Die Antarktis, lange Symbol unberührter Natur, steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Eine aktuelle Studie australischer Wissenschaftler, veröffentlicht im Fachmagazin „Nature“, liefert alarmierende Erkenntnisse: Die Prozesse, die sich am Südpol abspielen, schreiten deutlich schneller und drastischer voran als bislang angenommen.
Das internationale Forschungsteam unter Leitung von Professorin Nerilie Abram von der „Australian National University“ zeigt, dass sich das antarktische System bereits jetzt in einem gefährlichen Wandel befindet. Dazu gehören ein drastischer Rückgang der Meereisbedeckung, ein Schwinden der Stabilität von Schelfeisen sowie ein zunehmender Verlust von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen.
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„Die vom Menschen verursachte Klimaerwärmung kann abrupte und unerwartete Auswirkungen auf die Umwelt haben, die weitreichende Folgen haben und nur schwer oder gar nicht mehr rückgängig gemacht werden können“, warnt Abram.
„Regiemewechsel“: Entwicklung hat weitreichende Folgen
Besonders gravierend ist der Rückgang des Meereises. In den Sommern 2017, 2022 und 2023 wurden Rekordtiefs gemessen – deutlich unterhalb dessen, was sich durch natürliche Schwankungen erklären ließe. Die Forscher sprechen von einem „Regimewechsel“, also einem grundlegenden Übergang in einen neuen Zustand.
Diese Entwicklung hat weitreichende Folgen:
- Das globale Netzwerk der Ozeanzirkulation verlangsamt sich, wodurch weniger Wärme und Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufgenommen wird.
- Schelfeise, die bislang wie Barrieren wirkten, verlieren ihre Stabilität. Dadurch fließt mehr Gletschereis ins Meer – mit direktem Einfluss auf den Meeresspiegelanstieg.
- Küsten und Ökosysteme weltweit geraten unter zusätzlichen Druck.
„Es ist besorgniserregend, dass die abrupten Veränderungen in der Antarktis viele Wechselwirkungen haben“, fasst Abram zusammen.
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Auch die Tierwelt leidet unter den Veränderungen. Kaiserpinguine sind auf stabiles Meereis zur Aufzucht ihrer Küken angewiesen. Ohne Anpassungsmöglichkeiten droht ihnen bis 2100 das Aussterben. Parallel dazu verzeichnen Forscher einen Rückgang des Krills, der als zentrale Nahrungsquelle für Fische, Robben und Wale gilt.
Die Forscher sehen nur einen Weg, den Teufelskreis zu durchbrechen: Netto-Null-Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts. „Der einzige sichere Weg, das Risiko abrupter Veränderungen zu verringern, besteht darin, dass die Welt die weitere Erwärmung begrenzt und den Klimawandel so nahe wie möglich bei 1,5 Grad stabilisiert“, mahnt Abram.




