Jedes Jahr durchlaufen Kaiserpinguine ein riskantes Ritual. Während der sogenannten „Mauser“ verlieren sie innerhalb weniger Wochen ihr komplettes Federkleid und bilden ein neues, wasserdichtes Gefieder aus. In dieser Zeit können sie nicht ins Wasser – ihr einziger Schutz vor der eisigen Kälte fehlt. Sie sind darauf angewiesen, dass das Meereis unter ihren Füßen stabil bleibt. Doch genau dieses Eis wird zunehmend zur Mangelware.
Ein Forschungsteam des British Antarctic Survey hat mithilfe von Satellitenbildern neue Einblicke in diesen bislang kaum erforschten Lebensabschnitt gewonnen – und dabei Alarmierendes entdeckt. In der Region Marie Byrd Land in der Westantarktis stießen die Wissenschaftler auf bräunliche Flecken entlang der Küste. Es handelte sich um Ansammlungen abgeworfener Federn – Hinweise auf Mauserkolonien von Kaiserpinguinen.
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Eisfläche schrumpfte um 400.000 Quadratkilometer
Erstmals konnten solche Kolonien aus dem All identifiziert und über mehrere Jahre hinweg verfolgt werden. Die Auswertung von Aufnahmen zwischen 2019 und 2025 zeigt laut der Studie ein deutliches Muster: In Jahren mit stabilem Meereis waren zahlreiche Gruppen zu erkennen. Doch als die antarktische Meereisausdehnung zwischen 2022 und 2024 historische Tiefstände erreichte, veränderte sich das Bild drastisch.
In der untersuchten Region schrumpfte die Eisfläche von einem langjährigen Durchschnitt von rund 500.000 Quadratkilometern auf etwa 100.000 Quadratkilometer im Jahr 2023. Problematisch war auch der Rückgang des sogenannten Festeises – jene Eisflächen, die mit der Küste verbunden sind und den Tieren normalerweise sicheren Halt bieten. Blieb es aus oder brach es zu früh auseinander, gerieten die Pinguine in Lebensgefahr.
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Schwindendes Meereis, schwindende Kolonien
Die Tiere fasten während der 30 bis 40 Tage dauernden Mauser und verlieren dabei bis zu der Hälfte ihres Körpergewichts. Werden sie in dieser Phase ins Wasser gezwungen, drohen Unterkühlung, Erschöpfung und ein erhöhtes Risiko durch Fressfeinde. Es ist „wahrscheinlich die gefährlichste Zeit für erwachsene Kaiserpinguine, weil sie ihre wasserdichten Anzüge noch nicht anhaben“, sagte Pinguin-Experte Peter Fretwell der BBC.
Besonders betroffen ist die Westantarktis, in der 30 bis 40 Prozent der weltweiten Population leben. Sieben Brutkolonien aus dem Rossmeer-Gebiet ziehen jeden Sommer bis zu 1000 Kilometer weit, um geeignete Eisflächen für die Mauser zu finden.
Nach den extremen Eisverlusten waren 2025 auf Satellitenbildern nur noch 25 kleinere Gruppen erkennbar. In den Jahren zuvor waren es über hundert gewesen. Ob die Tiere neue Mauserplätze gefunden haben oder ob es zu erheblichen Verlusten kam, ist bislang unklar.
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Mausern wird durch den Klimawandel zusätzlich zum Risiko
Für eine langlebige Art wie den Kaiserpinguin, der erst im Alter von drei bis sechs Jahren brütet, wiegt der Verlust erwachsener Tiere besonders schwer. Die Mauser, ohnehin die gefährlichste Phase im Leben der Tiere, wird durch den Klimawandel zusätzlich zum Risiko.
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Die nun in der Fachzeitschrift Communications Earth & Environment veröffentlichten Ergebnisse zeigen, wie abrupt sich Lebensbedingungen in der Antarktis verändern können. Kaiserpinguine gelten dabei als Indikatorart: Was ihnen widerfährt, könnte auch andere Arten treffen, von Robben über Seevögel bis hin zu Krill und Walen, die vom Meereis abhängen.
Noch besteht die Hoffnung, dass sich einige Gruppen anpassen und auf flachere Schelfeisbereiche ausweichen. Doch auch das könnte Folgen für Brut- und Nahrungsrhythmen haben.








