Bereits seit einigen Wochen sorgen starke und für die Winterzeit im Nahen Osten typische Regenfälle auch im Gazastreifen für massive Überschwemmungen – mit schwerwiegenden Folgen für das ohnehin schwer zerstörte Gebiet und die dort lebenden Menschen. Jetzt verschärft zudem das Sturmtief „Byron“ seit Mittwochabend, 10. Dezember, die Lage vor Ort. Das Tief, das am vergangenen Wochenende in weiten Teilen Griechenlands und Zyperns zu Überschwemmungen und schweren Sachschäden geführt hatte, erreichte wenige Tage später auch den Gazastreifen, brachte auch hier starke Überschwemmungen mit sich.

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Die Folgen: Menschen starben, Häuser stürzten ein, Zelte und andere Notunterkünfte wurden weggeschwemmt. Vielen Menschen, die aufgrund des seit Oktober 2023 anhaltenden Gaza-Kriegs ihr Zuhause verloren hatten, wurde so abermals das Dach über dem Kopf genommen. Ein der Hamas nahestehendes Medienbüro berichtete von vor Ort, dass bisher 13 Häuser eingestürzt, mehr als 53.000 Zelte beschädigt, zerstört oder weggeschwemmt und elf Personen tot geborgen worden seien (Stand 13. Dezember).

Laut Hamas-geführter Zivilschutzbehörde seien es sogar mindestens 16 Menschen, die in den vergangenen 24 Stunden aufgrund von „Byron“ verstorben sind. Darunter seien auch drei Kinder: ein neunjähriges sowie ein Kind, das nur wenige Monate alt gewesen sein soll, in Gaza Stadt; zudem ein acht Monate altes Kind in Chan Junis, der zweitgrößten Stadt im Gazastreifen.

„Es ging ihr völlig gut. Dann fand ich sie plötzlich erfrierend und zitternd.“

Mutter eines durch „Byron“ verstorbenen Kindes

Wie die Mutter des acht Monate alten Kindes aus Chan Junis gegenüber US-Nachrichtensender CNN mitteilte, hätte sie ihr Kind in der Nacht zuvor noch gefüttert – ohne jegliche Auffälligkeiten. „Es ging ihr völlig gut. Ich habe sie gestern Abend gestillt. Dann fand ich sie plötzlich erfrierend und zitternd. Sie war gesund, mein Schatz.“ Das Zelt, in dem sie gemeinsam mit ihrem Mann und dem Kind gelebt hatte, war in der Nacht zu Donnerstag überflutet worden.

Alle drei Kinder sollen aufgrund von Unterkühlung gestorben sein, teilte das Al-Schifa-Krankenhaus in Gaza mit. Laut der Internationalen Organisation für Migration seien insgesamt knapp 795.000 Menschen durch „Byron“ in Gefahr. Laut WHO leben Tausende Familien in niedrig gelegenen oder mit Trümmern übersäten Küstengebieten ohne Entwässerung oder Schutzbarrieren. Besonders drastisch soll die Lage in Rafah und Chan Junis sein.

Allein entlang der Küste von Chan Junis befänden sich mehr als 4000 Menschen in Hochrisikogebieten. Von diesen würden etwa 1000 Menschen mit Unterstützung der Vereinten Nationen vorrangig evakuiert. Das UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA teilte mit, dass außerhalb des Gazastreifens Ausrüstung für Notunterkünfte für bis zu 1,3 Millionen Menschen bereitstehe. Ohne Israel direkt zu nennen, erklärte die Hilfsorganisation, es sei eine politische Entscheidung, diese Hilfe zu verweigern.

Schwere gesundheitliche Gefahren befürchtet

Doch damit nicht genug: Durch das nasse und kalte Winterwetter drohe ein Anstieg akuter Atemwegsinfektionen, einschließlich Grippe, sowie Hepatitis und Durchfallerkrankungen. Verschlimmert werde die Lage durch den Mangel an sanitären Einrichtungen, von denen viele nach zwei Jahren Krieg nicht mehr funktionierten. Auswirkungen, vor denen Hilfsorganisationen bereits gewarnt hatten. Sie sprechen seit Langem davon, dass jedes schwere Unwetter katastrophale Zustände auslösen könnte, etwa wenn sich durch nicht funktionierende Entwässerungssysteme Abwasser mit dem Hochwasser mischt.

Warnungen, die jetzt Realität werden: In der Region Haifa sind laut israelischen Medien bis Mittwochmorgen zwischen 60 und 70 Millimeter Regen gefallen. Ein Niederschlagsrekord – der auftrat, noch bevor „Byron“ Gaza erreichte.

mit dpa, afp, kna, epd