNKE-Zentralredaktion.© Jonas Stein | Jonas Stein

Der künftige norwegische König hat Marius wohl stets wie seinen Sohn behandelt, hat ihn offiziell in die Königsfamilie aufnehmen lassen. Adoptiert hat er nie. Angeblich, weil Haakon sich nicht in das gute Verhältnis zwischen Marius und seinem leiblichen Vater einmischen wollte.

Ist Marius gleich zwei Vätern, die noch weitere Kinder haben, durchgerutscht? Kronprinz Haakon soll Marius zu einer Entzugstherapie begleitet und „von einigen der Probleme“ gewusst haben. Aber das hat offensichtlich nicht gereicht. Es scheint: Hier haben beide Väter eklatant versagt. Der Angeklagte suhlt sich derweil in Selbstmitleid. Über seine mutmaßlichen Opfer spricht er nicht.